Italien: Militärdienst in der Hanfplantage

Cannabis ist seit 2007 in der medizinischen Behandlung zugelassen. Weil der Import aber kompliziert und teuer ist, muss nun das Heer ran – und Anbauhilfe leisten.

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Marijuana – (c) REUTERS

Rom. Schwerter zu Pflugscharen ist bei Italiens Heer offenbar die Devise, und zwar im wörtlichen Sinn: Es verstärkt seine Ackerbautätigkeit und eröffnet eine Cannabisplantage. Das tun die Militärs nicht nur ganz legal, sondern in ausdrücklichem Auftrag des Vaterlandes: Verteidigungsministerin Roberta Pinotti und ihre Kollegin vom Gesundheitsressort, Beatrice Lorenzin, haben das Projekt beschlossen, das mit der Ernte 2015 erste Früchte tragen soll. Und in Italiens Politik gibt es ausnahmsweise niemanden, der dagegen ist.

Verwendet werden soll das Cannabis nur für medizinische Zwecke: für Schmerz-, Sklerose- und Palliativpatienten, denen andere Mittel keine Linderung verschaffen. Anders als in Deutschland sind entsprechende Medikamente in Italien seit 2007 erlaubt. Wie so oft aber fehlten dem Gesetz die zur Ausführung nötigen Bestimmungen, und so muss das Cannabis bisher in einem langwierigen bürokratischen Prozess aus dem Ausland eingeführt werden. Die damit verbundenen Kosten – 15 Euro pro Gramm bei einem geschätzten Jahresbedarf von bis zu 100 kg – sind neben dem Drängen zahlreicher Mediziner und linksliberaler Kräfte das entscheidende Motiv für die nun beschlossene Selbstversorgung.

Militärische Klosterapotheke

Damit keiner auf dumme Gedanken kommt in einem Italien, in dem der Haschischkonsum – bei sonst stabilen Drogenmissbrauchszahlen – unter Jugendlichen ohnehin deutlich im Steigen begriffen ist, darf der Hanf nur unter starken Sicherheitsbedingungen wachsen und verarbeitet werden: und zwar im Chemisch-Pharmazeutischen Militär-Institut von Florenz, das seit 1853 das Heer mit allerlei heilsamen Naturprodukten sowie mit Gegengiften im Fall feindlicher Attacken beliefert.

Heute versorgt es aber auch – wie eine Klosterapotheke – interessierte Zivilisten mit Bioseifen, Lutschpastillen und Likören. Das Institut stellt ferner Medizin gegen Krankheiten bereit, die derart selten sind, dass sich private Pharmafirmen hier keinen Gewinn versprechen.

Jetzt müssen die Militärs wohl tatsächlich neues Ackerland pflügen, denn der Bedarf scheint enorm zu sein: Während das Cannabis auf Rezept heute für lediglich knapp hundert Kranke in Italien zugänglich ist, könnten es laut Gesundheitsministerium nicht weniger als 500.000 Patienten sein, die es tatsächlich brauchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2014)

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