Trinkwasser weltweit mit Mikroplastik verseucht

Eine Studie der Plattform Orbmedia ergab, dass 83 Prozent der weltweit getesteten Leitungswasserproben mit Mikroplastik verschmutzt sind.

Wasser ist immer mehr mit kleinen Plastikteilchen verunreinigt - egal ob aus der Leitung oder aus einer Flasche.
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Wasser ist immer mehr mit kleinen Plastikteilchen verunreinigt - egal ob aus der Leitung oder aus einer Flasche.
Wasser ist immer mehr mit kleinen Plastikteilchen verunreinigt - egal ob aus der Leitung oder aus einer Flasche. – APA/DPA/PATRICK PLEUL

83 Prozent der getesteten Leitungswasserproben von unterschiedlichen Ländern sind von Mikroplastikpartikeln verseucht, zeigt eine Studie der Rechercheplattform Orbmedia, über die die britische Zeitung "Guardian" exklusiv berichtete.

Orbmedia machte Untersuchungen in sieben unterschiedlichen Regionen der Welt: Den USA, Ecuador, Europa, dem Libanon, Uganda, Indien und Indonesien. Die Proben der USA waren mit 94 Prozent die am meisten verunreinigten. Auf Platz zwei und drei landeten die Tests aus dem Libanon und aus Indien. Die Proben aus Europa waren am wenigsten verseucht, trotzdem waren auch hier 74 Prozent aller Proben mit Plastikpartikeln verunreinigt. Die durchschnittliche Anzahl der Kunststofffasern, die in jeder 500-Milliliter-Probe gefunden wurde, reichte von 4,8 in den USA zu 1,9 in Europa.

Eine Gefahr für den menschlichen Organismus

Mikroplastik stellt erhebliche Risiken für den menschlichen Organismus dar: Zum einen können die Kunststoffpartikel Chemikalien oder Krankheitserreger beherbergen. Die Partikel sind so klein, im Nanometerbereich, dass sie in menschliche Zellen und somit in Organe eindringen können. Zum anderen beinhalten die Kunststoffteilchen chemische Gifte, die, sobald sie aufgenommen wurden, im Körper freigesetzt werden. Das beobachteten Wissenschaftler bereits bei Studien an Tieren, die in verseuchten Gewässern leben: Bei einem Drittel aller Fische, die in Großbritannien gefangen wurden, konnte Mikroplastik im Körper festgestellt werden. Die Plastik-Partikel gelangen wiederum in den menschlichen Organismus, sobald der Fisch gegessen wird.

Dass Mikroplastik auch in unserem Trinkwasser nachweisbar ist, war lange unbekannt. Jedoch nicht nur das Wasser in unseren Leitungen, auch in Flaschen abgefülltes Wasser ist vor den Kunststoffpartikeln nicht gefeit: In den USA testete Orbmedia mehrere Wasserproben aus Flaschen und erkannte auch hier eine Verunreinigung durch Mikroplastik.

Eine weitere, jedoch kleinere Studie in Irland brachte ähnliche Ergebnisse: Auch hier wurden Kunststoffpartikel in Leitungs- und Brunnnenwasser gefunden. Dr. Anne Marie Mahon, Leiterin der Studie am Galway-Mayo Institut of Technology, bezeichnet die Ergebnisse der Studien im Interview mit dem "Guardian" als Warnsignal. "Wir müssen Genaueres über die Herkunft sowie die Folgen des Mikroplastiks herausfinden. Die Menschheit braucht zwar Plastik, aber so wie es derzeit genutzt wird, richtet es großen Schaden an."

Deutsche Forscher fanden Mikroplastik auch in 24 Biermarken, Honig und Zucker. Wissenschaftler in Paris fanden heraus, dass wir die kleinen Partikel nicht nur über Nahrung und Wasser aufnehmen - auch unsere Luft ist mit den Kunststoffpartikeln verschmutzt. Atmet man diese ein, so kommen die giftigen Schadstoffe direkt in die Lunge und verteilen sich über den ganzen Organismus.

Woher kommt das Mikroplastik?

Mikroplastik findet sich in synthetisch hergestellter Kleidung, in Kosmetik- und Hygieneprodukten, in Putzmitteln, in Reifenstaub, in Wand- und Lackierfarbe. Durch das Waschen der Textilien, dem Einsatz in Wäschetrocknern oder Reifenstaub beim Autofahren gelangt das Mikroplastik in die Umwelt. Fest steht jedoch, dass aktuelle Wasseraufbereitungsanlagen dieses Mikroplastik nicht filtern können. Wie genau die Teilchen in das Trinkwasser gekommen, ist aber auch noch Teil intensiver Forschungen.

>> Zum Artikel im "Guardian"

(len)

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