Umfrage: Warum Frauen die EU mögen

Bis 2014 waren sie skeptischer als Männer. Doch heute bewerten Frauen die Mitgliedschaft in der Union deutlich positiver.

Während sich die EU-Stimmung unter Männern in den vergangenen Jahren negativ entwickelt hat, ist die Stimmung unter Frauen besser geworden (Archivbild).
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Während sich die EU-Stimmung unter Männern in den vergangenen Jahren negativ entwickelt hat, ist die Stimmung unter Frauen besser geworden (Archivbild).
Während sich die EU-Stimmung unter Männern in den vergangenen Jahren negativ entwickelt hat, ist die Stimmung unter Frauen besser geworden (Archivbild). – (c) REUTERS

Wien. 70 Prozent der österreichischen Frauen sind der Ansicht, dass ihr Land in der EU bleiben sollte. Der weibliche Teil der Bevölkerung ist damit heute deutlich positiver zur Mitgliedschaft eingestellt als der männliche Teil (64 Prozent). Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE). „In politisch zunehmend unsicheren Zeiten dürften Männer vermehrt auf rasche und damit mittlerweile nationale Lösungen setzen. Frauen suchen stärker das Gemeinsame und betrachten einen potenziellen EU-Austritt angesichts der aktuellen Herausforderungen eher als Sprung ins kalte Wasser“, analysiert ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt. „Männer wiederum scheinen erratischer zu reagieren und häufiger mit emotionalen Austrittsargumenten zu sympathisieren.“

Während sich die EU-Stimmung unter Männern in den vergangenen Jahren negativ entwickelt hat, ist die Stimmung unter Frauen besser geworden. Als 1994 in Österreich die Volksabstimmung zur Mitgliedschaft in der EU abgehalten wurde, unterstützten dies nur 62 Prozent der Frauen, aber 70 Prozent der Männer – also fast gegensätzlich zur aktuellen Stimmungslage. Seit dem Beitritt 1995 bis zum Jahr 2014 war der männliche Teil der Bevölkerung stets in stärkerem Maße für die Mitgliedschaft eingestellt als der weibliche Teil, doch 2014 hat sich die Stimmung unter den Geschlechtern gedreht. Plötzlich lagen die Frauen in der Pro-EU-Stimmung voran. Ähnlich war dies beim Vertrauen in die Gemeinschaftswährung Euro. Auch hier waren Frauen ehemals skeptischer. Zuletzt (2017) zeigten aber 50 Prozent der Frauen und nur 47 Prozent der Männer „sehr großes“ bzw. „großes Vertrauen“ in den Euro.

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Die Gesellschaft für Europapolitik, die regelmäßig Umfragen zur EU-Mitgliedschaft durchführt, konnte seit 2014 auch ein unterschiedliches Werteempfinden bei Frauen und Männern in Bezug auf die Mitgliedschaft feststellen. So halten Männer die EU heute eher für „unsicher“ (56 %), eine Mehrheit der Frauen hingegen eher für „sicher“ (53 %), 2014 war dies noch umgekehrt. Während Männer die EU derzeit mehrheitlich als „Zwang“ empfinden (53 %), sind es bei Frauen nur noch 40 Prozent. Auch hier hat sich die Stimmung gedreht.

„Der in den vergangenen Jahren zu verzeichnende Meinungsumschwung von Männern und Frauen in Sachen EU ist beachtlich“, so Schmidt. Ein möglicher Grund liege im Erstarken der rechtspopulistischen Kräfte, die bisher vor allem männerdominiert waren. Diese Einschätzung wurde auch bei der jüngsten Präsidentenwahl bestätigt. Dabei unterstützten 56 Prozent der Männer Norbert Hofer, hingegen 62 Prozent der Frauen den EU-freundlicheren Alexander Van der Bellen. (wb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2017)

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