Deutsche Polizistin: "Wir erleben einen umgekehrten Rassismus"

Die Bochumer Polizistin und Buchautorin Tania Kambouri schildert ihre täglichen Probleme mit einer kleinen, aber destruktiven Gruppe respektloser muslimischer Jugendlicher. Mancherorts breite sich Anarchie aus.

„Hier herrscht nicht die Scharia.“ Die Polizistin Tania Kambouri schildert ihre Erfahrungen in Bochum.
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„Hier herrscht nicht die Scharia.“ Die Polizistin Tania Kambouri schildert ihre Erfahrungen in Bochum.
„Hier herrscht nicht die Scharia.“ Die Polizistin Tania Kambouri schildert ihre Erfahrungen in Bochum. – Nicole Stern / Die Presse

Die Presse: Sie prangern in Ihrem Buch „Deutschland im Blaulicht“ Respektlosigkeit und zunehmende Gewalt junger Muslime gegenüber der Polizei an. Sie konstatieren sogar eine Untergrabung des deutschen Rechtsstaats. Was läuft bei diesen Jugendlichen falsch?

Tania Kambouri: In erster Linie spielt ihr kultureller Hintergrund eine Rolle. Die jungen Männer wachsen in einem Patriarchat auf, in archaischen Strukturen, bei denen Gewalt im Spiel ist, der Stärkere das Sagen hat und Frauen nicht respektiert werden. Wir hingegen kommunizieren mit den Menschen, bei uns zählt nicht die Faust.

Sind alle muslimischen Jugendlichen so? Oder ist das eine Minderheit, die Sie kritisieren?

Es ist ganz klar eine Minderheit, aber sie bereitet uns die größten Probleme.

Woran liegt das?

Viele haben sich gut integriert und wollen ein Leben führen, das sich an westlichen Werten orientiert. Einige fühlen sich offenbar sicherer, wenn sie alte Strukturen beibehalten, die sie aus den Heimatländern ihrer Eltern kennen.

Ist Deutschland für diese Menschen ein fremdes Land?

Teilweise. Viele sind zwar hier geboren und haben die deutsche Staatsangehörigkeit, trotzdem sagen sie: „Ich scheiße auf dieses Land“, „Ich scheiße auf euch Deutsche“. Diese Menschen bilden eine Parallelgesellschaft und nehmen eine Opferrolle ein. Viele geraten auf die schiefe Bahn, schaffen keinen Schulabschluss und suchen den Fehler in der deutschen Gesellschaft statt bei sich selbst. Wir erleben einen umgekehrten Rassismus.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Viele Bürger trauen sich beispielsweise nicht mehr etwas zu sagen, wenn Jugendliche beginnen, laut herumzupöbeln. Sobald die Bürger einschreiten, werden sie als „Scheiß-Nazis“ beschimpft und bekommen es mit der Angst zu tun. Die Migranten haben erkannt, dass sie die Deutschen damit schockieren können und nutzen das entsprechend aus.

Und warum haben die Leute keinen Respekt vor der Polizei?

Sie wissen, dass sie uns auf der Nase herumtanzen können, ohne dass ihnen etwas passiert. Wenn wir den Respekt einfordern, wird man mit Sprüchen dumm angemacht.

Sind Polizei und Gerichte ohnmächtig?

Das Problem ist, dass die Verfahren zu lang dauern und zu wenig Personal da ist. Wenn zu viele Anzeigen auf dem Tisch liegen und abgearbeitet werden müssen, muss man nach Prioritäten entscheiden. Die schwersten Delikte werden bearbeitet, den Rest stellt man aus Zeitgründen oft ein. Wenn meine Kolleginnen oder ich als Bullenschlampen bezeichnet werden, passiert den Tätern am Ende häufig nichts.

Ist der Rechtsstaat gescheitert?

Er setzt sich in gewissen Teilen nicht mehr durch, was mancherorts zu Anarchie führt. Es gibt Bereiche, in die man mit Streifenwagen nicht mehr gern hinfährt.

Wie leicht ist es, einen Jugendlichen mit auf die Wache zu nehmen?

Meist haben wir die Kapazitäten gar nicht, und wenn wir die Jugendlichen mitnehmen, lachen sie sich tot. Für sie ist das ein kleines Highlight, keine Abschreckung. Wenn sie minderjährig sind, sollten sie von ihren Eltern abgeholt werden. Oft kommen aber die großen Brüder. Die nehmen das nicht ernst.

