US-Teenager erschossen: Polizei wollte Haftbefehl

Ein 17-jähriger Schwarzer wurde in Florida Ende Februar von dem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen. Die Polizei beteuert nun, den Fall als "mögliches Tötungsdelikt" eingestuft zu haben.

Eine Jugendlöiche bei einen der vielen Demonstrationen.
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Eine Jugendlöiche bei einen der vielen Demonstrationen.
(c) REUTERS (Marcus Donner)

Ende Februar wurde im US-Bundesstaat Florida ein afroamerikanischer Teenager von einem weißen Privatsheriff erschossen. Weil der Schütze danach weder verhaftet noch angeklagt wurde, sorgt der Fall seither für massive Proteste. Die Polizei entgegnet nun der öffentlichen Kritik an ihrem Vorgehen: Sie hätte sich zunächst - entgegen früheren Berichten - doch um einen Haftbefehl gegen den Schützen bemüht und den Fall ursprünglich als "mögliches Tötungsdelikt" eingestuft, berichtet die Zeitung "Miami Herald". Die Staatsanwaltschaft habe die Verhaftung aber nicht angeordnet.

Der 17-jährige Trayvon Martin war am Abend des 26. Februar in Sanford von dem 28-jährigen George Zimmerman, einem Weißen mit hispanischen Wurzeln, erschossen worden. Der Jugendliche war unbewaffnet, Zimmerman befand sich als Mitglied einer Bürgerwehr auf privater Patrouille. Der Schütze gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben, nachdem der Jugendliche ihn niedergeschlagen habe. Die genauen Umstände sind unklar, der Fall löste aber eine landesweite Kontroverse um Rassismus im US-Justizsystem und laxe Waffengesetze aus. Tausende Menschen forderten bei Kundgebungen die Festnahme Zimmermans.

Grand Jury entscheidet nun über Anklage

Polizei und Justizbehörden sind wegen ihres zögerlichen Vorgehens in dem Fall heftig in die Kritik geraten. Die von Floridas Gouverneur ernannte Sonderstaatsanwältin Angela Corey verwies im Gespräch mit dem "Miami Herald" darauf, dass eine sogenannte Grand Jury am 10. April über eine Anklage Zimmermans befinden werde.

Die Zeitung zitierte Justizkreise, wonach bei der Staatsanwaltschaft "ständig" Anträge auf Haftbefehle eingingen. "Das bedeutet nicht, dass wir umgehend Anklage erheben. Wir ermitteln, um zu sehen, ob es angemessen ist", sagte ein Justizvertreter dem "Miami Herald".

Ermittler zweifelte an Zimmermans Version

Ein leitender Ermittler in dem Fall, Chris Serino, sagte unterdessen dem TV-Sender "ABC News", er habe noch am Abend des Vorfalls eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass er Zweifel an Zimmermans Schilderung habe. Der Schütze hatte ausgesagt, dass der Teenager ihn mit einem Fausthieb zu Boden gestreckt habe. Dann habe der Jugendliche sich auf ihn gesetzt und sein Gesicht mehrmals auf den Boden geschlagen. Erst dann habe Zimmerman zur Waffe gegriffen.

Der Anwalt von Martins Familie wirft Zimmerman dagegen vor, den Teenager "kaltblütig" ermordet zu haben.

Debatte erreicht Repräsentantenhaus

Der 65-jährige demokratische Abgeordnete und Bürgerrechtler Bobby Rush ist am Mittwoch vor das US-Repräsentantenhaus getreten, um gegen das Vorgehen in dem Fall im Speziellen und das "Racial Profiling" der Polizei generell zu protestieren. Während seiner Rede entledigte sich Rush seines Jacketts und streifte die Kapuze seines Pullovers über den Kopf. Er musste die Rede schließlich abbrechen. 

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AP Photo/House Television

Kapuzen wurden zum Symbol der Proteste gegen das Vorgehen der Behörden im Fall Trayvon Martin. Martin trug eine Kapuze, als er erschossen wurde. Eine der größten Kundgebungen war der "A Million Hoodies (deutsch: Kapuzen-Sweater) March" in New York.

(Ag./red.)

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