Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

21.10.2012 | 18:30 |  Christian Schacherreiter, AHS-Direktor (Die Presse)

Wer eine höhere Schule besucht hat, dem sollten Namen wie Kafka, Mozart oder Schiele doch einmal begegnet sein: Über die Zentralmatura - und die intelligenzferne Mode, Wissen gegen Kompetenzen auszuspielen.

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Es wird viel geredet und gestritten über die neue Matura, die „teilstandardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung“. Der breite, laute, aber nicht sonderlich tiefsinnige öffentliche Diskurs weist elementare Schwachstellen auf, die unter anderem dadurch bedingt sind, dass die Tagespresse oft äußere Begleiterscheinungen der Reform fokussiert, die „interessant“ erscheinen, obwohl sie für die Sache als solche unerheblich sind. Beispielsweise ist es völlig unerheblich, ob die neue Form der Reifeprüfung im Schuljahr 2013/14 oder erst im Schuljahr 2014/15 flächendeckend realisiert wird. Aus der aufgeregten Diskussion um die Verschiebung lässt sich vielleicht politisches Kleingeld machen (vermeintliche oder tatsächliche Unfähigkeit einer Ministerin), auch das zur Gewohnheit gewordene Lehrerbashing in Entrüstungspose lässt sich daran aufhängen (schlechte Vorbereitung der Schüler). Das war's aber dann schon wieder.

Zu einem kritischen Urteil, das dieses vornehme Attribut findet, kommt man erst, wenn man prüft, wie die einzelnen Unterrichtsgegenstände mit den Reformrichtlinien zurechtkommen. Da gibt es nämlich erhebliche Unterschiede. Das beginnt schon beim Grundsatz der Kompetenzorientierung, dem didaktischen Kern der Maturareform.

 

Kompetenz ohne Wissen?

Der Begriff „Kompetenz“ hat beim Erlernen einer Fremdsprache eine andere Qualität als im naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Unterricht. Gut Englisch zu sprechen und damit in verschiedenen Kommunikationssituationen zurechtzukommen, das ist tatsächlich eine Kompetenz, die nicht vorrangig auf bestimmte Inhalte fixiert ist. Ich kann meine Sprachkompetenz ebenso gut in einem Gespräch über amerikanische Popularmusik nachweisen wie in einem über den englischen Parlamentarismus, über das Fernsehprogramm oder über Jugendgruppen. Allzu dünnflüssig wird die Sache freilich, wenn man sich im Englischunterricht inhaltlich nur noch auf Talkshowniveau bewegt. Das eine oder andere kulturell relevante Thema wäre nicht wirklich kompetenzfeindlich, und der Name Shakespeare sollte nicht völlig beliebig austauschbar sein – etwa gegen Paris Hilton oder Hugh Hefner.

Die intelligenzferne Mode, Wissen gegen Kompetenzen auszuspielen, wird bei Disziplinen wie Physik, Biologie oder Geschichte geradezu lächerlich. Die großen Vereinfacher unter den Propagandisten der „Kompetenzorientierung“ erwecken gern den Anschein, als wäre in solchen Unterrichtsgegenständen bisher nur zusammenhangloses, auswendig gelerntes Faktenwissen abgeprüft worden, und dass es ihrer herausragenden Genialität bedurft hätte, diesen himmelschreienden Missstand endlich zu beseitigen. Ich ziehe seit zwei Jahrzehnten als Maturavorsitzender durch Oberösterreich. Noch nie habe ich gehört, dass bei einer Geschichte-Matura Einzelfakten geprüft worden wären. Immer ging es darum, Zusammenhänge, Ursachen und Folgewirkungen zu erläutern, aber dafür braucht man halt das eine oder andere Faktum. Wie sollen Maturanten den italienischen Faschismus erklären, wenn sie nichts Faktisches darüber wissen? Aufgrund einer allgemeinen Sprechkompetenz und ihrer Wahlberechtigung mit sechzehn?

 

Textsortenvielfalt – gut so!

