Rekordwelle: Das Unglück, das niemand kommen sah

Das drittstärkste Beben der Geschichte löste eine Katastrophe aus. Mittlerweile gibt es ein Tsunami-Warnsystem.

Sri Lanka (hier die Ostküste in Kalmunai) war nicht auf den Tsunami vorbereitet.
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Sri Lanka (hier die Ostküste in Kalmunai) war nicht auf den Tsunami vorbereitet.
Sri Lanka (hier die Ostküste in Kalmunai) war nicht auf den Tsunami vorbereitet. – (c) REUTERS

Am 26. Dezember 2004 um 7.58 Uhr Ortszeit bebt die Erde 85 Kilometer vor der Nordwestküste der indonesischen Insel Sumatra. Die indisch-australische Platte schob sich mit einem Ruck (Momentmagnitude von 9,1) unter die eurasische Platte. Es ist das drittstärkste Beben, das je aufgezeichnet wurde. Warnungen vor dem darauffolgenden Tsunami (Japanisch für „Welle im Hafen“) gab es nicht. Auf Sri Lanka etwa, das mehr als zwei Stunden nach dem Beben von der Welle erreicht wurde, war mit rund 45.000 die zweithöchste Opferzahl zu beklagen.

Erdbeben vorherzusehen sei schwierig, erklärt Universitätsprofessor Götz Bokelmann vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Uni Wien. Die seismische Aktivität in der Region hätte allerdings ein Hinweis auf ein Großbeben sein können. Die Ausbreitung einer Tsunamiwelle ist hingegen durchaus berechenbar. Grundvoraussetzung für eine Flutwelle ist ein Beben mit Magnitude von sieben oder mehr und vor allem eine vertikale Verschiebung des Meeresbodens. Das Wasser darüber wird nach oben gedrückt. „Das ist eine fast lineare und damit vorhersagbare Physik“, erklärt Bokelmann. Tsunamis erreichen auf hoher See nur geringe Höhen von meist 30 bis 80 Zentimetern. Sie entfalten ihre Zerstörungskraft in den flachen, küstennahen Gewässern, wo sie sich im Extremfall zu gigantischen Wellenbergen von 30 bis 50 Metern aufstellen können. Dass eine Tsunamiwarnung Menschen retten kann, zeigte sich an der afrikanischen Ostküste.

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Im kriegsgeplagten Somalia kamen mehr als 300 Fischer noch sechs Stunden nach dem Beben in der Welle ums Leben. Im benachbarten Kenia waren die Behörden informiert, dort starb lediglich eine Person.
In Zukunft soll die Warnung auch direkt im Indischen Ozean, und das möglichst schnell, funktionieren. Zehn Jahre nach der Tsunamikatastrophe in Indonesien hat das Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam die Ausbildung des Personals für das Frühwarnsystem abgeschlossen. Seit Juni 2011 sind Mitarbeiter des Warnzentrums in Jakarta und des Katastrophenschutzes an den gefährdeten Küsten in knapp 170 Trainingseinheiten geschult worden.

300 Messstationen sollen maximal fünf Minuten nach einem Beben Alarm schlagen. Seit dem Start im März 2011 wurden elf Beben der Stärke sieben und mehr registriert, fünfmal wurde bereits Tsunamialarm ausgelöst. Auch Malaysia und Indien setzen mittlerweile auf ähnliche Systeme. Damals, am 26. Dezember 2004, war der Tsunami nur auf Honolulu registriert worden. Australien und die USA waren rasch informiert. Doch einen Ansprechpartner in den betroffenen Ländern hätte man nicht im Adressbuch gehabt, hieß es damals.

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