Habsburg-Renaissance in Ungarn

Zwei Mitglieder des alten Kaisergeschlechtes dienen als Botschafter im Auftrag der Budapester Regierung. Diese will das Habsburger Erbe des Landes spektakulär aufwerten.

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Eduard Habsburg.
Eduard Habsburg. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Eduard Habsburg führte ein relativ beschauliches Leben als Pressereferent des österreichischen Bischofs Klaus Küng, da trat Ungarns Regierung an ihn heran. Ob er sich vorstellen könne, Botschafter am Heiligen Stuhl zu werden? Er konnte.

Sein Leben änderte sich gründlich. Zuvor hatte er sich, abgesehen von der Pressearbeit, als Drehbuch- und Romanautor einen Namen gemacht und führte im TV in der Sendung „Wo Grafen schlafen“ durch Schlösser. Jetzt stellt er sich seit fast einem Jahr bohrenden Journalistenfragen über umstrittene Maßnahmen der Regierung Orbán und versucht Missverständnisse darüber zu zerstreuen, wie Papst Franziskus über Ungarn denkt – der drängt zur Aufnahme von Flüchtlingen, Ungarn lehnt sie ab.

„Die Position des Papstes ist differenzierter, als man denkt“, sagt der 49-Jährige. Kürzlich habe er auf dem Rückflug von einem Besuch in Schweden gesagt, dass jedes Land bei aller Nächstenliebe auch prüfen müsse, ob und wie viele Flüchtlinge es integrieren könne. Was Ungarn betrifft: „Der Papst liebt Ungarn!“ Franziskus, meint Habsburg, habe in Argentinien mit emigrierten Ungarn gute Erfahrungen gemacht, das präge seine Meinung über das Land an sich.

Die Ernennung des Urururenkels von Kaiser Franz Joseph zum Botschafter war Teil einer Strategie der Regierung. Auch Georg Habsburg (51) ist Diplomat: Sonderbotschafter für Ungarns Olympia-Bewerbung 2024. Zuvor war er ab 1996 Sonderbotschafter für Ungarns EU-Beitritt. Gleich zwei Habsburger also im Dienst der ungarischen Krone – oder zumindest der Nation.

 

Größe Krönungsjubiläumsfeier

„Wir haben beschlossen, das habsburgische Erbe liebevoller zu pflegen als jedes andere Land, inklusive Österreich“, sagt Ungarns Minister für Humanressourcen, Zoltán Balog. Richtig sichtbar sei das im Dezember, wenn sich die Krönung des letzten Habsburgerkaisers Karl I. zum 100. Mal jährt. Das wolle man groß feiern, als IV. Károly war er ja apostolischer König Ungarns. Apostolisch, weil Staatsgründer Stefan I. seine Krone vom Papst bekam. Daher ist Ungarn bis heute so stolz auf seine christlichen Wurzeln.

Das Krönungsjubiläum soll unter anderem mit einer großen Historikerkonferenz begangen werden. „Ich wurde nicht direkt einbezogen“, sagt Eduard Habsburg, aber die Familie habe sich jüngst mit dem Thema beschäftigt. „300 Habsburger kamen Anfang November in Rom zusammen“, es gab eine Audienz beim Papst, und man beriet, wie man zu Karl stehe soll – dem Kaiser, der 2004 seliggesprochen wurde, unter dem das Militär im I. Weltkrieg aber auch Giftgas einsetzte. Fazit der Familienkonferenz: Karl war Befürworter des Friedens und wollte den Krieg beenden.

 

Es war doch eine gute alte Zeit

Wer den Ton der ungarischen Verfassung auf sich wirken lässt, der spürt monarchischen Nachklang und Sehnsucht nach einer Ära, in der Ungarn groß war. Manche sagen, Magyaren seien empfänglicher als andere Völker in Europa (außer England) für die Idee einer Monarchie, doch starb die eigene Árpáden-Dynastie vor 700 Jahren aus. Das Nächstbeste, was man hat, sind die Habsburger. Gegen die hat man freilich Freiheitskriege verloren und das Ressentiment gegen die „arroganten“ Österreicher sitzt so tief wie die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ der Doppelmonarchie, als Wien sich mit Budapest arrangierte und Ungarn ein eigener Staat wurde, im Bund mit Österreich. Davor war das Land, das die Osmanen im 16. Jahrhundert zerschlugen, aufgeteilt gewesen zwischen dem Haus Habsburg und dem Hause Osman.

Eduard Habsburg ist nicht nur ungarischer Bürger (und Deutscher, doch nicht Österreicher), er entstammt auch einem streng ungarischen Zweig der Familie, der Linie Erzherzog Josephs (1776–1847). Der war Palatin von Ungarn, also Vizekönig. „Ich muss den Menschen immer erst erklären, dass mein Ururgroßvater Stefan 1848 die Unabhängigkeitsforderungen in Wien überreichte“, sagt Eduard Habsburg. Es folgte der große Freiheitskrieg gegen Österreich. Dieses Detail zeigt, dass man Habsburger und ungarischer Patriot sein kann.

Insofern versteht Eduard Habsburg seinen Botschafterjob als Dienst am Vaterland, und, als Katholik, als Dienst am Glauben: „Ich denke, Ungarns Regierung steht für eine christliche Politik, das finde ich gut.“ Was das heikle, doch enge Verhältnis Ungarn – Österreich betrifft, da ist er sowohl königlich als auch kaiserlich: „Die beiden Länder sind stets dann am stärksten, wenn sie etwas zusammen machen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2016)

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