Als besonders komplex erweist sich die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und Kompetenz im Unterrichtsfach Deutsch, zweifellos ein Sprachfach, aber doch auf andere Weise als eine Fremdsprache. Grundsätzlich halte ich die Richtung, die man bei der schriftlichen Reifeprüfung eingeschlagen hat, für niveauförderlich. Die Zeiten, in denen es gereicht hat, wenn ein Maturant zu einem erhebenden Zitat seinen Assoziationen freien Lauf ließ und diesen „Herz und Bauch“-Erguss für einen Essay hielt, sind vorbei. Es gibt einen Textsortenkanon, auf den die Maturanten vorbereitet sein müssen. Er reicht vom journalistischen Kommentar über die Rede bis zur klassischen Erörterung und glücklicherweise auch zum Interpretationsaufsatz über literarische Texte.

So weit, so gut. Dennoch hätte ich es begrüßt, wenn man sich darauf beschränkt hätte, den Deutschlehrern Kriterien vorzugeben, denen ihre Themen entsprechen müssen, aber die Wahl der Inhalte den Lehrkräften zu überlassen. Dazu ein Beispiel: An meiner Schule gibt es einen Sportzweig mit dem Fach „Sportkunde“. Bei Maturathemen in Deutsch habe ich dieses „Weltwissen“ immer berücksichtigt. An einer HTL oder an einem sprachlich ausgerichteten Gymnasium wäre dies Unfug, da ergeben sich eben andere inhaltliche Schwerpunkte. Die Sekundarstufe II ist in Österreich ziemlich heterogen. Ich sehe wenig Sinn darin, dass alle Maturanten eines Jahrgangs österreichweit zu denselben Themen ihre Aufsätze schreiben müssen, denn man schreibt naturgemäß besser über ein Thema, zu dem man inhaltlich etwas zu sagen hat.

Ähnliches gilt für das Literaturthema. Da es keinen Literaturkanon gibt, kann als Grundlage für den Interpretationsaufsatz irgendein literarischer Text kommen. Ob so etwas Ähnliches einmal im Unterricht stattgefunden oder nicht, bleibt dem Zufall überlassen, und auf kontextuelles Wissen, das die werkimmanente Interpretation sinnvoll ergänzen könnte, kann man dann sowieso nicht mehr bauen. So werden sich die Themensteller für die Klausur auf eher einfaches Textmaterial beschränken müssen. Schade, denn Literatur bietet eigentlich mehr.

 

Wie hast du's mit der Rechtschreibung?

Rechtschreibung und Grammatik dürften für die Gesamtbeurteilung einer Deutsch-Matura nach neuer Fasson eher nebensächlich sein. Auf diese Kompetenz, die im wirklichen Leben draußen immer noch wichtig ist (ob wir das gut finden oder nicht), brauchen wir in der Schule nicht mehr zu sehr bauen. Obwohl die pädagogische Ideologie der „Kompetenzen“ Teil einer funktionalistischen Bildungsauffassung ist, die Lernen an Verwertbarkeit bindet und dem „Praxisbezug“ hohen Stellenwert einräumt, ignorieren die Verantwortlichen weitgehend, dass die Gesellschaft korrekter Rechtschreibung und Grammatik nach wie vor einen hohen Stellenwert einräumt. Das ist ein seltsamer Widerspruch.

Bedauerlich finde ich, dass wir vor lauter Kompetenzen keine Inhalte mehr sehen wollen. Die „konservative“ Frage, ob die Kenntnis des kulturellen Kanons nicht doch zum Kompetenzbündel von Maturanten gehören soll, ist völlig aus dem didaktischen Diskurs verschwunden. Wer (so wie ich) daran festhält, dass jemand, der eine höhere Schule besucht hat, Namen wie Mozart, Schiele, Goethe oder Kafka doch einmal begegnet sein soll, gerät bei schneidigen Fortschrittlern schnell in den Generalverdacht elitärer Dünkelhaftigkeit und eines neokolonialistischen, eurozentrischen Kulturverständnisses.

