USA: Sekte ließ Kleinkind verhungern

Ein 15 Monate alter Bub wollte nach dem Essen nicht "Amen" sagen, da wurde er von der Gruppe "1 Mind Ministries" nicht mehr gefüttert. Einige Sektenmitglieder sollen das Kleinkind als Dämon betrachtet haben.

Archivbild: Javon Thompson
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Archivbild: Javon Thompson
(c) AP (Steve Ruark)

Weil er nach dem Essen nicht "Amen" sagen wollte, hat eine Sekte im US-Bundesstaat Maryland einen etwa 15 Monate alten Buben verhungern lassen. Die Leiche des Kindes wurde laut Polizei in einem Koffer gefunden, seine Mutter und drei weitere Mitglieder der Gruppe "1 Mind Ministries" wurden festgenommen und des Mordes beschuldigt. Der kleine Javon erhielt nach Gerichtsunterlagen im Dezember 2006 keine Nahrung mehr, seine sterblichen Überreste wurden im Frühjahr dieses Jahres entdeckt.

Die Sektenmitglieder in Baltimore hätten keinen Arzt gerufen, als der Bub aufgehört habe zu atmen, heißt es in den Gerichtsunterlagen. Er sei in den Armen seiner Mutter gestorben. Den Angaben liegen polizeiliche Aussagen eines geheimen Informanten und zweier Kinder zugrunde, die Mitglieder der Sekte waren, bis sie die Polizei von dort wegholte.

Die 21 Jahre alte Mutter wurde am Montag in einer psychiatrischen Abteilung festgehalten. Die drei weiteren Sektenmitglieder wurden bereits im Mai wegen eines anderen Delikts aufgegriffen. Gegen einen fünften Verdächtigen wurde ebenfalls ein Haftbefehl erlassen.

"Meine Tochter war ein Opfer"

Javons Großmutter erklärte, den Buben nicht mehr zu füttern sei nicht die Entscheidung ihrer Tochter gewesen. "Meine Tochter war ein Opfer, genau wie mein Enkel. Sie hatte überhaupt keine Kontrolle über die Situation", wurde die Großmutter am Sonntag von der Zeitung "The Baltimore Sun" zitiert. Ihre Tochter sei ein Opfer gewesen und habe lediglich Instruktionen befolgt.

Den Gerichtsunterlagen zufolge trat die 21-Jährige nach Javons Geburt der Sekte bei. Die Großmutter, mit der sie zuletzt im April 2006 Kontakt hatte, bemühte sich später um das Sorgerecht für ihren Enkel. Sie erklärte, die Sektenführer würden ihr den Kontakt zu ihrer Tochter verbieten.

Mitglieder der Gruppe hätten Javon als Dämon betrachtet, sagten die beiden als Zeugen genannten Kinder. Dem Buben sei unter anderem deswegen die Nahrung verweigert worden, weil er nach dem Essen nicht habe "Amen" sagen wollen. Einem nicht genannten Informanten zufolge versteckte eines der Sektenmitglieder die Leiche mehr als eine Woche lang in einem Zimmer, mit der Begründung, Gott werde den Buben von den Toten auferwecken. Später habe die Frau die sterblichen Überreste in einen Koffer gepackt und mehrfach mit Desinfektionsmittel besprüht, um den Verwesungsgeruch zu überdecken.

Als die Gruppe Anfang 2007 von Baltimore nach Philadelphia umzog, wurde der Koffer mit der Leiche in einem Schuppen zurückgelassen und später nach New York gebracht. Die Polizei entdeckte ihn im April nach einem Hinweis des Informanten. DNA-Tests sollen nun die Identität des Buben noch bestätigen.

(Ag./Red.)

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