Und was ist mit den Eltern, wo sind die?

Ich denke, viele wissen nicht, was ihre Kinder machen und viele können auch kein Deutsch. Selbst wenn sie kommen, halten sie meist zu ihren Kindern und geben uns die Schuld. Wenn die Kinder lernen, dass die Polizei böse ist, ist klar, wo das endet.

Sie machen den Job schon lang. Ist es schlimmer geworden?

Die Gesellschaft ist allgemein schlimmer geworden. Jeder wird egoistischer, das Menschliche fehlt. Nur das Ausmaß an Respektlosigkeit und steigender Gewalt geht zunehmend von jungen Muslimen aus. Das ist einfach so.

Sie müssen sich wahrscheinlich den Vorwurf gefallen lassen, eine ganze Gruppe von Menschen zu diffamieren. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Die meisten Migranten sind vorbildlich integriert und nicht auffällig, das betone ich ja immer wieder. Aber mit einigen haben wir Probleme und die machen den Großteil der Straftaten aus. Wir wollen das Problem ja lösen, deshalb müssen wir es benennen.

Prozentuell gesehen ist diese Gruppe aber trotzdem klein. Übertreiben Sie?

Kein bisschen. Aber die deutsche Kriminalstatistik erfasst den Migrationshintergrund leider nicht. Obwohl es für die Aufklärung von Straftaten wichtig wäre.

Also wird es nur gefühlt schlimmer?

Sie müssen sich nur mein Notizbuch ansehen. Dort stehen hauptsächlich ausländische Namen drin. Und die meisten davon sind Täter, nicht Opfer.

Der Polizei wird oft vorgeworfen, mit Migranten nicht gerade zahm umzugehen.

Das kann man auf keinen Fall so verallgemeinern, es kommt immer auf die entsprechende Situation, aber nicht auf den ethnischen oder religiösen Hintergrund der Person an. Wir fangen bei jedem Bürger bei null an, gehen also neutral in den Einsatz. Nichtsdestotrotz wird uns von Migranten oft vorgeworfen, dass wir sie bei Kontrollen nur anhalten, weil sie Ausländer sind, was nicht stimmt. Entweder werde ich von ihnen dann als Verräterin hingestellt, weil ich bei der Polizei arbeite oder sie versuchen, mich zu vereinnahmen. Sobald sie merken, dass das nicht geht, kommt es zum Konflikt.

Was kann man machen?

Die Polizei kann nicht viel machen, das muss von Beginn an beigebracht werden. Im Elternhaus, im Kindergarten. Die Migranten müssen die Sprache schnell lernen, Bildung ist ein wesentlicher Faktor. Haben sie die nicht, bekommen sie keinen vernünftigen Job und fühlen sich von der Gesellschaft verraten.

Ist Integration mehr Bringschuld als Holschuld?

Der Staat kann Möglichkeiten anbieten, aber es ist primär eine Bringschuld.

Müssen sich Migranten assimilieren?

Man sollte niemals seine Identität verlieren. Aber man muss sich an die Gesetze halten. Wir sind ein westliches Land, hier herrscht nicht die Scharia. Und wenn ich auf der Straße sechs- oder siebenjährige Mädchen mit Kopftuch sehe, ist das für mich eine klare Diskriminierung, eine offene Form von Abgrenzung, ein gesellschaftlicher Rückschritt. Je mehr der eintritt, desto mehr werden moderne Frauen diskriminiert und als Schlampen bezeichnet, weil sie nicht jungfräulich in die Ehe gehen. Das kann doch nicht sein.

ZUR PERSON

Tania Kambouri (*1983) ist eine Bochumer Polizistin mit griechischen Wurzeln. Im Herbst 2013 reichte es ihr. Sie war von einem Türken, der selbst die Polizei gerufen hatte, aufs Ärgste beschimpft worden. Er wollte sich mit keiner Frau, sondern nur mit männlichen Beamten abgeben. Daraufhin schrieb Kambouri einen Brandbrief an die Gewerkschaftszeitschrift „Deutsche Polizei“.

Das Echo war groß, es entstand daraus ein Buch:

OutlineBild (b58c88ad)Tania Kambouri

„Deutschland im Blaulicht Notruf einer Polizistin“

Piper Verlag

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2015)

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