Italien: Massenflucht tunesischer Migranten

Mindestens 700 Tunesier flüchteten aus einem Auffanglager in Apulien, auf Sizilien waren es etwa 500 Migranten. Die Flüchtlingswelle in Richtung Lampedusa reißt nicht ab.

Migranten flüchten in Apulien aus einem Auffanglager.
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Migranten flüchten in Apulien aus einem Auffanglager.
(c) AP (LaPresse)

Italien hat weiterhin keine geeignete Antwort auf die derzeitige Flüchtlingswelle. Während auf Lampedusa in der Nacht auf Sonntag wieder 330 Migranten eintrafen, sind mindestens 700 der 1800 Tunesier, die in der Zeltstadt Manduria in Apulien untergebracht worden waren, vom Auffanglager gelüchtet. Sie bestürmten den Bahnhof der Kleinstadt und fuhren mit Zügen in Richtung Norditalien. 500 Migranten, die im Flüchtlingsdorf Mineo nahe der sizilianischen Stadt Catania untergebracht wurden, verließen die Ortschaft.

Die Präsidenten der italienischen Regionen protestierten gegen den Plan der Regierung für die Unterbringung der Migranten in Zeltlagern. "Zeltstädte für 2000 illegale Migranten aufzubauen, ist gefährlich. Es kann zu explosiven Situationen kommen", warnte der Präsident der Region Emilia Romagna, Vasco Errani. Er drängte die Regierung von Silvio Berlusconi, den Migranten eine provisorische Aufenthaltsgenehmigung zu gewähren, damit die Tunesier in der EU reisen könnten.

Die Leichen von 70 Flüchtlingen, die bei der Seeüberfahrt in Richtung Italien ums Leben gekommen waren, wurden unterdessen vor den libyschen Küsten geborgen. Dies wurde italienischen Medien vom Priester Mose Zerai, Präsident der Flüchtlingsorganisation Habesha, bestätigt. In den vergangenen Tagen hatte der Priester per Satellitentelefon einen Hilferuf von den Migranten erhalten, die in Seenot geraten waren.

In dieser schwierigen Situation bereitet sich Italiens Regierungschef Berlusconi auf seine Reise nach Tunesien vor, wo er seinen Amtskollegen Beiji Caid Essebsi treffen wird. Berlusconi rief die tunesische Regierung auf, sich zur Rücknahme der Migranten zu verpflichten, die in den vergangenen Wochen in Süditalien eingetroffen sind. Dafür will Italien Tunesien bis Mitte April 100 Millionen Euro für die Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen, die die Abfahrt der Migranten von den tunesischen Küsten verhindern sollen.

(Ag.)

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