Grimsvötn: Aschewolke stört Europas Flugverkehr

Der isländische Vulkan Grimsvötn spuckt weiter Asche, 500 Flüge fallen aus. Die Wolke erreicht Norwegen, Norddeutschland soll folgen. Den Flughäfen Berlin und Hamburg sind von einer vorübergehenden Schließung bedroht.

GrimsvoetnAusbruch Fluege nach Schottland
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GrimsvoetnAusbruch Fluege nach Schottland
(c) REUTERS (STR)

Wieder hält Vulkanasche aus Island tausende Fluggäste am Boden. Der Ausbruch des Vulkans Grimsvötn behinderte am Dienstag den Luftverkehr im Norden Europas immer stärker. Mehrere hundert Flüge wurden gestrichen, vor allem in Schottland und Nordengland. Ab Mitternacht ist damit zu rechnen, dass die Airports in Hamburg und Bremen für Starts und Landungen geschlossen werden müssten, teilte der Deutsche Wetterdienst am Dienstag mit. Später werde das vermutlich auf Berlin ausgedehnt werden müssen.

Die Folgen für Flugreisende waren zunächst unklar: Ein Chaos wie im Frühjahr 2010 soll es allerdings nicht geben. Auswirkungen auf Österreich soll es zumindest bis zum Wochenende nicht geben.

Ausfälle in Dänemark überschaubar

Im Laufe des Tages erreichte die Aschewolke auch Dänemark und Norwegen. Laut dänischer Flugsicherheitsbehörde Naviair wurde ein kleiner Teil des dänischen Luftraums vorübergehend geschlossen, es seien jedoch lediglich zwei Flüge nach Schottland und nach Grönland ausgefallen. Der norwegische Flughafenbetreiber Avinor meldete Asche in der Luft über zwei Flughäfen im Südwesten des Landes, was aber nur "sehr begrenzt" den Verkehr gestört habe.

Bis zum Abend dürfte die Wolke weiter nach Norddeutschland ziehen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sollte die Asche-Konzentration an der Nordseeküste vermutlich Werte zwischen 0,2 und 2,0 Milligramm je Kubikmeter Luft erreichen. Bei der zu erwartenden Partikel-Konzentrationen sind Flüge nur unter besonderer Aufsicht möglich. Die Lufthansa strich nach eigenen Angaben "aufgrund der außerordentlichen Umstände" bereits zwei Flüge nach Edinburgh.

Wolke bis zu sieben Kilometer hoch

Die Aschewolke sollte im Laufe der Woche möglicherweise auch Frankreich und später Spanien erreichen. Die Vorhersage ist aber noch nicht präzise, hieß es bei der Eurocontrol. Dem isländischem Wetterdienst zufolge ging die Vulkanaktivität bereits zurück. Die Wetterverhältnisse machten es schwierig, die Größe und Höhe der Wolke genau einzuschätzen, sagten Meteorologen des Landes. Aber Radaranzeigen machten deutlich, dass die Aschewolke nicht mehr so hoch wie kurz nach dem Ausbruch des Grimsvötn am Samstag sei. Experten gehen  von fünf bis sieben Kilometern aus, wie auch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien meldete. "Die Intensität dürfte nachgelassen haben", hieß es.

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte in Brüssel, er gehe nicht davon aus, dass es erneut zu einer großräumigen Schließung des europäischen Luftraums komme. Zwar hänge dies zum Teil von der Wetterlage ab, zum jetzigen Zeitpunkt sei aber nicht mit anhaltenden Beeinträchtigungen zu rechnen. Laut Eurocontrol gibt es an einem normalen Werktag bis zu 29.000 Flüge in Europa. Im Laufe des Dienstags dürften rund 500 Flüge abgesagt werden, prognostizierte Eurocontrol in Brüssel.

Vulkanausbruch: Island putzt die Asche weg

Vorerst keine Auswirkungen auf Österreich

Zumindest bis zum Wochenende wird es keine Auswirkungen auf den Flugverkehr in Österreich geben. Danach gibt es noch keine präzisen Vorhersagen - zu viel hängt von weiteren Eruptionen und von der Windrichtung ab, sagte Austro Control-Vorstand Heinz Sommerbauer am Dienstag im Rahmen der Bilanzpressekonferenz.

Mehrere Fluggesellschaften - darunter KLM, British Airways, Ryanair, Easyjet, der Lufthansa-Partner BMI, Loganair, Eastern Airways und Aer Lingus - strichen Dienstag früh Flüge von und nach Schottland. 400 Menschen mussten über Nacht am Flughafen Edinburgh ausharren. Die Lufthansa musste zum Mittag nur zwei Flüge absagen. Bei Air Berlin gab es geringe Verspätungen.

Der Grimsvötn war am Samstag ausgebrochen. Der Vulkan schleuderte seine Asche teilweise mehr als 20 Kilometer hoch in die Luft. Er liegt unter dem größten Gletscher Islands, dem Vatnajökull.

 

(Ag.)

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