Fischkutter schleppt Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ ab

Das havarierte Kreuzfahrtschiff wird bis Victoria, Hauptstadt der Seychellen, geschleppt. Ein Feuer zerstörte die Stromversorgung. Die Zukunft der Genueser Reederei derzeit ungewiss.

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(c) AP

Victoria/Genua/Doe. Das am Montag im Indischen Ozean nahe der Seychellen havarierte Kreuzfahrtschiff „Costa Allegra“ wird nun doch bis Victoria, Hauptstadt der Seychellen auf der Insel Mahé, geschleppt. Wie die Genueser Reederei „Costa Crociere“ mitteilte, gab man den Plan auf, es zur Seychellen-Insel Desroches zu schleppen und Passagiere und Crew von dort nach Victoria auszufliegen.

Auf dem Eiland Desroches gibt es nur ein Luxushotel mit etwa 100 Zimmern, alles in allem zu wenig, um die mehr als 1000 Menschen an Bord zeitweilig unterzubringen.

Am 25. Februar hatte die Allegra vom Norden Madagaskars aus Kurs auf Mahé genommen, an Bord 636 Passagiere (darunter 97 Östereicher) und 414 Crewmitglieder. Heute hätte sie Mahé erreichen sollen, aber am Montag brach in dem wegen seiner vielen großen Fenster auch „Kristallschiff“ genannten Gefährt Feuer aus, nämlich im Maschinenraum. Kapitän Nicolò Alba gab Notsignale und nahm Kontakt auf mit den Behörden der Seychellen und den italienischen Behörden. Nach einer halben Stunde war das Feuer gelöscht, verletzt wurde niemand, aber das Stromaggregat wurde schwer beschädigt – danach trieb das 188 Meter lange Schiff, das 1990–92 durch den Umbau eines Ende der 1960er in Finnland konstruierten Containerfrachters entstand, manövrierunfähig im Meer, bis es am Dienstag von einem französischen Fischereischiff in Schlepptau genommen wurde.

 

Hubschrauber bringen Nachschub

Wasser und Lebensmittel sind knapp, da die Fahrt ihrem Ende zuging, Handys funktionieren nicht, weil die bordeigenen Satellitenrelais k. o. sind. Mittlerweile brachten seychellische Hubschrauber Wasser, Nahrung und Satellitentelefone. Das Schiff dürfte am Donnerstag Mahé erreichen, Gefahr bestehe nicht, versichern die Behörden des Landes, obwohl zuletzt bisweilen somalische Piraten in den Gewässern auftauchten.

Italienische Medien berichten, Fachleute und Offiziere von Costa Crociere würden in Kürze die Seychellen erreichen, um Anlandung und Weiterflug der Passagiere zu koordinieren. In der Zentrale in Genua sei dasselbe Krisenteam im Einsatz, das auch in der Nacht, als die „Costa Concordia“ vor der Toskana havarierte und kenterte, zuständig war – darunter Manfred U. (57), der aus Enns (OÖ) stammende Vizepräsident von Costa, gegen den Italiens Justiz im Fall der Concordia wegen Verdachts der Beihilfe zur fahrlässigen Tötung ermittelt.

Die Concordia war am Abend des 13. Jänner mit 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen, nachdem der Kapitän vom Kurs abgewichen war, um die Inselbewohner traditionell zu „grüßen“. Dabei starben mindestens 25 Menschen, sieben Passagiere werden noch vermisst.

 

Lässt Mutterkonzern Firma fallen?

Der neue Unfall könnte für die Reederei das Ende bedeuten. Gerüchte kursieren, wonach der US-Mutterkonzern „Carnival“ auf die Marke „Costa Crociere“ verzichten könnte, berichtet die Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2012)

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