China: Flutwelle droht, Tausende auf der Flucht

Die Stadt Beichuan musste evakuiert werden. Tausende Menschen flüchteten wegen eines möglichen Dammbruchs in höher gelegene Gebiete.

Tausende flüchten in höher gelegene Gebiete.
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Tausende flüchten in höher gelegene Gebiete.
(c) Reuters (Jason Lee)

Weil eine Flutwelle durch einen Dammbruch befürchtet wurde, musste die Stadt Beichuan am Samstag evakuiert werden. Tausende Menschen und Bergungsmannschaften flüchteten in höher gelegene Gebiete. Bei dem Erdbeben am Montag hatte ein Erdrutsch einen Fluss oberhalb von Beichuan blockiert, so dass sich ein See herausbildete. Soldaten hatten laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, der Wasserstand steige und der natürliche Damm könne "jederzeit brechen".

"Alle ziehen aus der Stadt ab", berichtete ARD-Korrespondentin Ariane Reimers. Die Menschen riefen "lauft, lauft" oder "schnell, schnell". "Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen." Anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten eher wie ein "geordneter Rückzug" verlaufen. Die Zerstörung in der Stadt Beichuan, wo nur 10.000 der 30.000 Einwohner überlebt haben, nannte Reimers "unfassbar": "Alles ist voller Leichen." Unterdessen bestätigten die chinesischen Behörden offiziell den Tod von knapp 29.000 Menschen durch das Erdbeben der Stärke 7,9.

Die Rettung von Leben bleibe die oberste Priorität, sagte Chinas Staatspräsident Hu Jintao am Samstag. Keine Mühe dürfe gescheut werden, um trotz aller Schwierigkeiten den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. Am Freitagabend konnten die Rettungskräfte eine Zehnjährige aus einer zusammengestürzten Grundschule, ebenfalls in Wenchuan, befreien. Das Mädchen war über 100 Stunden in den Trümmern gefangen.

Angst vor Seuchen

In China wächst unterdessen die Angst vor Seuchen in den Erdbebengebieten. Vertreter von Regierung und Behörden warnten vor den Folgen der mangelnden Trinkwasserversorgung und den schlechten hygienischen Bedingungen für die fünf Millionen Menschen, die durch das Beben obdachlos wurden. Als besonderes Infektionsrisiko gelten die 12,5 Millionen Tierkadaver im Katastrophengebiet.

Schäden an einigen Atomanlagen


Nach Angaben der französischen Atomaufsicht hat es bei dem Erdbeben auch leichte Schäden an einigen Atomanlagen in der Region gegeben. Radioaktivität sei aber offenbar nicht frei geworden. Die chinesischen Behörden hätten schnell reagiert und sofort alle Atomanlagen in der Region abgeschaltet, um sie zu kontrollieren, sagte Thierry Charles, der für Sicherheitsfragen zuständige Direktor der französischen Atomaufsicht. China betreibt den Angaben zufolge in der Provinz Sichuan einen Forschungsreaktor, zwei Brennstofffabriken und zwei Anlagen zum Bau von Atomwaffen. Alle Betrieben lagen zwischen 70 und 150 Kilometer vom Epizentrum entfernt. (Ag.)