Homophobes Referendum spaltet Slowakei

Ein Referendum zum „Schutz der Familie“, das heute, Samstag, stattfindet, richtet sich gegen die Rechte homosexueller Paare. Österreich gilt mit der Diskussion um das Adoptionsrecht als abschreckendes Beispiel.

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(c) APA/EPA/JAKUB GAVLAK (JAKUB GAVLAK)

Bratislava. Die in der Europäischen Union voranschreitende Gleichberechtigung Homosexueller bedroht die traditionelle Familie. Das behaupten in der Slowakei die katholische Kirche und eine von ihr unterstützte Bürgerinitiative. Am heutigen Samstag soll daher ein von der Initiative durchgesetztes Referendum zum „Schutz der Familie“ liberale westliche Einflüsse stoppen.

„Deine neuen Eltern sind dich abholen gekommen“, sagt die Pflegemutter mit stockender Stimme zum kleinen Adam, der gerade das Bild einer idealen Vater-Mutter-Kind-Familie auf ein Blatt Papier zeichnet. Da schwenkt die Kamera zu einem Männerpaar, während das entsetzte Kind aus dem Hintergrund fragt: „Und wo ist die Mama?“ Dieser nur 30 Sekunden dauernde TV-Spot entzweit seit Wochen die slowakische Öffentlichkeit.

Er sollte den wichtigsten Teil einer landesweiten Werbekampagne der Allianz für die Familie (AZR) bilden. Das emotionale Schreckbild eines Kindes, das gegen seinen Willen von einem Schwulenpaar adoptiert wird, sollte die überwiegend katholischen Slowaken für eine Teilnahme am Referendum mobilisieren, das mit 400.000 Wählerunterschriften von der Allianz erzwungen worden war.

Als Ziel beschreibt die kirchennahe Initiative auf ihrer Homepage, das Vordringen der westlichen Gender-Ideologie in die Slowakei zu stoppen. Zum Schutz vor dem „legislativen Wüten“ des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und der von einer „Homo-Lobby“ beherrschten EU müssten schon präventiv die Adoption durch homosexuelle Paare verboten werden. In den Referendumsfragen kommt keine Antwortmöglichkeit vor, die die Rechte Homosexueller ausweiten würde.

Als eines der abschreckenden Beispiele nennen die Referendums-Initiatoren gerade Österreich mit seinem jüngsten Verfassungsgerichtshofsentscheid zugunsten eines Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare. Solchen Anfängen müsse man wehren: Sobald eine registrierte Partnerschaft erlaubt werde, sei auch die Adoption nicht mehr aufzuhalten.

 

Keine Sexualkunde für Kinder

Allein schon die Vorab-Verbreitung des aufwühlenden TV-Werbespots im Internet löste aber eine solche Welle der Empörung aus, dass die großen landesweiten Sender allesamt eine Ausstrahlung ablehnten. Man wolle sich nicht dem Vorwurf der Einseitigkeit aussetzen, da es keine Gegenkampagne gebe, argumentierte der vom Österreicher Matthias Settele geleitete reichweitenstärkste Sender TV Markiza. Schwulenverbände, Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und liberalere Internet-User protestierten: Das Video zementiere das Feindbild Homosexueller sowie eine unterschwellige Gleichsetzung von homosexuell und pädophil.

In den katholischen Kirchen wurde sogar ein Hirtenbrief vorgelesen. Wer verhindern wolle, dass auch in der Slowakei „die Sexualität der Jugend deformiert“ werde, müsse zum Referendum gehen, so die Bischöfe. Eine der drei Fragen lautet: „Stimmen Sie zu, dass Schulen nicht von Kindern verlangen können, am Unterricht über sexualkundliche Inhalte teilzunehmen, wenn die Eltern mit den Inhalten nicht einverstanden sind?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2015)

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