 

Unerwünschte Nebenwirkungen

Die neuen Richtlinien für die mündliche Reifeprüfung bringen interessante Herausforderungen für den Prüfer und Kandidaten mit sich. Die Reduktion der mündlichen Prüfungen bei gleichzeitiger Verlängerung der Prüfungsdauer wird etwas anspruchsvollere Fragestellungen ermöglichen. Die Vorgabe, dass jede Aufgabenstellung für eine mündliche Prüfung drei Qualifikationsebenen beinhalten müsse (Reproduktion, Transferleistung, Reflexion), fördert eine qualitativ hochwertige Aufgabenstellung. Das wird positive Auswirkungen haben. Die Zeit jener Biedermänner und Biederfrauen, die Literaturgeschichte auswendig lernen und aufsagen lassen, ist abgelaufen. Sie kommen sinnvollerweise ein wenig ins Schwitzen, denn ohne Lektüre und eigenständige Arbeit am Text geht in Zukunft gar nichts mehr, und das ist gut so.

Der Preis für diese Regulierung ist nicht gerade niedrig. Jede Lehrkraft muss künftig in erster Linie darauf achten, dass sie alle erforderlichen Kompetenzen und die daran gebundenen Lehr- und Lernprozesse in knapper Zeit unterbringt. Für Experimente, Sonderprojekte, Schwerpunkte bleibt nur wenig Raum. Originalität und Kreativität könnten auf der Strecke bleiben. Alles hat eben seinen Preis. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung.


Christian Schacherreiter (geb. 1954) ist
Literaturkritiker und Direktor am
Peuerbach-Gymnasium in Linz.

Auf einen Blick

Der Start der Zentralmatura hat sich um ein Jahr verzögert. Die erste zentrale Reifeprüfung an den Gymnasien wird nicht im Schuljahr 2013/14, sondern erst 2014/15 stattfinden. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wurde der Start von 2014/15 auf 2015/16 verschoben. Grund für die Verschiebung: die angeblich unzureichenden Vorbereitung der Zentralmatura. Vor allem im Fach Mathematik wurde Kritik laut. Die Schulen, die sich bereits ausreichend vorbereitet fühlen, sollen mit der Zentralmatura wie geplant beginnen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)

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30 Kommentare
 
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Gast: Kortl sowos pockst ned
31.10.2012 20:34
0 0

Jeder sollte in seinen beruf sich weiterbilden.

Es geht uns Ottonarmalverbraucher als Arbeiter nicht um Orthografie, Grammatik etc.
Wir haben anderes zu bringen was dann funktionieren muss. ob ich mir aufschreib a rörl, oder ein rohr des was eh i. Wenn mans für die Richtige stelle braucht macht mans eh. Die Worte der oberscheiten. Dei Grammatik is a wohnsin. Is ma wurst. I verstehs, i bin a Österreicher. In der schule soll mans verlangen. Mit mitte 50 is ma des wurst. Soviel zur Höheren Schule Rechtschreibung. Wennst zu mir sags, des hast Falsch geschriebn. Sag ich drauf, schreib das selber. Mei Eistellung und de werd i nima ändern. Weil doppelt so alt ols i bin werd i sicher ned.

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Re: Jeder sollte in seinen beruf sich weiterbilden.

Die Bestrebungen, Schrift und Schreibweise so zu vereinheitlichen, dass jeder, der lesen konnte, etwas lesen und verstehen konnte, was ein anderer aufgeschrieben hat, reichen schon rund 1000 Jahre zurück.
Wer meint, dass es egal ist, ob sein Geschriebenes auch für einen anderen lesbar ist, braucht sich nicht wundern, wenn er von anderen nicht ernst genommen wird.

Gast: Schacherreiter-Fan
30.10.2012 18:33
0 0

Zustimmung, aber:

Das ist noch diplomatisch ausgedrückt.

In Wirklichkeit ist es eine Katastrophe, wohin sich der Deutschunterricht in den letzten Jahren entwickelt hat.

Geschichte ist es nicht besser ergangen.

