Trudeau: EU und Kanada müssen globale Wirtschaft anführen

Die ganze Welt profitiere von einer starken EU, sagte Kanadas Premier vor dem EU-Parlament. Mit seinem Plädoyer für den Handelsdeal Ceta geht er auf Distanz zur USA.

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Trudeau in Straßburg.
Trudeau in Straßburg. – APA/AFP/FREDERICK FLORIN

Der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau sieht die EU und sein Land angesichts der Turbulenzen für den Welthandel in der Pflicht. Kanada und die EU glaubten an Demokratie, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, sagte Trudeau am Donnerstag vor dem EU-Parlament in Straßburg. Eine effektive europäische Stimme auf der Weltbühne sei nicht nur erstrebenswert, sondern unverzichtbar. "Die ganze Welt profitiert von einer starken EU."

Damit ging Trudeau auf Distanz zum Nachbarland USA als auch zu Großbritannien, das für einen EU-Austritt gestimmt hat. Die EU sei ein "noch nie dagewesenes Beispiel für friedliche Zusammenarbeit". Kanada und die EU seien "Freunde und Alliierte", sagte der Premierminister. Die beiden Länder müssten sich in "diesen Zeiten dafür entscheiden, die internationale Wirtschaft anzuführen statt einfach Gegenstand ihrer Launen zu sein."

Das EU-Parlament hatte am Mittwoch den Weg für das Freihandelsabkommen mit Kanada freigemacht. Zwar müssen noch die nationalen Parlamente zustimmen, aber Teile der Vereinbarung, die vor allem den Abbau von Zöllen vorsehen, dürften im Frühjahr in Kraft treten. Beide Seiten müssten nun dafür sorgen, dass Ceta den Menschen zugutekomme, sagte Trudeau. "Wenn wir erfolgreich sind, wird Ceta die Blaupause für alle ambitionierten künftigen Handelsvereinbarungen sein. Wenn nicht, könnte es das letzte derartige Abkommen sein. Jetzt dürfen wir keinen Fehler machen."

Ceta "nur der Anfang"

Die 2009 begonnenen und im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verhandlungen umschrieb Trudeau als "langwierig". "Es war nicht einfach, es ging hin und her." Dadurch sei es jedoch gelungen, ein "ehrgeiziges" Abkommen zu schließen. Es sei "viel leichter, auf Probleme zu verweisen, als sie zu lösen" und "viel schwieriger, etwas aufzubauen als abzureißen". Mit dem Freihandelsvertrag hätten beide Seiten "etwas aufgebaut". Die Ratifizierung von CETA sei "nur der Anfang für Kanada und die EU", betonte Trudeau. "Das Beste wird noch kommen."

Die Regierung in Ottawa hofft, mit der Vereinbarung von ihrem wichtigsten Handelspartner USA unabhängiger zu werden. US-Präsident Donald Trump hat das transpazifische Abkommen TPP aufgekündigt und Neuverhandlungen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta mit Kanada und Mexiko angekündigt. Für die EU ist Ceta das erste umfassende Freihandelsabkommen mit einem G7-Staat, dem weitere Vereinbarungen mit Mexiko, Japan oder Vietnam folgen sollen.

(APA/Reuters)

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