EU gibt Drogenpolitik der UNO schlechte Noten

Der weltweite Kampf gegen das Drogen-Problem kostet Unsummen. Eine Studie der EU-Kommission zieht nun eine kritische Bilanz über den Masterplan der UNO. Fazit: Die Investitionen verpufften ohne Wirkung.

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(c) APA (Helmut Fohringer)

Die Teilnehmer der bis Ende der Woche in Wien tagenden UNO-Drogenkonferenz sind „not amused“: Elf Jahre, nachdem das Drogenbüro der Vereinten Nationen (UNODC) den weltweiten Kampf gegen das Drogenproblem ausgerufen hat, veröffentlichte die EU-Kommission eine wissenschaftliche Evaluierung der seit damals gesetzten Maßnahmen. Das Fazit ist ernüchternd.

Das beauftragte Autorenteam rund um den amerikanischen Kriminologen Peter Reuter (University of Maryland) fand im Zuge seiner Arbeit „keinen objektiven Beweis dafür, dass sich das weltweite Drogenproblem entschärft hat“. Wurden also Milliarden von Dollar buchstäblich verbrannt?

Die weltweite Zahl der Konsumenten von Heroin und Kokain sei innerhalb des Untersuchungszeitraums (1998–2007) jedenfalls gestiegen. Zahlen dazu nennen die Autoren nicht. Innerhalb der EU sieht die Studie einen Rückgang (Ausnahme: u.a. Österreich), massive Probleme mit „harten“ Drogen hätten zuletzt Russland und der Iran bekommen, wo 2,8 Prozent der Bevölkerung Opiate konsumieren.

 

Kartelle weichen aus

Denkbar schlechte Ergebnisse seien auch bei der teuren Vernichtung der Anbauflächen von Rohstoffen erzielt worden. Anstatt in Bolivien oder Peru pflanzen die internationalen Kartelle das Kokablatt nun wieder verstärkt in Kolumbien an. Und in Afghanistan blühe der Anbau des Schlafmohns (Rohstoff für Heroin) sprichwörtlich wie nie zuvor, trotz teurer Ausstiegsprogramme für Bauern.

Die laut Studienautor Reuter zentrale Erkenntnis jedoch sei, dass die verstärkte Strafverfolgung von Konsumenten (die fast immer auch Kleindealer sind) das Drogenangebot am Schwarzmarkt nicht verknappe.

Positiv beurteilt die Studie jedoch (die ebenfalls teuren) Hilfsprogramme der Staaten zur Schadensminimierung (Spritzentausch, Sozialarbeit, etc.). Der gesundheitliche und soziale Zustand habe sich dadurch insbesondere in den Industrienationen deutlich verbessert. Kritisiert wird jedoch auch, dass kostspielige, von der Politik häufig propagierte Präventionsprogramme selten auf ihren Nutzen überprüft würden. awe

AUF EINEN BLICK

Der Drogenbericht der EU-Kommission stellt dem Kampf der UNO gegen das weltweite Drogenproblem ein schlechtes Zeugnis aus. Die Zahl der Konsumenten von „harten“ Drogen nahm weltweit zu. Einige Ausnahmen finden sich nur unter den Industrienationen (Österreich fällt nicht darunter).

Teure Ausstiegsprogramme für Koka- und Schlafmohnbauern zeigten keinen Effekt. Die Produktion von Rohopium (8870 t) und Kokain (994 t) erreichte zuletzt Höchststände. Positiv beurteilt wurde die soziale und medizinische Versorgung der Suchtkranken in den Industriestaaten.

Experten bezweifeln aber, ob die teure Maßnahme der Suchtprävention tatsächlich so wirkt, wie Verantwortliche behaupten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2009)

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