Bangladesch: EU-Sanktionen nach Einsturz?

Nach dem Unglück mit mehr als 400 Toten droht ein Ende der Handelsvergünstigungen. Bangladesch hat bisher für fast alle Waren zollfreien Marktzugang in der EU.

Bangladesch Unglück
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Bangladesch Unglück – (c) REUTERS (ANDREW BIRAJ)

Der Einsturz eines Fabrikgebäudes, dem vor einer Woche in Bangladesch mehr als 400 Menschen zum Opfer fielen, könnte das Land noch teuer zu stehen kommen: Die EU erwägt nun, Handelsvergünstigungen aufzuheben, sollten die Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land nicht verbessert werden. Bangladesch hat bisher für fast alle Waren zollfreien Marktzugang in der EU. Davon profitiert besonders die Textilindustrie, die 60 Prozent ihrer Produkte nach Europa exportiert, im Wert von 19 Mrd. Dollar pro Jahr.

Entschädigung aus Kanada

Die kanadische Einzelhandelskette Loblaw, die in Bangladesch fertigen lässt, kündigte derweil an, den Familienangehörigen der Opfer finanziell helfen zu wollen. Über die Höhe der Entschädigung machte Loblaw noch keine Angaben. „Wir werden den Familien der Opfer, die für unsere Lieferanten arbeiteten, eine Entschädigung zahlen“, so Firmensprecherin Julija Hunter zur „Presse“.

Am Mittwoch wurden immer noch Opfer aus den Trümmern des kollabierten Gebäudes geborgen. In der Fabrik haben mehrere große Unternehmen aus Industrieländern produzieren lassen. Aber nur wenige haben eingeräumt, dass in dieser Fabrik für sie gefertigt wird. Loblaw ist Kanadas größte Einzelhandelskette.

Textilfabriken wieder offen

Acht Tage nach dem Einsturz haben am Donnerstag wieder zahlreiche Textilfabriken geöffnet. Millionen Arbeiter kehrten in ihre Fabriken rund um die Hauptstadt Dhaka zurück, wie der Vizepräsident des Textilarbeitergeberverbands, Shahidullah Azim, mitteilte. Es gebe keine Berichte über Proteste oder Gewalt, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Zahlreiche Arbeiter in den rund 4500 Textilfabriken des südasiatischen Landes hatten nach dem Unglück am 24. April aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen die Arbeit niedergelegt. Noch am Mittwoch, dem Tag der Arbeit, entlud sich die Wut der Menschen in heftigen Protesten: Zehntausende Arbeiter forderten die Hinrichtung der Besitzer der fünf Fabriken, die in dem eingestürzten Haus untergebracht waren.

Opferzahl steigt weiter

Immer noch werden Leichen aus den Trümmern gezogen. 429 Tote seien inzwischen gefunden worden, sagte der Leiter der Operation, Generalmajor Hasan Suhrawardy, am Donnerstag in Dhaka. Die Suche werde andauern, bis der letzte Vermisste gefunden sei. Nach offiziellen Angaben vom Mittwoch ist der Verbleib von rund 150 Menschen aus dem Gebäude weiter ungeklärt.

Die Opposition warf der Regierung vor, die Zahl der Toten zu niedrig anzugeben, um das Ausmaß der Katastrophe zu verschleiern. Suhrawardy wies das am Donnerstag zurück und rief dazu auf, entsprechenden "Gerüchten" keinen Glauben zu schenken.

(Ag./Bra)

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