Drogenbericht: Neue Suchtgifte und "Drogen-Senioren"

Eine Rekordzahl neuer synthetischer Suchtgifte, immer ältere Süchtige und ein stark unterschätztes "Koks-Problem" - das meldet der neue Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht.

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Neue Suchtgifte, eine Drogenproblematik, die sich nicht mehr an Altersgrenzen hält, mehr Abhängige in Substitutionstherapie - und eine oft unterschätzte "Koks-Gefahr".

Das sind die aktuellen Charakteristika der Situation rund um illegale Substanzen, wie sie der neue Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) darstellt. Er wurde am Mittwoch in Lissabon veröffentlicht.

Rekordzahl "neuer Drogen"

Ein Trend: Die Produzenten synthetischer Drogen werden immer einfallsreicher. Im Jahr 2009 wurde offiziell eine Rekordzahl neuer Drogen gemeldet. Mit 24 neuen psychoaktiven Substanzen wurde nicht nur die höchste Zahl, die jemals in einem Jahr gemeldet wurde, sondern auch doppelt so viele neue Substanzen wie im Jahr 2008 gemeldet. Zumeist handelt es sich um Abwandlungen der Substanz Cathinon, die mit dem Aufputschmittel Amphetamin verwandt ist.

Auch das "Spice"-Phänomen - Substanzen auf Pflanzenbasis in rauchbarer Form, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sind - entwickelt sich weiter. 2009 wurden insgesamt neun synthetische Cannabinoide aus mindestens vier verschiedenen chemischen Stoffgruppen als neu auf dem illegalen Drogenmarkt gemeldet.

"Koks-Problem" immer größer

Europa hat auch zunehmend ein "Koks-Problem", dessen Gefahren scheinbar von vielen Menschen unterschätzt werden. Anlass zur Sorge gibt den Fachleuten ein Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang mit Kokainkonsum. Jährlich werden in Europa rund 1000 durch Kokain verursachte Todesfälle gemeldet. In Großbritannien verdoppelte sich zwischen 2003 und 2008 die Zahl der Totenscheine, in denen auf das Vorhandensein von Kokain hingewiesen wurde, auf 325.

2008 begaben sich rund 70.000 Personen in 27 europäischen Ländern wegen Kokainproblemen (Pulver und Crack) in Drogenbehandlung. Das entspricht etwa 17 Prozent aller neuen Drogenklienten in Therapie. "Es gibt immer noch zu viele Europäer, die den Kokainkonsum als relativ harmloses Attribut eines erfolgreichen Lebensstils ansehen", erklärte dazu Wolfgang Götz, Direktor der EBDD.

Patienten immer älter

Europas Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter - und die Drogenabhängigen altern mit. Dies gilt insbesondere für die westlichen Länder, die in den 1980er und 1990er Jahren Schauplatz der ersten Heroinepidemien in Europa waren.

In der speziellen Untersuchung zu dem Thema wird auf den dringenden Bedarf an Betreuungs- und Behandlungsangeboten für diese Klientel hingewiesen. Es gebe "in Europa kaum spezifische Behandlungs- und Betreuungsprogramme für ältere Drogenkonsumenten".

Die Größe des Problems wird auch durch statistische Daten aus den Therapieeinrichtungen gestützt. Ältere Konsumenten machen inzwischen einen wesentlichen Anteil der Patienten aus. Durchschnittlich ist etwa jeder Fünfte aller Drogenkonsumenten, die sich in Europa in Behandlung begeben, mindestens 40 Jahre alt. Noch vor zehn Jahren lag der Anteil der älteren Patienten in den meisten Mitgliedstaaten bei höchstens zehn Prozent.

Heroin wird öfter geschnupft

Beim Gebrauch von Opioiden gibt es in Europa einen neuen Trend. Speziell Heroin dürfte weniger injiziert, dafür mehr geschnupft werden. Auch Österreich ist davon betroffen: Ein Drittel der Opiat-Konsumenten, die sich in Behandlung begeben, führen an, das Suchtgift hauptsächlich zu schnupfen.

"Nachdem sich die Zahl der injizierenden Opioidkonsumenten in mehreren europäischen Ländern entweder stabilisiert hat oder sogar zurückgegangen ist, wurde anderen Arten des Konsums, z. B. durch Inhalieren der verdampften Droge oder durch Rauchen, der Aufnahme in Pulverform durch Schnupfen oder der oralen Aufnahme verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet", heißt es in dem Report.

(Ag. )

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