Kofferkrise: Airlines verlegen pro Tag 15.000 Gepäckstücke

Von Jänner bis Oktober 2008 gingen in der EU 4,6 Millionen Koffer verloren. Am häufigsten betroffen waren in der vergangenen Wintersaison Kunden der spanischen „Iberia“.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

BRÜSSEL. Stell dir vor, du stehst am Gepäckband, aber dein Koffer kommt nicht: Täglich passiert das in der EU 13 von 1000 Menschen – insgesamt geht es um rund 15.000 Gepäckstücke pro Tag: So viele Koffer kommen auf Flughäfen in der EU zu spät oder gar nicht an, sodass der Passagier ohne ein oder sogar mehrere Gepäckstücke vom Flughafen nach Hause – oder erst in den Urlaub – gehen muss. Das zeigt eine EU-Statistik von Jänner bis Oktober 2008, die EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani gestern, Dienstag, in Brüssel präsentierte.

Eines von 64 Gepäckstücken taucht demnach nicht rechtzeitig auf, eines von mehreren tausend (genau weiß man's nicht, laut globaler Statistik sind es eins von 3000) überhaupt nicht mehr. Jeder siebente verspätete Koffer wird von der Fluglinie erst nach 48 oder mehr Stunden nachgeliefert. Vor allem bei Anschlussflügen geht Gepäck verloren oder taucht zu spät am Endflughafen auf: Hier passieren drei von fünf solch unangenehmen Vorfällen.

 

Weltweit fehlen 90.000 Koffer am Tag

EU-weit haperte es im Betrachtungszeitraum bei der Verfrachtung von rund 4,6 Millionen Gepäckstücken. Weltweit waren es im selben Zeitraum rund 32,8 Millionen Stück, die zumindest vorübergehend verloren gingen – das sind rund 90.000 Stück am Tag.

Die Gepäcktransportbilanz in der EU habe sich gegenüber 2007 zwar um ein Fünftel verbessert, meinte Kommissar Tajani. Die Lage sei aber weiterhin „sehr problematisch“. Der Italiener hatte bei seiner Pressekonferenz eigentlich von nur rund 10.000 verlustigen Gepäckstücken an durchschnittlichen Tagen gesprochen – aber mit „Ausreißern“ bis zu 15.000 oder mehr, wie sein Sprecher betonte.

„So geht es nicht weiter. Wir müssen etwas tun“, sagte der Kommissar. Die Verzögerungen, Verluste oder auch Schäden an Koffern seien „nicht hinnehmbar“. Die Fluglinien müssten ihren Service verbessern, betonte Tajani, der die neue EU-Statistik nach einer Welle von Konsumentenbeschwerden vor Jahren bei mehreren Luftfahrtorganisationen in Auftrag gegeben hatte. Bis Mitte 2010 will die EU-Kommission nun einen Plan präsentieren, wie sich die Bedingungen für Fluggäste in der EU verbessern könnten.

Auch bei den Entschädigungen sollten Fluglinien in der EU nicht länger knausern: Für verlorene Gepäckstücke stehen den Besitzern derzeit je maximal 1100 Euro zu. Oft müssten die betroffenen Fluggäste aber noch um das Geld „betteln“, bemängelt die Kommission, die Hüterin des Wettbewerbs und des Verbraucherschutzes in der EU.

 

„Austrian Airlines“ ziemlich schlecht

Am häufigsten betroffen waren gemäß einer separaten Studie der „Vereinigung der Europäischen Fluglinien“ in der Wintersaison 2008/09 Kunden der spanischen „Iberia“ mit statistisch 19,2 verlorenen Gepäckstücken pro 1000 Passagieren. Die „Austrian Airlines“ schlossen unter 26 europäischen Fluglinien unterdurchschnittlich ab: Sie belegten mit 10,1 verlorenen Koffern pro 1000 Passagieren Platz 18. Der Primus: „Turkish Airlines“ mit nur 4,5 verlorenen Koffern.

AUF EINEN BLICK

4,6 Millionen Koffer gingen von Jänner bis Oktober 2008 auf Flughäfen in der EU verloren, oder sie wurden zu spät geliefert. Täglich bedeutet das rund 15.000 Koffer.

Weltweit wurden in der gleichen Zeit 32,8 Millionen Koffer zumindest vorübergehend verloren, rund 90.000 Stück am Tag. Vor allem bei Anschlussflügen gibt es Pannen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2009)

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