Reifeprüfung für die Schule

WISSEN kommt von griech IDEIN und lat. VIDERE = SEHEN. Wissen ist eine angeborene, hohe geistige Kraft und Fähigkeit, die es - in einer wirklichen Schule und nicht in Lehrplanvollzugsanstalten - zu entwickeln gälte.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer meine ich, wenn eine Schule Reifeprüfungen veranstaltet, sollte sie sich erst einmal selbst reifeprüfen.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

Insider an Board

Ich selbst als Schüler möchte mich darüber äußern! Das Problem ist meiner Meinung nach generell die Zentralmatura. Ich meine wer war so schlau und dachte sich dieses System aus?
Nur angenommen. Wenn jemand ein Talent für Sport oder Musik hat, wäre diejenige Person nicht mehr in der Lage diese essentielle Aktivitäten auszuüben, wenn sie schlecht in der Schule ist. Der Grund ist, dass die Zentralmatura einen gewissen Durchschnitt erreichen will. Fakt ist, dass die Stärken eines Individuums ausgebügelt werden! Soll alles in einem Durchschnittlichen Volk enden?

Gast: Hellmesberger (kein Lehrer)
23.10.2012 16:55
3 0

Bravo und nochmals bravo!

Solche Pädagogen geben Hoffnung, dass die Analphabetisierungsoffensiven auf Widerstand stoßen und scheitern werden. Nicht nachlassen, aufsässig bleiben (bis zur Wahl oder zum Kommunalkredit-Prozess, dann sieht es womöglich ohnehin anders aus).

Gast: Gast23
23.10.2012 14:28
0 0

Rechtschreiben und Grammatik

... Sind bei der Beurteilung der neuen Deutsch -Standardmatura keineswegs nebensächlich! Ihr Stellenwert wird sogar höher als bisher sein. Falls diese Gebiete negativ beurteilt werden, ist auch die Maturaarbeit negativ.
Diese Überlegungen hört man zumindest aus den Arbeitsgruppen.


Antworten Gast: Auch Gast
23.10.2012 21:51
0 0

Re: Rechtschreiben und Grammatik

Unsinn!

1 0

.

Kafka und Schiele sind uninteressant. R. A. Heinlein, D. Simmons, Goethe, M. Heitz und B. Hennen sind viel besser und interessanter. Aber über diese hört man kaum etwas...

Antworten Gast: Hellmesberger (kein Lehrer)
23.10.2012 16:56
0 0

Re: .

Lassen Sie Goethe in Frieden, Sie Kulturmensch

Das Dilemma sind die Lehrpläne!

So lange die Lehrpläne keinerlei Inhalte vorgeben, auf deren "Faktenwissen" (pfui welch ein garstiges Wort für innovative Schulexperten) irgendwelche Kompetenzen basieren könnten, wird es auch unmöglich sein, Kompetenzen per se aufzubauen.

Wenn ich z.B. im Fremdsprachenunterricht nicht weiß, welche Themengebiete zu bearbeiten sind, dann kann es passieren, dass zur Zentralmatura Gebiete kommen (z.B. Literaturtexte), die der Kandidat nie gesehen hat.
Wem soll man dann die gescheiterte Matura "umhängen"?
Dem Kandidaten, der keine Ahnung von Thema/Autor hat?
Dem Lehrer, der mangels konkreter Lehrplanvorgaben überhaupt nicht wusste, was er den Schülern genau vermitteln sollte?
Oder doch denen, die "kompetenzorientierte Prüfungen" zusammenstellen, ohne den Betroffenen mitzuteilen, aus welcher Richtung die Kompetenz kommen soll?

DAS ist das Hauptproblem an dem ganzen Geschwafel über Kompetenz:
WIE soll ich "kompetent" sein können, wenn ich nicht weiß, WO ich "kompetent" sein muss?

Und wenn jemand meint, "Wissen" könne man sich ja jederzeit heruntergoogeln, dann fehlt genau diesem "Jemand" jegliche Kompetenz.

Man stelle sich vor, ein Notarzt startet bei einem Unfall zuerst einmal seinen Computer und dann Google, bevor er mit der Erstversorgung des Verunglückten beginnt?
Wozu sollte er denn auch das Wissen für eine Behandlung haben, dafür gibt's ja Google.
Aber immerhin hat er die Kompetenz, den Computer einzuschalten!

