Kindergarten: Kurz hofft auf baldiges zweites Pflichtjahr

17.07.2012 | 14:04 |   (DiePresse.com)

"Ich bin überzeugt davon, dass es kommt", sagt der Staatssekretär zu einer Ausweitung der Kindergarten-Pflicht. Er kritisiert außerdem den "Wildwuchs" von Schulversuchen und Projekten.

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Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hofft weiter auf eine möglichst rasche Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres für Kinder mit Sprachschwierigkeiten und tritt auch für Ganztagsschulen "im urbanen Raum" ein. Eine Diskrepanz zum familienpolitischen Credo seines Parteiobmanns Michael Spindelegger sieht er dabei nicht, denn es gehe ja um Maßnahmen nur für jene Familien, in denen es daheim nicht genügend Unterstützung für die Kinder gebe.

Zu viele Schulversuche

In Sachen Bildung hatte Kurz erst vor kurzem für Irritation im SP-geführten Unterrichtsministerium gesorgt, als er den derzeitigen Integrationsansatz in Schulen zur Debatte und ein Bildungskonzept für junge Migranten in Aussicht stellte. "Es gibt sehr starken Wildwuchs im Bildungsbereich, von Schulversuchen und Projekten, von denen manche sinnvoll sind und manche nicht", bekräftigt er.

Bekanntermaßen steht und fällt nach Ansicht des Staatssekretärs der schulische Erfolg mit den Sprachkenntnissen. "Es gibt viele Kinder, die beim Schuleintritt nicht Deutsch können." Deshalb Kurz' Forderung nach einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr. Wann genau er diese Forderung - die Geld kostet - durchsetzen kann, wagt Kurz nicht einzuschätzen. "Ich bin überzeugt davon, dass es kommt. Da bin ich natürlich froh, wenn es innerhalb von wenigen Jahren verwirklichbar ist."

Schule muss Ergänzung bieten

Auch die Ganztagsschule kann "in vielen Bereichen im urbanen Raum sinnvoll sein", findet Kurz. Wie aber passt das zu jüngsten Aussagen Spindeleggers? Der hatte Ende Juni in einem "Gastkommentar" in der "Krone" gegen die Ganztagsschule gewettert und dagegen, dass Eltern "ihre Kinder so früh wie möglich den ganzen Tag in einer staatlichen Einrichtung abgeben" und "auf diese Weise nicht mehr Eltern" seien. Kurz sieht hier keine Diskrepanz: "Staatliche Institutionen müssen notwendige Ergänzung und Unterstützung bieten, die es zu Hause nicht gibt. Das heißt nicht, dass man jemand, der diese Unterstützung zu Hause hat, aus der Familie herausreißen muss."

Grüne: Zweites Jahr für alle Kinder

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) geht mit seiner Forderung nach einem zweiten Kindergartenjahr den Grünen nicht weit genug und dem BZÖ zu weit. Die Grüne Familiensprecherin Daniela Musiol trat am Dienstag in einer Aussendung für "ein zweites Kindergartenjahr für alle Kinder" ein. BZÖ-Familiensprecherin Ursula Haubner dagegen pochte auf die "Entscheidungsfreiheit" der Eltern, wie sie ihre Kinder betreuen (lassen) wollen.

Musiol findet es zwar grundsätzlich positiv, dass Kurz sich um die Debatte um das zweite verpflichtende Kindergartenjahr bemüht, allerdings sei es "ein Fehler, wenn es nur auf Kinder mit Sprachschwierigkeiten beschränkt wird". Der Kindergartenbesuch bedeute generell einen Entwicklungsschub für Kinder, berief sich Musiol auf "zahlreiche Studien". Allerdings stünde es um die Rahmenbedingungen in der Elementarpädagogik nicht zum Besten, kritisierte sie einmal mehr.

BZÖ gegen zweites verpflichtendes Jahr

Haubner dagegen trat gegen ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ein. Sie sei für den Ausbau der Kinderbetreuung, aber "man sollte den Eltern nicht alles unter dem Deckmantel der Verpflichtung verordnen", schrieb sie in einer Aussendung. Die Entscheidungsfreiheit müsse bei den Eltern bleiben. Den verpflichtenden Kindergartenbesuch im letzten Jahr vor der Schulpflicht dagegen betrachtet das BZÖ als sinnvoll, handle es sich doch um "ein entscheidendes Bildungsjahr".

