Paris verschwindet im Smog

Frankreichs Hauptstadt leidet unter dem schlimmstem Wintersmog seit zehn Jahren.

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La Defense im Smog – APA/AFP/FRANCK FIFE

Paris. Die französische Hauptstadt Paris erlebt derzeit die am längsten anhaltende und höchste Luftverschmutzung in einem Wintermonat seit mindestens zehn Jahren, wie die zuständige Agentur Airparif am Mittwoch mitteilte. In Paris und den Vororten der Hauptstadt galten am Mittwoch den zweiten Tag in Folge Fahrverbote für zahlreiche Autos.

Es handle sich um eine seit zehn Jahren nicht mehr da gewesene "Rekordepisode", sagte Karine Leger von Airparif, der für die Überwachung der Luftqualität in Paris zuständigen Agentur. Hauptverantwortlich dafür sind demnach Autoabgase und das Heizen mit Holz. Hinzu kommt eine sogenannte Inversionswetterlage ohne Wind, bei der sich wärmere Luft über die kältere am Boden legt und so den Abzug der Schmutzpartikel verhindert.

Eiffelturm im Smog

Die Bewohner von Paris leiden seit Tagen unter der hohen Luftverschmutzung. Phasenweise waren der berühmte Eiffelturm und andere hohe Gebäude von Smog umhüllt. Weil die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide überschritten wurden, gelten seit Dienstag in der Hauptstadt und 22 angrenzenden Gemeinden Fahrverbote. Es ist erst das vierte Mal in knapp 20 Jahren, dass die Behörden in Paris zu dieser drastischen Maßnahme greifen.

Bei Fahrverboten müssen jeden Tag abwechselnd Autos mit gerader oder ungerader Zahl im Nummernschild stehen bleiben. Der öffentliche Nahverkehr ist im Gegenzug kostenlos. Es gibt zudem eine Reihe von Ausnahmen unter anderem für Taxis, Krankenwagen, Carsharing-Autos und bestimmte Lieferfahrzeuge.

Am Mittwoch durften Autos mit gerader Zahl nicht fahren. Bei Zuwiderhandlungen droht ein Bußgeld von 35 Euro. Wird es sofort beglichen, sind es nur 22 Euro. Am Dienstag wurden nach Angaben der Pariser Polizeipräfektur mehr als 4.000 Verstöße gegen das Fahrverbot registriert. Häufig belässt es die Polizei aber bei einer mündlichen Verwarnung und stellt keine Strafzettel aus.

Schnelles Ende nicht in Sicht

Trotz der Fahrverbote kam es am Mittwoch im Großraum Paris zu langen Staus. Dazu trug auch der Ausfall einer Vorstadtzug-Linie bei: Die Linie RER B, die von der Pariser Innenstadt aus in die nördlichen Vororte und zum Hauptstadtflughafen Charles de Gaulle fährt, stand am Mittwoch wegen eines schweren Oberleitungsschadens den zweiten Tag in Folge still.

Eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs verzögerte sich mehrfach. Die Bahngesellschaft SNCF setzte Ersatzbusse und für die Fahrt zum Flughafen zwei TGV-Schnellzüge ein, die auf anderen Gleisen fahren.

Ein schnelles Ende der Luftverschmutzung ist nicht in Sicht. Die Pariser Behörden könnten die Fahrverbote deswegen auch auf Donnerstag ausweiten.

Doch nicht nur die Hauptstadt ist von hohen Smogwerten betroffen: Auch in Städten wie Dunkerque, Calais, Lille und Lyon wurde eine hohe Luftverschmutzung gemessen. Im ostfranzösischen Lyon wird ab Freitag erstmals ein Fahrverbot gelten, ebenso in der Nachbarstadt Villeurbanne.

Die Luftverschmutzung gilt in Frankreich als großes Problem. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Feinpartikel in Frankreich für jährlich 42.000 Todesfällen verantwortlich.

(APA/AFP)

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