Papst setzt sich im Kondomstreit mit Malteserorden durch

Die Entlassung eines Ordensführers entfachte einen offenen Machtkampf im Vatikan. Der Großmeister der Malteser tritt nun auf Druck von Franziskus zurück.

Mitglieder des Malteserordens im Vatikan.
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Mitglieder des Malteserordens im Vatikan.
Mitglieder des Malteserordens im Vatikan. – REUTERS

Es war ein fernsehserienreifer Machtkampf, der sich zwischen dem katholischen Ritterorden der Malteser und dem Vatikan aufgetan hatte - und aus dem Papst Franziskus als vorläufiger Sieger hervorgeht. Der Aufruhr gipfelte in den vergangenen Tagen in einem Rücktrittsgesucht des Pontifex an den Großmeister des Malteserordens, Matthew Festing. Der 67-Jährige habe daraufhin beschlossen, seine Demission einzureichen. Der Orden wird am Mittwoch oder spätestens am Donnerstag tagen. Festing war im März 2008 auf Lebenszeit zum 79. Großmeister des Malteserordens gewählt worden. Ihm folgt nun der Österreicher Ludwig Hoffmann-Rumerstein als interimistischer Leiter nach.

Seit Wochen sind die Beziehungen zwischen dem Papst und dem Malteserorden gespannt. Dabei geht es um die Entlassung des deutschen Großkanzlers der Malteser, Albrecht von Boeselager, im Dezember, gegen die der Deutsche am 4. Jänner Widerspruch beim Ordensgericht eingelegt hatte.

Boeselager war im Dezember aus seinem Amt, das dem eines Außenministers entspricht, entlassen worden. Einer der Gründe soll gewesen sein, dass während seiner Amtszeit Kondome in Myanmar verteilt worden seien. Die katholische Kirche ist gegen den Einsatz von Verhütungsmitteln. In den Streit um die Entlassung hatte der Vatikan im Dezember eine Untersuchungskommission zur Amtsenthebung eingesetzt - Festing weigerte sich jedoch, mit der Kommission zusammenzuarbeiten.

Der Streit steht nicht zuletzt für die immer stärker werdende Opposition gegen Franziskus und dessen Modernisierungskurs. Denn in die Debatte ist der konservative US-Kardinal Raymond Burke verstrickt, einer der heftigsten Kritiker von Franziskus und zugleich Kardinalpatron für die Malteser. Er soll bei der Entlassung von Boeselager dabei gewesen sein und eine gewisse Rolle gespielt haben. Im Vatikan zirkuliert die Vermutung, dass er ein Interesse daran habe, den Orden gegen Franziskus zu positionieren.

Der Souveräne Malteserorden sieht sich als eine der ältesten Institutionen der christlichen Zivilisation. Seit dem Jahr 1113 ist er ein religiöser Laienorden der katholischen Kirche. Er setzt sich für notleidende Menschen ein und hat mehr als 13.000 Mitglieder.

(APA)

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