Portugal erlaubt Leihmutterschaft

In nur wenigen europäischen Ländern ist das Austragen von Kindern durch eine Leihmutter erlaubt: Portugal hat dazu strenge Richtlinien ausgearbeitet.

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(c) imago/photothek

Madrid/Lissabon. Lange Zeit galt Portugal als katholische Bastion, in der nur wenige gesellschaftliche Reformen möglich waren. Doch die Zeiten ändern sich: Die Kirche verliert auch in dem südeuropäischen Land, in dem heute zwei Drittel aller Ehen ohne kirchlichen Segen geschlossen werden und die Hälfte aller Neugeborenen außerehelich auf die Welt kommen, spürbar an Einfluss.

Inzwischen ist das EU-Land in Sachen Abtreibung, gleichgeschlechtlicher Partnerschaft und Scheidungsrecht liberaler als viele europäische Nachbarn: Ein weiteres Beispiel für die gesellschaftliche Modernisierung ist das gerade in Kraft getretene Gesetz zur Leihmutterschaft, mit dem Portugal zu einem der Vorreiter in Europa wird, wo diese Art der Fortpflanzung erst in wenigen Staaten möglich ist.

Allerdings wird die Möglichkeit, mittels einer portugiesischen Leihmutter zum ersehnten Nachwuchs zu kommen, auf bestimmte Fälle beschränkt. So können nur Frauen, die aus medizinischen Gründen nicht selbst ein Kind austragen können, etwa wegen einer Fehlfunktion ihrer Gebärmutter, auf eine Leihmutter in Portugal zurückgreifen. Auf homosexuelle Paare oder heterosexuelle Männer mit Kinderwunsch findet dieses Gesetz somit keine Anwendung.

 

Keine Bezahlung oder Spende

Portugals Fußballheld Cristiano Ronaldo zum Beispiel, der für seinen jüngsten Zwillingsnachwuchs offenbar eine US-amerikanische Leihmutter verpflichtete – allein, nicht gemeinsam mit seiner 22 Jahre alten Freundin –, bleibt also in seinem eigenen Land weiterhin von dieser Form der Familienplanung ausgeschlossen. Erst im Juni hatte der 32-jährige Stürmerstar seine Kinder Eva und Mateo präsentiert. In etlichen Bundesstaaten der USA können Ausländer ohne Probleme gegen Geld Abmachungen mit Leihmüttern treffen.

In Portugal selbst wird dies künftig restriktiver gehandhabt: Kommerziellen Geschäften mit dem Nachwuchs wurde ein Riegel vorgeschoben. Geld darf zwischen Leihmutter und Auftraggebern nicht fließen. „Jede Art der Bezahlung oder Spende jeglicher Art und Höhe ist verboten“, heißt es im Gesetz. Der Leihmutter dürfen nur die Kosten für die medizinische Behandlung ersetzt werden. Zudem darf die Betreffende, die nicht älter als 45 sein darf und wenigstens ein eigenes Kind auf die Welt gebracht haben muss, höchstens zwei Mal ihre Gebärmutter für eine fremde befruchtete Eizelle zur Verfügung stellen.

Paare, die auf dieses Fortpflanzungsverfahren zurückgreifen wollen, müssen zu einem autorisierten Reproduktionszentrum gehen. Dort wird ihr Fall bewertet und einer medizinischen Kommission vorgelegt. Das Gesetz öffnet die Leihmutterschaft in Portugal auch ausländischen Paaren etwa aus den deutschsprachigen Ländern oder dem Nachbarland Spanien, wo die Leihmutterschaft bisher nicht erlaubt ist.

Mit dieser Reform gesellt sich Portugal zu einer kleinen Gruppe von europäischen Ländern, in denen diese Reproduktionsmethode – mit mehr oder weniger Einschränkungen – erlaubt ist: Belgien, Dänemark, die Niederlande und Großbritannien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2017)

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