Top-EU-Beamter heuert bei Pharmalobby an

Der Chef der EU-Arzneimittelagentur wechselt fast nahtlos zu einer Lobbyfirma und einem Arzneimittelkonzern. Die Kommission hätte ihm eine Sperrfrist vorschreiben können, wenn dies bekannt gewesen wäre-

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Brüssel. Just an dem Tag, an dem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso dem Europa-Parlament den überarbeiteten Verhaltenskodex für die EU-Kommission überreichte, wurde ein umstrittener Jobwechsel eines EU-Spitzenbeamten in die Privatwirtschaft bekannt. Es geht um Thomas Lönngren, der bis Ende 2010 Direktor der EU-Arzneimittelagentur in London war. Diese Behörde mit 530 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von zuletzt 194,4 Millionen Euro ist der Kommission unterstellt und für die Zulassung von Medikamenten in der EU zuständig.

Keinen Monat nach Ende seines Dienstverhältnisses verkündete die australische Pharmafirma CBio, dass Lönngren ihrem Aufsichtsrat beitritt. CBio nennt dieses Engagement einen „Coup“ und lobt Lönngrens „aktuelle Kenntnis regulatorischer Fragen“, die „unschätzbar“ sei, da man derzeit ein Medikament in der kritischen Phase der Zulassung habe. Zugleich gab die Pharma-Lobbyingagentur NDA bekannt, dass Lönngren eine neue Sparte für regulatorische Fragen und Marktzulassung leiten wird.

Die liberalen Abgeordneten Corinne Lepage und Antonyia Parvanova wollen nun von Barroso wissen, ob Lönngren seine geplanten neuen Jobs angekündigt hat, wie es das EU-Beamtenstatut vorschreibt. Die Kommission hätte ihm dann nämlich eine Sperrfrist vorschreiben können.

Barrosos Reform des Verhaltenskodex wiederum sieht vor, dass aktive Kommissare ihre Urlaube selbst zahlen müssen. Das ist aber nur eine Präzisierung der geltenden Regel, wonach jeder Kommissionsbeamte Geschenke im Wert von mehr als 50 Euro genehmigen lassen und ab einem Wert von 250 Euro abgeben muss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2011)

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