(APA)

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15 Kommentare
Gast: Hans im Glück
19.07.2012 11:00
0 0

Wann wird endlich die Schulpflicht wieder auf 4Jahre gekürzt???

Immer mehr die Kinder indoktrinieren finde ich nicht gut.

Da werden sie nur zu braven Dienstnehmern getrimmt.

Wir brauchen eine Erziehung die kein Fleischwolf ist und nur einen Gatsch rauswirft.

Wir brauchen auf Unternehmer. Selbstständige, mündige Bürger.

Gast: Kindergärtnerin
18.07.2012 10:16
4 0

Auch

die Eltern von Migranten haben die Pflicht, die Landessprache zu erlernen - das erleichtert jedem ihrer Kinder die Integration!!!

Es fällt der ganzen Gesellschaft "auf den Kopf", wenn Eltern die Möglichkeit und/oder die Pflicht genommen wird, ihre Kinder zu versorgen,zu unterstützen,zu erziehen ,vor allem:zu kennen!

Kindergarten und Schule sind auch in Ausnahmefällen kein Ersatz der Familie!

"Ausgelagerte" jeden Alters sind in Ausnahmesituationen und entsprechend eingeschränkt ->leichter steuerbar...

Re: Auch

Wichtig wäre eine Änderung der "Heiratspolitik".
Wenn sich hier sozialisierte Männer nicht eine Frau aus der TR holen, sondern sich hier eine Partnerin suchen, die hier ebenfalls die Schullaufbahn absolviert hat, müsste nicht jede Generation bei Null beginnen.
Die Vermittlung der Landessprache müsste man nicht nur dem Staat überantworten, wenn das Kind zu Hause z.B. vom Vater Dt und von der Mutter die Muttersprache lernen könnte.
Das Sprachniveau dieser Kinder könnte dann so gut sein, wie jenes der 3. Generation der Kinder, die z. B. serb.. bos., kroat. Wurzeln haben.

Wenn sich diesbezgl. nichts ändert, die Mütter kein Dt. können, es auch nicht lernen müssen, da die meisten nicht berufstätig sind, werden wir auch noch für die xte Generation 2 oder mehr verpflichtende KG-Jahre bezahlen.


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Nicht die DDR

Österreich soll bitte nicht eine bessere DDR werden. Es ist nicht Aufgabe der Gesellschaft, die Erziehung von Kindern zu übernehmen. Wenn Eltern ihre Kinder nicht in der Landessprache aufziehen, dann ist das eine Form der Verwahrlosung, weil diese Kinder logisch in dem Land keine Chance haben werden. Die sollten schleunigst in ihre Heimat zurück mit der sie sich eh so verbunden fühlen. Derart an Österreich desinteressierte Leute braucht hier niemand.

Es ist überall ganz normal, dass sich Migranten von sich aus selbst darum bemühen, sich so schnell wie möglich einheimisch fühlen zu können. man soll ihnen dabei entgegenkommen, aber die Initiative muss von ihnen ausgehen.

Nur in Österreich gibt es offensichtlich einen starken Drang, die Dümmsten verfügbaren Leute unbedingt im Land halten zu wollen.

Nie zuvor gab es derartige Probleme, die wir mit den Türken jetzt haben. Aus keinem anderen Land bisher. Alles nur, weil das offenbar die einzigen sind, die noch die SPÖ wählen, weil sie nichts verstehen.

Antworten Gast: aberaber
18.07.2012 23:05
2 0

Re: Nicht die DDR

Bitte nicht nur in der Presse kommentieren, sondern an die Verantwortlichen -Hr. BK Faymann, Fr. Schmidt, Hr. Häupl um Stellungnahme weiterleiten. Informieren sie sich,, was in GB, in der BRD, in Fr, in IT los ist. Lesen sie den Integrationsbericht 2010. Und genießen sie die sogenannten Integrationsinitiativen von rot-grün. Und dann wundern sie sich nicht mehr, warum Transparenz unerwünscht ist. Deutschland hat sich bereits abgeschafft (Sarrazin), Ö. ist dabei.

