Lehrerin setzte Schweigeminute für Attentäter an

Eine französische Lehrerin ist vom Dienst beurlaubt worden. Sie darf das Gelände nicht mehr betreten. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft handelt es sich nicht um eine Extremistin.

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(c) Reuters (POOL)

Paris/Ag. Eine französische Lehrerin, die für den Serienattentäter Mohammed Merah am Freitagmorgen eine Schweigeminute abgehalten hatte, ist vom Dienst beurlaubt worden. Die Rektorin der Schule im nordfranzösischen Rouen sagte, die Frau sei suspendiert und dürfe das Gelände nicht mehr betreten. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft handelt es sich nicht um eine Extremistin.

"Die Lehrerin erschien mir ziemlich durcheinander und labil", sagte die Rektorin der Gustave Flaubert-Oberschule, Florence Robine. Sie scheine erst langsam zu begreifen, was sie getan habe. Ein Disziplinarverfahren gegen die Englischlehrerin, die seit sieben Jahren an der Schule unterrichtete, laufe.

Bildungsminister Luc Chatel hatte die Suspendierung der Frau gefordert. "Es handelt sich um ein absolut unerhörtes Verhalten", sagte Chatel im Fernsehsender BFMTV. Zu einer möglichen politischen Motivation wollte er sich nicht äußern.

Schülervertreter der Klasse hatten sich an den Direktor gewandt und gegen die befohlene Gedenkminute für den bekennenden Islamisten protestiert, der in den vergangenen Tagen in Südfrankreich sieben Menschen erschossen hatte, darunter drei Schüler und einen Lehrer. Die Lehrerin habe klar gesagt, dass Mohamed Merah ein Opfer und dessen Verbindung zum islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida eine Erfindung der Medien und von Präsident Sarkozy sei, schrieben die Schülervertreter in einer Protestnote.

 

Schüler verließen aus Protest die Klasse

16 der rund 20 Schüler hatten demnach aus Protest gegen die Schweigeminute das Klassenzimmer verlassen, der Rest habe versucht zu verstehen, was die Frau meine; diese hat sich bisher noch nicht geäußert. In französischen Schulen war am Dienstag im Gedenken an die Opfer des Serienattentäters eine Schweigeminute abgehalten worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2012)

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