Darmkeim: EHEC bei Gurken aus Spanien festgestellt

Spanische Salatgurken wurden als Träger des Darmerregers EHEC identifiziert. Eine Lieferung wurde auch in Österreich verkauft. Es gibt in Deutschland bereits den dritten Todesfall.

Symbolbild Salatgurken
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Symbolbild Salatgurken
(c) REUTERS (MORRIS MAC MATZEN)

Spanische Salatgurken stehen im Verdacht, die Träger des gefährlichen EHEC-Erregers zu sein. Dies habe das Hamburger Hygiene-Institut herausgefunden, berichete am Donnerstag Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Bei drei Proben aus Spanien, darunter einer Bio-Gurke, sei der Erreger eindeutig festgestellt worden. Eine weitere Salatgurke mit EHEC-Keimen konnte noch nicht sicher zugeordnet werden. Die Senatorin rät derzeit vom Verzehr von Salatgurken ab.

Spanische Gurken sind diese Woche auch in Österreich verkauft worden: In 18 Lidl-Filialen in Tirol und Vorarlberg sei eine Charge mit 1344 Stück zum Teil verkauft worden, der Rest wurde mittlerweile aus dem Handel genommen. Die Kunden seien informiert worden, teilte das Unternehmen mit.

Noch ist unklar, ob die Gurken wirklich die Schuldigen sind. Die Ergebnisse sollen bei weiteren Messungen überprüft werden. Die Studie sei bisher nur in Hamburg erfolgt und habe nur bedingten Aussagewert für andere betroffene Orte, sagte die Senatorin. "Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen." Das Agrarministerium in Madrid will die Informationen prüfen.

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Bei dem Darmerreger handelt sich nach den Angaben von Experten der Universität Münster um einen von 42 bekannten EHEC-Typen, der bisher aber nicht auffällig in Erscheinung getreten sei. Diese Variante ist gegen viele Medikamente resistent. Dem Ausbruchsstamm fehle ein bestimmtes Gen, das in etwa 95 Prozent der EHEC-Keime vorkomme, die das Hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen, erklärte Helge Karch, der Direktor des vom Robert Koch-Instiut (RKI) beauftragten Labors. Daher seien Penizilline oder bestimmte Breitband-Antibiotika nicht wirksam, sondern nur sogenannte Carbapeneme, die zu den Beta-Lactam-Antibiotika gehören.

Bei der Untersuchung habe sich schnell herausgestellt, dass es sich bei den Patientenproben aus vier Städten um denselben Stamm handelte. Karch und sein Team haben nach eigenen Angaben mit der Entwicklung eines Schnelltests begonnen, der in wenigen Tagen zur Verfügung stehen soll.

Alarmstufe 1 könnte ausgerufen werden

Mittlerweile sind auch in Dänemark vier Erkrankungen im südlichen und mittleren Jütland nachgewiesen worden. Die Infizierten seien vor Ausbruch der Krankheit in Deutschland gewesen, teilte das Seruminstitut in Kopenhagen mit. Laut österreichischem Gesundheitsministerium gibt es auch fünf Fälle in Schweden sowie je einen Fall in den Niederlanden und in Großbritannien des sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS).

Wegen der EHEC-Epidemie in Deutschland könnte bald europaweit die Alarmstufe 1 ausgerufen werden. Dies sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der gefährliche EHEC-Erreger auch auf andere EU-Länder überspringt." Bei der Alarmstufe 1 werden alle EU-Staaten aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerungen einzuleiten, hieß es.

Dritter Todesfall in Bremen

Derzeit erlebe Deutschland den stärksten je registrierten EHEC-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger am Mittwochabend. Es gebe so viele Erkrankte pro Woche wie sonst in einem Jahr. Zwei Drittel der Betroffenen seien Frauen. Beim aktuellen Krankheitsausbruch ist bereits das dritte Todesopfer zu beklagen. In einer Bremer Klinik ist eine 24-Jährige Opfer des Durchfallkeims geworden, so eine Sprecherin des Gesundheitsressorts am Donnerstag. In weiteren Fällen besteht der Verdacht, dass EHEC die Todesursache ist. Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nannte die Ausbreitung "besorgniserregend".

600 registrierte Fälle

Seit Mitte Mai breitet sich das Bakterium in Deutschland ungewöhnlich rasch aus. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren am Mittwoch mehr als 600 Fälle registriert, von denen aber noch nicht alle bestätigt sind - am Dienstag waren es noch etwa 460. Die Zahl der besonders schweren Krankheitsverläufe mit blutigem Durchfall und Nierenversagen ist laut RKI auf mindestens 214 gestiegen. Der Schwerpunkt der Infektionen liegt in Norddeutschland.

(Ag.)

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