"Xavier": Video zeigt spektakuläre Landung eines A380 in Düsseldorf

Extreme Seitenwinde lassen einen Airbus A380 auf der Landebahn des Düsseldorfer Flughafens wild hin- und herschlingern. "Presse"-Redakteure waren an Bord eines betroffenen AUA-Flugzeugs.

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Eine A380 wird von extremen Seitenwinden umhergeschleudert. – Youtube/Cargospotter

Sturmtief "Xavier" legte am Donnerstag nicht nur große Teile des Auto-, Bus- und Zugverkehrs in Deutschland lahm. Die Auswirkungen des Unwetters waren auch auf den deutschen Flughäfen zu spüren. Mit Windböen von bis zu 100 Stundenkilometern mussten etwa Piloten im Bundesland Nordrhein-Westfalen kämpfen. Das zeigt das Video einer Landung eines A380 am Düsseldorfer Flughafen, das ein Beobachter aufgenommen hatte: Fast verliert der Pilot aufgrund des starken Seitenwindes die Kontrolle über die Maschine.

"Ich habe in den vergangenen Jahren Tausende Landungen mit Seitenwind auf mehreren Flughäfen in Europa gefilmt, aber diese Landung war sehr hart und außergewöhnlich", schrieb der Urheber der Films. Das Flugzeug näherte sich zunächst relativ kontrolliert der Landebahn, doch kurz nachdem es den Boden berührte, schlingerte der Airbus dramatisch nach links und rechts aus. Das Video zeigte die Fähigkeiten der Piloten, hieß es unter dem Clip.

AUA-Flugzeug bricht Landeanflug ab

Eine Maschine der Austrian Airlines, der Flug OS 293, sah sich sogar gezwungen umzukehren. Mit an Bord des Airbus 319 waren der "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak sowie die "Presse"-Redakteure Christian Ultsch und Thomas Prior. Sie waren auf dem Weg nach Berlin, um ihr neues Buch "Flucht" zu präsentieren.

Das Flugzeug befand sich schon im Landeanflug - die Häuser rund um Tegel waren schon deutlich erkennbar, als die Piloten wenige hundert Meter über dem Boden entschieden, den Landeversuch abzubrechen. Heftige Sturmböen hatten die Maschine erfasst und sie wild zur Seite geschleudert. Unter den Fluggästen machte sich Angst breit: Vereinzelt waren Schreie zu hören. Einige Passagiere begannen spontan zu applaudieren, als die Maschine durchstartete, um nach Wien zurückzukehren. Die AUA hatte bereits im Vorhinein mit Turbulenzen gerechnet und die Maschine am Flughafen Schwechat ausreichend auftanken lassen, um den Rückflug sofort antreten zu können.

Der Styriabooks-Verlagschef Matthias Opis war in einer Air-Berlin-Maschine unterwegs, deren Pilot ungefähr zur gleichen Zeit die Landung wagte. Knapp bevor die Maschine aufsetzte, wurde sie seitlich noch von einer heftigen Böe erfasst. Die Passagiere mussten mehr als eine Stunde im Flugzeug ausharren, weil sich das Bodenpersonal weigerte, die Maschine auszuladen.

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Der Flug OS293 musste wieder nach Wien zurückkehren. – Flightradar24/Screenshot

Sturm tötet sieben Menschen

Der Sturm hatte sieben Menschen das Leben gekostet. Ein weiterer Mann starb in Mecklenburg-Vorpommern an einem Herzinfarkt, als ein Baum vor seinem Auto auf die Straße stürzte - unklar blieb, ob ein Zusammenhang mit "Xavier" besteht. Im Berliner Zoo sind 18 Flamingos von herabfallenden Ästen getötet worden. Am Wochenende könne es im Nordosten entlang der Küsten und im Bergland erneut stürmische Böen geben.

Die deutsche Regierung würdigte am Freitag den Einsatz der Rettungskräfte. Die stellvertretende Sprecherin Ulrike Demmer dankte in Berlin allen, "die in den Stunden des Orkans hart daran gearbeitet haben, die Verkehrsverbindungen aufrecht zu erhalten und Menschen zu helfen, die in Not geraten sind". Betroffen äußerte sie sich über die hohe Zahl der Todesopfer: "Natürlich denken wir in diesen Stunden an die sieben Menschen, die auf tragische Weise in dem Orkan ihr Leben verloren haben, und an die Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen."

Klimaforscher: Sturm war nicht vorhersehbar

"Xavier" war am Donnerstag vor allem über den Norden und Osten hinweggefegt. Besonders schwer betroffen von dem Unwetter und den Folgen mit umgestürzten Bäumen waren Berlin, Brandenburg, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Vier Tote gab es allein in Brandenburg, weitere drei Menschen starben in Berlin, Hamburg und bei Schwerin.

Die Nacht verbrachten viele Gestrandete in Hotels oder in einigen von der Bahn bereitgestellten Zügen. So standen zum Beispiel drei Übernachtungszüge in Kassel-Wilhelmshöhe, wo rund 1000 Reisende hängen blieben. Allein in Minden mussten 470 Fahrgäste die Nacht in mehreren Zügen am Bahnhof verbringen.

Mancherorts fiel der Strom aus. Freitagfrüh waren in Westmecklenburg noch immer 10.000 Kunden ohne Strom. Am Donnerstag waren es zeitweise sogar 35.000 Menschen. Der Sturm entwurzelte zahlreiche Bäume, Ziegel fielen von Hausdächern. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mussten auch am Freitag noch Straßen von umgestürzten Bäumen befreien.

Der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bezeichnete "Xavier" im SWR als "Schnellläufer". "Das ist ein Sturm, der nicht unbedingt vorhersehbar ist. Dieses Tiefdruckgebiet heißt so, weil es dann wirklich extrem schnell ziehen kann mit 100 Stundenkilometern." Beispiele dafür seien etwa der Sturm "Kyrill" aus dem Jahr 2007 oder "Lothar", der 2009 über West- und Mitteleuropa fegte.

(APA/dpa/red.)

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