NMS: Fakten zur Neuen Schule

Ende Juni haben die ersten Kinder vier Jahre der Neuen Mittelschule (NMS) absolviert und ihre Abschluss-Zeugnisse erhalten. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) die NMS als "Bildungsbewegung von Neusiedlersee bis Bodensee, die Schule und Schulkultur verändert".(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Die NMS wurde 2008/09 als Modellversuch gestartet. Im kommenden Schuljahr wird es 698 NMS-Standorte in ganz Österreich geben. Als erstes Bundesland wird Vorarlberg im kommenden Schuljahr alle Hauptschulen auf NMS umgestellt haben, das Burgenland folgt ein Jahr später. Bis zum Schuljahr 2018/19 werden alle Hauptschulen auf NMS umgestellt.(c) APA (ANDREAS PESSENLEHNER)

Kritiker bemängeln, dass es sich lediglich um einen "Austausch von Türschildern" handle. Der größte Unterschied zur Hauptschule ist die innere Differenzierung des Unterrichts, für die pro Woche und Klasse sechs zusätzliche Lehrerarbeitsstunden finanziert werden. Wie diese eingesetzt werden, entscheidet die Schule. Beim "Team Teaching" wird dem Fachlehrer ein zweiter Lehrer zur Seite gestellt.(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Für ÖVP-Bildungsexperten und NMS-Mitinitiator Bernd Schilcher ist die Schulform "in einem Punkt sogar die größte Reform seit 238 Jahren: Sie beendet die Dominanz und Monostruktur eines Unterrichts, den Maria Theresia eingeführt hat - des frontalen Einheitsunterrichts."(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Eigentlich sollen Lehrer höherer Schulen für sechs Wochenstunden pro Klasse an die Neue Mittelschule kommen. Das hat sich aber als Problem herausgestellt. Viele AHS- oder BHS-Lehrer wollen nicht an den ehemaligen Hauptschulen unterrichten, hinzu kommt der Lehrermangel.(c) Clemens Fabry

Auf der Haben-Seite der NMS: Im Vergleich zum letzten Hauptschuljahr 2011 haben an den 67 ersten NMS-Standorten heuer mehr Absolventen die Berechtigung für den Besuch einer höheren Schule erworben.(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Laut einer im Juni 2012 durchgeführten IFES-Studie unter 500 Eltern, deren Kinder eine NMS besuchen, hatten 65 Prozent von der Schulform insgesamt einen guten oder sehr guten Eindruck. 20 Prozent gaben ein Befriedigend, 14 Prozent hatten einen schlechten oder sehr schlechten Eindruck. Das ergab insgesamt eine "Gesamtnote" von 2,2.(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Die besten Noten gab es für das Gesprächsklima zwischen Eltern und Lehrern (1,8), das Engagement der Lehrer (1,9) sowie Schul- und Klassenklima bzw. Team-Teaching (jeweils 2,0). Mit Abstand am schlechtesten bewertet wurden die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Eltern (2,8).(c) Clemens Fabry

Die NMS ist für Schmied nur der erste Schritt zu einer Gesamtschule. Allerdings: Zwei Drittel der Österreicher wollen das klassische, achtjährige Gymnasium behalten. Dies ergab eine Karmasin-Umfrage. Nur 24 Prozent plädierten für eine Abschaffung dieser Schulform.(c) Clemens Fabry

An NMS werden Schüler mit und ohne AHS-Reife unterrichtet. Inhaltlich ähnelt der Lehrplan jenem des Realgymnasiums. In Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache (meist Englisch) ist eine innere Differenzierung des Unterrichts vorgesehen. Für pädagogische Maßnahmen wie Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen gibt es vom Ministerium Zusatzmittel. Im Gegensatz zur Hauptschule sind keine fixen Leistungsgruppen vorgesehen.(c) Clemens Fabry

Zusätzlich zu den Ziffernnoten werden im NMS-Zeugnis die individuellen Stärken festgehalten. In der 3. und 4. Klasse wird in Deutsch, Mathe und den Fremdsprache außerdem ausgewiesen, ob der Schüler sich nur Basiswissen oder komplexeres Wissen aneignen konnte. Die vertiefte Bildung entspricht dem Bildungsziel der AHS. Wer in allen differenzierten Fächern "vertieft" abschließt, ist zum Übertritt in AHS oder BHS berechtigt.(c) Clemens Fabry
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