Abendmahl als Sex-Orgie: Hrdlicka-Bild abgehängt

Bereits am Gründonnerstag ließ Schönborn die Radierung "Leonardos Abendmahl" jedoch selbst entfernen. Er "bedauert ausdrücklich", dass diese in die Ausstellung gelangt ist.

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(c) APA (Robert Newald)

Kardinal Christoph Schönborn hat nach den Anfeindungen gegen die Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" im Wiener Dommuseum den Künstler selbst zwar verteidigt, bedauert jedoch, dass dessen Version des "Letzten Abendmahls" in die Ausstellung gelangt ist. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Die Ausstellung bedeutet nicht, dass das Dommuseum sich mit allen Werken Hrdlickas identifiziert. In einzelnen seiner Werke beachtet er die unbedingte Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht."

Schönborn hat die Radierung des Künstlers Alfred Hrdlicka "Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini" aus der Ausstellung entfernen lassen. Das Bild von 1984 war in der Hrdlicka-Ausstellung an der prominentesten Stelle beim Eingang positioniert. Es zeigt das letzte gemeinsame Mahl als eine Sex-Orgie unter Männern, ergänzt von einer Kreuzigung. "Es gab ja keine Frauen", erläuterte Hrdlicka bei der Presseführung im März. "Schon Leonardo war der Meinung, dass die Apostelrunde von Homoerotik zusammengehalten wurde."

Hätte nicht zugestimmt

Schönborn ist mit dieser Interpretation des letzten Abendmahls von Hrdlicka offenbar nicht einverstanden: "Unter seinen Werken sind auch solche, die vom Standpunkt des gläubigen Christen klar abzulehnen sind. Selbstverständlich hätte ich der Präsentation von Werken, die blasphemisch oder pornografisch sind, nicht zugestimmt. Ich bedauere es daher ausdrücklich, dass ein Bild dieser Art - ohne mein Wissen - in der Ausstellung zu sehen war. Dieses - Menschen in ihrem Glauben verletzende - Bild wurde auf meine Veranlassung hin am 20. März entfernt."

Weiters stellt sich der Wiener Erzbischof jedoch klar hinter den Künstler: "Hrdlicka ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs. Wie kaum ein anderer Künstler hat er sich mit dem leidenden und geschundenen Menschen befasst und zur 'Compassion' mit der 'Passion' eingeladen. Dieses Mitleiden drückt er in seinem Werk in erschütternder Weise aus", heißt es. „Deshalb habe ich auch einer Ausstellung im Dommuseum zugestimmt, ohne im einzelnen die auszustellenden Werke zu kennen."

Fundamentalistische Christen

Der Direktor des Wiener Dommuseums Bernhard Böhler spricht von "massiven verbalen Anfeindungen" gegen die Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" von verschiedenen Medien und Websites im In-, vor allem aber im Ausland. Er zeigt sich "erstaunt über die Hitze der Gefechte". "Die Proteste kamen in erster Linie von fundamentalistisch christlichen Kreisen aus den USA und sind schließlich nach Deutschland übergeschwappt", erzählte Böhler, "also von Menschen, die weder eine Kenntnis von der Ernsthaftigkeit des Schaffens von Alfred Hrdlicka haben, noch die Ausstellung gesehen haben."

Dort wo Hrdlicka anerkannt sei, habe es auch für die Ausstellung fast ausschließlich Lob gegeben. "Es gibt in Österreich einen langen Dialog zwischen Kunst und Kirche, der vor allem unter Otto Mauer geführt wurde", so Böhler. Ausschlaggebend für einen kirchlichen Auftrag an die Kunst sei die Qualität, nicht die Frömmigkeit der künstlerischen Arbeiten.

Nicht schnell genug abgehängt


Kritik an der Ausstellung kam auch aus Italien: Die Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" im Besitz der Familie des italienischen Medientycoons Silvio Berlusconi attackierte den Künstler. Insbesondere "Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini" löste die Empörung des rechtsorientierten Blattes aus.

Hrdlickas Werk im Dommuseum zu zeigen, sei eine "verheerende Wunde für den christlichen Glauben", hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht, der vom Vatikan-Experten des Blatts, Andrea Tornielli, verfasst wurde. Die Zeitung kritisierte die Unterstützung, die die Ausstellung von den lokalen Behörden erhalten habe.

Für "Il Giornale" wurde das Bild nicht schnell genug entfernt. "Acht Tage sind vergangen, bis die kirchlichen Behörden die Ernsthaftigkeit der Situation wahrgenommen haben und das Werk entfernen ließen. In Europa müsse man höchsten "Respekt für alle Religionen haben, mit Ausnahme jener, die am stärksten zur europäischen Zivilisation beigetragen hat", kommentierte die Zeitung.
(APA/Red.)

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