Lauda Air-Absturz in Thailand jährt sich zum 20. Mal

Beim bisher schwersten Unglück der österreichischen Luftfahrtgeschichte kamen in Thailand 223 Menschen ums Leben. Schuld war damals eine defekte Schubumkehr.

Archivbild Lauda Air Crash in Thailand (1991)
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Archivbild Lauda Air Crash in Thailand (1991)
(c) APA (Pongsak Chaiyanuwong / Afp)

Vielen sind die Fernsehbilder noch immer präsent: Mit versteinertem Gesicht ging Niki Lauda durch die Flugzeugtrümmer in einem thailändischen Urwald. Einen Tag zuvor war eine Boeing 767-300 der Lauda Air eine halbe Stunde nach dem Start in Bangkok abgestürzt, dabei kamen alle 223 Menschen an Bord ums Leben. Das Unglück am 26. Mai 1991 war das schwerste in der Geschichte der österreichischen Luftfahrt. Heuer jährt es sich zum 20. Mal.

Die "Mozart" war erst 18 Monate zuvor in Dienst gestellt worden. Als Auslöser des Absturzes wurde später eine defekte Schubumkehr am linken Triebwerk ermittelt. Die Schubumkehr - sozusagen ein "verkehrter" Antrieb - dient zum Abbremsen des Flugzeugs nach der Landung. Durch das Ausfahren während des Steigflugs wurde die Maschine unsteuerbar, kam in extremen Sinkflug und brach auseinander. Verursacht wurde das Ausfahren der Schubumkehr durch ein falsch konstruiertes hydraulisches Ventil. Als Konsequenz änderte Boeing die Konstruktion.

Piloten hatten keine Chance

Wie die Untersuchungen ergaben, drehte sich das Unglücksflugzeug zunächst auf das Dach und raste dann unkontrollierbar mit einer Geschwindigkeit von 0,99 Mach - also fast Schallgeschwindigkeit - in Richtung Erde. Die Cockpit-Besatzung hatte keine Chance, das Unglück zu verhindern. Aus den Aufzeichnungen des Voice Recorders ging hervor, dass Kapitän und Co-Pilot noch versuchten, die Probleme unter Kontrolle zu bekommen.

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Lauda damals: "Kein Pilot der Welt kann eine Maschine in einer solchen Situation noch abfangen. Das ist, wie wenn du 300 km/h mit dem Auto fährst und plötzlich auf einer Seite bremst - nur, dass auf ein Flugzeug noch viel größere Kräfte einwirken."

89 Österreicher an Bord

Das Unglück 1991 in Thailand war das dritte schwere, von dem ein österreichisches Verkehrsflugzeug betroffen war. Am 26. September 1960 hatte der Absturz einer "Vickers-Viscount"-Turboprop-Maschine der AUA beim Landeanflug auf den Moskauer Flughafen Scheremetjewo 31 Tote gefordert. Schuld war damals eine falsche Höhenmesser-Einstellung. Am 23. September 1989 war eine mit elf Personen besetzte "Commander AC 90" der Rheintal-Flug beim Landeanflug auf den Flughafen Altenrhein am schweizerischen Ufer des Bodensees bei dichtem Nebel in das Gewässer gestürzt. Dabei kam auch der damalige Sozialminister Alfred Dallinger (S) ums Leben.

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Auch der Lauda Air-Absturz hat einen prominenten Toten gefordert. In Thailand starb der Innsbrucker Wirtschaftswissenschafter Univ.-Prof. Clemens August Andreae. Von den 223 Menschen an Bord - unter ihnen zehn Besatzungsmitglieder - waren 89 Österreicher. Die anderen Passagiere stammten unter anderem aus Hongkong, Thailand, China, aus Deutschland und der Schweiz. Die "Mozart" war in Hongkong gestartet und in Bangkok zwischengelandet. Zielflughafen war Wien-Schwechat.

(Ag.)

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