Gast: bravokurz
17.07.2012 21:44
0 0

der einzige

Sachliche, zukunftorientierte Initiativen sind bei all dem politischen Gekotze selten geworden. Parteipolitisches Taktieren steht vor dem Gesamtwohl Ö.`s. Daher gehört der junge Kurz vor den Vorhang, weil er noch sinnvolle Vorschläge äußert! In Zeiten wie diesen sollen die Parteisoldaten schweigen, wenn sie nur Destruktives zu sagen haben.

Antworten Gast: Abdisu (kein Lehrer)
18.07.2012 06:11
2 0

Re: der einzige

Der Kurz ist wirklich nicht dumm. Aber die Bio-Stalins wollen schon wieder Zwangserziehungslager für alle. Am besten allen Kindern ein Beserlpark-Pickerl aufs Hirn.

Gast: Die Eltern
17.07.2012 13:17
3 0

Hr. Kurz

Sie sollten Sich bitte vor Verkündung eines zweiten Pflichtjahres kurz mal in einem Wiener Kindergarten umschauen.

Schon heute haben die Leiter massive Probleme die Kindergartenbereuer zu halten.

Es herscht eine Fluktuation die es kaum möglich macht eine Kindergartengruppe ordentlich zu betreuen. Ein ständiges welchseln der Betruer, ein permanentes Ressourcen jonglieren um überhaupt eine Kindergartengruppe aufrecht zu erhalten ist heutzutage leider Alltag.

Zusätzlich hat gerade Wien ein großes Problem die Betreuer "in Wien" zu halten. NÖ zahlt einfach mehr und die Arbeitsbedingungen sind um einiges besser (was in einem NÖ Kindergarten ganz normal ist, ist in einem Wiener Kindergarten durch diverese unverständliche Regelungen nicht erlaubt).

Also bitte zuerst die Ramenbedingungen schaffen dann über einen Ausbau nachdenken.
Alles andere ist nur "Tun damit irgendwas getan wird".

Machen Sie nicht die gleichen Fehler wie all die anderen Politiker.

Antworten Gast: zur initiative
17.07.2012 21:33
1 0

Re: Hr. Kurz

Gottseidank macht wenigstens Kurz den Mund auf, auch wenn er nicht Ent-scheidungsträger ist. Viele betroffene Kindergärtnerinnen haben resigniert, weil es unerwünscht ist, auf Mißstände hinzuweisen. Seit Jahren ist alles in Ordnung- net wirklich. Kurz soll am Tisch hauen, dass die Verantwortlichen endlich aufwachen, um die Notwendigkeiten für Ö. `s Zukunft darzulegen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Wenn schon die SPÖ nicht willens ist, dann muss Kurz wenigstens dazu drängen..

Nix für ungut, aber ...

... Kindergärten sind Landessache: wenn die Rahmenbedingungen nicht passen, muss das Land das ändern. In NÖ geht's ja anscheinend auch.

worauf mag dieser wildwuchs wohl zurückzuführen sein???

wohl darauf, dass das standardangebot einfach überhaupt keinem mehr passt!

Gast: Gastfff
17.07.2012 11:54
5 0

Frage

Was arbeiten die Eltern von diesen Kindern eigentlich hier in Österreich, wenn sie kein Wort Deutsch können?

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Re: Frage

Ganz einfach: Der SPÖ ist es gelungen, dass auch in Wien Ghettos entstehen. Das gab es vorher nie.

Antworten Gast: parallele
17.07.2012 21:37
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Re: Frage

In Ö. muss man schon lange nicht mehr D können - wir haben doch längst die Parallelgesellschaft, die die Experten zu entdecken verpaßt haben. Und es wird politisch heftig daran gearbeitet, diesen Zustand auszuweiten. Das ist keine Frage mehr.

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Re: Frage

berechtigte frage!! wer sich nicht halbwegs deutsch verständigen kann , wird die Familienbeihilfe gestrichen, und dann erledigt ich das Problem von selbst !!

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