Tote bei Schiffsunglück in Italien - Kapitän festgenommen

Ein Kreuzfahrtschiff mit 4229 Personen an Bord - darunter auch Österreicher - ist vor Italien verunglückt. Es gibt mindestens drei Tote, mehr als 40 Menschen werden noch vermisst.

The luxury cruise ship Costa Concordia leans on its side after running aground the tiny Tuscan island
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The luxury cruise ship Costa Concordia leans on its side after running aground the tiny Tuscan island
(c) AP (Gregorio Borgia)

Bei einem Schiffsunglück vor der Westküste Italiens sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen.  Die "Costa Concordia" mit mehr als 4200 Menschen an Bord, darunter 77 Österreicher, war am späten Freitagabend aus noch ungeklärter Ursache zwischen der Insel Giglio und der Toskana auf Grund gelaufen. 67 Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei französische Touristen und um einen peruanischen Matrosen, teilten die Behörden mit.
Die Zahl der Toten könnte noch ansteigen: Laut der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" wurden Samstagabend noch immer 41 Menschen vermisst.

Wie die Zeitung weiter berichtet, wurde der Kapitän Francesco Schettino nach einem mehrstündigen Verhör festgenommen. Ihm wird vorgeworfen das Unglück verursacht zu haben, für den Tod mehrerer Passagiere verantwortlich zu sein - und das Schiff vorzeitig verlassen zu haben, obwohl noch viele Menschen Hilfe benötigt hätten. Der Erste Offizier wurde aus denselben Gründen festgenommen.

Costa Concordia: Einsatz am Schiffswrack

Der Staatsanwalt von Grosseto, Francesco Verusio, erklärte vor Journalisten, der Kapitän habe sich mit dem Luxusliner "Costa Concordia" "sehr ungeschickt" der Insel Giglio genähert und einen Felsen gerammt, der sich in die linke Seite des Schiffs gebohrt habe. Dadurch sei das Schiff auf die Seite gekippt. Innerhalb von zwei, drei Minuten sei eine riesige Menge Wasser durch den 70 bis 100 Meter langen Riss eingedrungen.

Schettino bestritt zuvor, dass ein menschlicher Fehler für die Tragödie verantwortlich sei. "Das Schiff hat einen Felsen gerammt, der in den Seekarten nicht eingetragen war. Laut den Seekarten hätten wir dort genügend Grund unter uns haben sollen", sagte er.

Das Schiff habe sich um 80 Grad nach Steuerbord geneigt, berichteten die Hafenbehörden. An Bord brach Panik aus, mehrere Passagiere sprangen ins Wasser. Rettungsboote, Hubschrauber und in der Gegend kreuzende Schiffe brachten die Menschen auf die nahe gelegene Insel Giglio, wo sie die Nacht in Schulen, Kirchen und Privathäusern verbrachten.

"Wie im Film Titanic"

"Wir waren seit zweieinhalb Stunden vom Hafen von Civitavecchia abgefahren. Wir saßen in eleganten Kleidern beim Abendessen, an dem auch der Kapitän teilnahm. Plötzlich haben wir einen Knall gehört, dann kam es zu einem Stromausfall", berichtete eine italienische Journalistin, Mara Parmegiani Alfonsi, die sich an Bord des Schiffes befand. "Es war wie im Film Titanic", sagte eine andere Augenzeugin.

Das Schiff war zuvor nach Angaben des Betreibers, der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, in Civitavecchia nördlich von Rom zu einer Mittelmeerkreuzfahrt aufgebrochen und sollte nach Palermo, Cagliari, Palma de Mallorca, Barcelona und Marseille fahren. An der Rettung der Passagiere und der Besatzung beteiligten sich mehrere andere Schiffe, die in der Region unterwegs gewesen seien.

Österreicher in Sicherheit

An Bord befanden sich rund 3.200 Passagiere, die meisten davon Ausländer, und etwa 1.000 Mitarbeiter des Schiffs. Zu den Passagieren zählten auch 74 Österreicher, außerdem waren drei Besatzungsmitglieder Österreicher. Das Außenministerium hat Kontakt zu allen 77 Personen aufnehmen können. Aus der Badeortschaft Porto Santo Stefano, in der die überlebenden Passagiere versorgt wurden, wurden Busse organisiert, die die Österreicher in die ligurische Hafenstadt Savona brachten.

Suche nach Ursache

Menschliches Versagen oder ein Defekt des elektronischen Systems sind laut Experten die wahrscheinlichsten Ursachen des Unglücks. "Es bestehen keine Zweifel, dass das Schiff gegen einen Felsen gestoßen ist. Man muss jetzt feststellen warum. Es kann sich um menschliches Versagen oder auch um einen Defekt der elektronischen Geräte gehandelt haben", sagte ein Experte, der die Costa Concordia aus der Nähe überprüfen konnte. Fachleute vermuten, dass sich das Schiff zu stark der Insel Giglio genähert habe. Das Schiff hätte fünf Seemeilen von der Inselküste entfernt fahren müssen, doch bis dorthin war es nur eine Meile.

Costa Crociere bezeichnete das Schiffsunglück als eine bestürzende Tragödie. "Das ist der tragischste Moment in der 64-jährigen Geschichte des Unternehmens. Wir sind sprachlos", sagte der Generaldirektor der Gesellschaft, Gianni Onorato. Den Angehörigen der Opfer sprach die in Genua ansässige Gesellschaft in einer Mitteilung am Samstag ihr Beileid aus. Man werde alles unternehmen, um die Passagiere und die Besatzungsmitglieder der "Costa Concordia" zu betreuen und im höchsten Maße mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Ursachen des Unfalls zu klären.

Costa Concordia

Die "Costa Concordia" gehört nach Angaben des Eigners zu den neuesten und größten Kreuzfahrtschiffen, die derzeit auf den Meeren unterwegs sind. Sie wurde 2006 gebaut und bietet in 1.500 Kabinen Platz für 3780 Passagiere. Betreiber ist das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere mit Sitz in Genua. Das Schiff misst 290 Meter und ist gut 35 Meter breit. Es schafft bei 114.500 Bruttoregistertonnen eine maximale Geschwindigkeit von 23 Knoten (rund 43 Stundenkilometer). 1100 Besatzungsmitglieder kümmern sich um die Gäste. An Bord befinden sich auf 17 Decks neben fünf Restaurants auch ein Theater, ein Kino sowie Clubs und Diskotheken.

(APA/Red.)

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