Entführung im Jemen: Österreichische Ermittler aktiv

Österreichische Experten unterstützen den Botschafter in Sanaa. Doch es wird Kritik an den jemenitischen Sicherheitskräften laut.

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Symbolbild – EPA

Bei den Ermittlungen im Fall des am 21. Dezember im Jemen entführten Wieners ist auch ein Team an österreichischen Experten an Ort und Stelle aktiv. Sie unterstützen den Botschafter in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, wie das Außenministerium in Wien bestätigte. Details wollte Außenamts-Sprecher Nikolaus Lutterotti jedoch nicht nennen.

Wie die Tageszeitung "Der Standard" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf die jemenitische Regierung berichtete, ist der Österreicher, der vergangene Woche gemeinsam mit einem finnischen Paar entführt worden war, wohlauf. Derartige Berichte wollte Lutterotti weder bestätigen noch dementieren.

Kritik an Sicherheitskräften

Es wird aber auch Kritik an der Rolle der Sicherheitskräfte laut. Die Kidnapper hätten leicht aufgehalten werden können, schrieb der Journalist Ramzy Alawi in einem Kommentar der englischen Online-Ausgabe der "Yemen Times". Wie der "Kurier" berichtet, decken sich diese Schilderungen mit einem Bericht einer "Times"-Journalistin für eine finnische Zeitung.

Augenzeugen hätten den Sicherheitskräften unmittelbar nach der Entführung eine Beschreibung des Entführungsautos sowie dessen Kennzeichen gemeldet, so Alawi. Aus erster Hand habe er erfahren, dass sich die Behörden weigerten zu handeln, als sie von dem Vorfall informiert worden waren. "Wir haben keine Anweisungen", zitiert Alawi seine Quelle.

Finnland wird aktiv

Inzwischen sind in die Ermittlungen auch die finnische Kriminalpolizei und die Staatsspitze involviert. Wie das Portal der Tageszeitung "Helsigin Sanomat" berichtete, wurde am Donnerstag in Helsinki eine spezielle Ermittlergruppe für den Fall gebildet. Außenminister, Regierungschef und Staatspräsident werden zu dem Fall ebenfalls auf dem Laufenden gehalten.

Der gleichzeitig ernannte Chef der Ermittlergruppe bei der finnischen Kripo, Thomas Elfgren, sagte gegenüber der Zeitung, es bestehe die Möglichkeit, dass einer oder mehrere Beamte in den Jemen entsandt werden, um die jemenitischen Behörden auch an Ort und Stelle zu unterstützen. Der Chef des Krisenstabes im Helsinkier Außenministerium, Jussi Tanner, hielt sich indes gegenüber der finnischen Nachrichtenagentur STT zu dem Fall mit Informationen auch am Donnerstag weitgehend bedeckt. Tanner zufolge ist außer der finnischen Diplomatie und der Polizei auch die Staatsspitze in den Fall eingeschaltet.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es geheißen, die finnischen, österreichischen und jemenitischen Behörden hielten in dem Fall "intensiven" Kontakt. Der 26-jährige Wiener und das finnische Paar wurden am 22. Dezember in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa - vermutlich von Stammesangehörigen - entführt. Kurz darauf wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen, alle Stadtausfahrten gesperrt bzw. von der Polizei kontrolliert. Diese hätte die Entführer aufhalten können, erklärte Alawi.

(APA)

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