Gewinne aus Flüchtlingsversorgung - Polizei zerschlägt Mafia-Clan

Die Behörden nahmen 68 Personen im süditalienischen Kalabrien fest. Der Leiter einer großen Wohltätigkeitsorganisation und ein Pfarrer stehen unter Korruptionsverdacht.

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Archivbild der italeinischen Carabinieri.
Archivbild der italeinischen Carabinieri. – imago/Pacific Press Agency

Die italienische Polizei hat bei einer Razzia gegen die 'Ndrangheta, die Mafia in der süditalienischen Region Kalabrien, 68 Personen festgenommen. Sie gehören dem einflussreichen Arena-Clan an, teilte die Polizei am Montag mit. Die Verdächtigen werden unter anderem beschuldigt, aus der Verwaltung von Flüchtlingslagern Gewinne lukriert zu haben.

Der Clan soll über eigens gegründete Unternehmen Aufträge für die Lieferung von Speisen an Migranten in Lagern in Kalabrien und Lampedusa erhalten haben. Im Zuge der Razzia wurden auch der Leiter der Wohltätigkeitsorganisation Misericordia in der Stadt Isola Capo Rizzuto sowie ein Pfarrer wegen Korruptionsverdacht festgenommen. Die Hilfsorganisation betreibt das Flüchtlingslager der Stadt, eines der größten in ganz Europa.

Warnung vor Flüchtlingsgeldern in mafiösen Gruppen

Den Mafiosi wird auch Erpressung, Waffenhandel, Steuerbetrug sowie illegale Wetten vorgeworfen, berichtete die Polizei. Der Clan hatte außerdem eine führende Rolle bei Online-Wetten und dem Verleih von Glücksspiel-Pokerautomaten in der Stadt Crotone und Umgebung. Durch die Begünstigung des Clans sei der Markt schwer verzerrt worden, berichtete die Polizei.

Der sizilianische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro hatte vergangene Woche gewarnt, dass mafiöse Organisationen an Gelder für die Flüchtlingsversorgung kommen wollen. Zuccaro führt derzeit Ermittlungen über mögliche Verbindungen zwischen Hilfsorganisationen und Schleppern im Mittelmeer. Die Regierung in Rom rechnet heuer mit Ausgaben in Höhe von 4,6 Milliarden Euro für die Flüchtlingsversorgung.

Die Zahl der Flüchtlinge, die seit Anfang 2017 über das Mittelmeer nach Italien gekommen sind, ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 stark angestiegen. 45.101 Migranten erreichten die italienische Küste seit Jahresbeginn, das sind 44 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016, teilte das Innenministerium in Rom mit. Die Zahl der Bootsflüchtlinge, die von der nordafrikanischen Küste nach Italien kamen, hatte 2016 einen neuen Höchststand erreicht. 181.000 Flüchtlinge wurden im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. 2015 waren es noch 170.000 gewesen. Für heuer rechnet Italien mit einem neuen Rekordhoch bei der Zahl der Flüchtlingsankünfte.

(APA)

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