Primark entschädigt Opfer in Bangladesch

Der irische Textildisounter will auch Hinterbliebene unterstützen. Bei einem Fabrikseinsturz kamen mindestens 387 Menschen ums Leben.

Primark ließ in der eingestürzten Fabrik in Bangladesch produzieren und muss dafür viel Kritik einstecken.
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Primark ließ in der eingestürzten Fabrik in Bangladesch produzieren und muss dafür viel Kritik einstecken.
Primark ließ in der eingestürzten Fabrik in Bangladesch produzieren und muss dafür viel Kritik einstecken. – (c) REUTERS/Suzanne Plunkett

Der irische Textildiscounter Primark will Betroffene und Hinterbliebene der Hauseinsturz-Katastrophe in Bangladesch entschädigen. Ein Team arbeite daran, den Menschen Soforthilfe wie auch längerfristige Hilfe zukommen zu lassen, teilte das irische Unternehmen am Dienstag mit. Ein Gericht in Bangladesch entschied unterdessen, die Vermögen der Fabrikbesitzer einzuziehen und ihre Konten zu sperren. 387 Menschen wurden nach offiziellen Angaben bisher tot geborgen, fast 2.500 Menschen konnten befreit werden. Seit Sonntag orteten die Rettungskräfte keine Lebenszeichen mehr unter den Trümmern.

Primark wolle auch langfristige Hilfen für Kinder zahlen, die ihre Eltern verloren haben, hieß es in der Mitteilung weiter. "Wir arbeiten mit einer örtlichen Hilfsorganisation zusammen." Ein Lieferant des Billigdiscounters hatte eine Etage in dem achtstöckigen Gebäude in der Hauptstadt Dhaka angemietet. In dem Komplex ließ auch Mango aus Spanien fertigen. C&A und Kik hatten ihre Geschäftsbeziehungen zu einem Lieferanten, der in dem Haus produzierte, vor wenigen Jahren beendet.

Mehrere Festnahmen

Die Polizei hat den Besitzer des Gebäudes, Sohel Rana, sowie vier Betreiber der Fabriken festgenommen. Auch der Vater des Hausbesitzers sowie vier Techniker wurden festgesetzt. Der Hausbesitzer wird beschuldigt, beim Bau des 2006 fertiggestellten Gebäudes minderwertiges Material verwendet zu haben. Die Fabrikbetreiber sollen Warnungen der Behörden ignoriert haben, nachdem am Vortag bereits große Risse aufgetaucht waren.

Tausende Angehörige harrten auch am sechsten Tag nach dem Unglück noch neben der Einsturzstelle in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka aus. Seit Sonntag wurde allerdings kein Überlebender mehr geortet. Angehörige ließen 1300 Namen bei der Polizei registrieren, wie der Einsatzleiter der Polizeistation im Industriegebiet Savar erklärte. "Wir müssen sie aussortieren, um die tatsächliche Zahl der vermissten Arbeiter zu ermitteln", sagte Mohammad Asaduzzaman. Nach Angaben des Textilverbandes waren 3200 Arbeiter in dem Gebäude.

Am Unglücksort setzte die Polizei erneut Schlagstöcke gegen Demonstranten ein, die die Todesstrafe für die Verantwortlichen forderten. Auch in anderen Teilen Dhakas kam es zu Auseinandersetzungen, im Industriegebiet Ashulia setzte die Polizei Tränengas ein, als Protestierende einen Fabrik stürmen wollten.

Der Einsturz war der dritte große Industrie-Unfall in Bangladesch innerhalb von fünf Monaten. Die Textilbranche beschäftigt etwa 3,6 Millionen Menschen. Die meist von ihnen sind Frauen, die zum Teil weniger als umgerechnet 30 Euro im Monat verdienen.

(APA/dpa/Reuters)

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