Linienrichter getötet: Offenbar fünf jugendliche Täter

Mehr Fußballer als zunächst angenommen verprügelten einen Linienrichter, der letztendlich starb. Gewalt ist im niederländischen Amateurfußball an der Tagesordnung, allein im Vorjahr gab es 280 Sperren.

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Spieler des Amateurklubs Buitenboys vor einem Training zwei Tage nach dem Vorfall. – Reuters

Am Totschlag eines niederländischen Linienrichters waren mehr Täter beteiligt als bisher bekannt. Fünf Junioren des Clubs Nieuw-Sloten sollen den 41-Jährigen nach einem Spiel in Almere am Sonntag angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Bisher war von drei Tätern im Alter von 15 und 16 Jahren ausgegangen worden. Das Opfer starb am Montag im Krankenhaus (DiePresse.com berichtete).

Drei Jugendliche werden von der Staatsanwaltschaft Amsterdam wegen Totschlags angeklagt. Sie sollen am Donnerstag dem Richter vorgeführt werden.

Gewalt an der Tagesordnung

Die Attacke vom Sonntag ist bei weitem kein Einzelfall: Auf niederländischen Fußballplätzen kommt es an jedem Wochenende zu gewalttätigen Zwischenfällen. In der vergangenen Saison registrierte der niederländische Fußballverband (KNVB) insgesamt 873 Vorfälle. Doch die Vereine geben an, dass nur die schlimmsten Attacken gemeldet werden. Anfang des Jahres hatte ein Spieler eines inzwischen aufgelösten Amsterdamer Vereins einen 77 Jahre alten Zuschauer mit einem Karatetritt tödlich verletzt. 

Vor allem Schieds- und Linienrichter sind zunehmend Opfer von Gewalt und Aggressionen, ergab eine Studie des KNVB von diesem Frühjahr. Zwölf ehrenamtliche Schiedsrichter hatten daher beschlossen, kein Spiel mehr zu leiten. Dennoch erklärte der KNVB am Dienstag nach dem Tod des Linienrichters: "Die Gewalt im Amateurfußball hat abgenommen." Allerdings kann der Verband dafür keine Zahlen vorlegen.

74 lebenslange Sperren im Vorjahr

Alleine in der vergangen Saison wurden 105 Amateurmannschaften aus den Ligen genommen, 74 Spieler lebenslang gesperrt und 200 immerhin noch für zwei Jahre. Vor allem viele 15- und 16-Jährige im Westen des Landes um die großen Städte Rotterdam, Amsterdam und Utrecht sind aggressiv, stellte der KNVB fest. Dieses Profil passt genau auf die mutmaßlichen Täter der tödlichen Prügelattacke vom Sonntag in Almere bei Amsterdam.

Erst in diesem Sommer hatte der KNVB die Sanktionen gerade für Jugendliche gelockert. "Nach vielen Reaktionen der Vereine haben wir beschlossen, den Jugendlichen noch eine zweite Chance zu geben", begründete der KNVB diese Entscheidung. Jugendliche können nicht mehr lebenslang, sondern höchstens drei Jahre gesperrt werden.

(APA/dpa/Red.)

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