Antworten Gast: bärig
23.10.2012 14:54
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Re: Das Dilemma sind die Lehrpläne!

"Kompetenzorientierte Prüfungen" vorbereiten: z.B. literarische Texte, dazu muss kein Fachwissen über einen speziellen Autor vorhanden sein, sondern der Schüler muss wissen, wie er mit dem vorgelegten Text umzugehen hat, ihn zu interpretieren hat (dem Inhalt entsprechend). Diese Kompetenz kann an unzähligen Beispielen geübt werden!

Antworten Antworten Gast: kein literaturwissenschafter
23.10.2012 17:35
2 0

Re: Re: Das Dilemma sind die Lehrpläne!

Frage:
Ist die Interpretation eines literarischen Textes wirklich so einfach. Man benötigt nur den Inhalt, kein Wissen um den Autor, seine Herkunft, sein Umfeld? Ein südamerikanischer Autor aus der Jetztzeit ist nach den gleichen Kriterien zu interpretieren wie Heinrich Heine, Shakespeare oder - aktuell - Mo Yan?

Antworten Antworten Antworten Gast: bärig
24.10.2012 14:48
0 0

Re: Re: Re: Das Dilemma sind die Lehrpläne!

Ein literarischer Text sollte ewig Gültiges zum Inhalt haben- sonst handelt es sich nicht um Literatur!
Shakespeares "Romeo und Julia" behandelt Themen, die heute noch genauso relevant sind wie zur Zeit des Dichters.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: kein literaturwissenschafter
25.10.2012 18:14
1 0

Re: Re: Re: Re: Das Dilemma sind die Lehrpläne!

Für mich ist Ihr Kommentar eine deutliche "Nichtantwort" auf meine Frage.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 2Cent
25.10.2012 06:53
1 0

Re: Re: Re: Re: Das Dilemma sind die Lehrpläne!

Für die Frage "warum schreibt der so g'schraubt?" hilft es aber schon, wenn man Shakespeare zeitlich einordnen kann, oder?

Ich bin ja nicht vom Fach, aber so weit ich weiß, beschränkt sich eine Textanalyse keineswegs auf den Inhalt allein, sondern umfasst auch die Sprache und Stilmittel, die verwendet werden.

Um auf Shakespeare zurückzukommen: haben die Leute alle so geredet, oder wollte er uns mit seiner Sprache eine Metabotschaft zuteil werden lassen? Vielleicht war er aber auch nur ein Angeber, der sich diebisch gefreut hat, dass er so reden kann, dass ihn sein Durchschnittszeitgenosse nicht versteht. Fragen über Fragen, die man ohne Wissen über den Mann nicht beantworten kann.

Gast: tollerartikel
22.10.2012 23:11
4 0

wow - endlich weiss jemand wovon er schreibt!

.... habe das bisher hier an dieser stelle vermisst und freue mich daher über diesen informativen, hoch qualitativen artikel. so sollte es eigentlich immer sein in einer Qualitätszeitung. ich war in letzter zeit etwas enttäuscht von der presse, dieser artikel ist ein guter weg, der hoffentlich weiter gegangen wird!

trifft den nagel auf den kopf!


bravo

wenn jemand das wort kompetenz in den mund nimmt, dann kann man mit sicherheit davon ausgehen, dass man einen oder eine inkompetente vor sich hat.

Antworten Gast: Eyjafjallajoekul
22.10.2012 14:47
1 1

Re: bravo

haha, sie haben kompetenz gesagt! jetzt sind sie inkompetent!

Kompetenz richtig verstanden ...

... enthält aber sowieso auch die inhaltliche Dimension, wer nichts weiß, ist ja wohl auch nicht kompetent (da fallen mir jetzt Beispiele in der Bildungslandschaft - ach lassen wir das). Mal ein Beispiel:
http://www.fachdidaktikzentrum.at/index.php?option=com_content&view=article&id=59&Itemid=147

Re: bravo

wer viel weiß, ist für mich kompetent.

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Re: Re: bravo

Für jeden halbwegs vernünftigen Pädagogen, der noch alle seine Sinne beisammen hat, ist ja auch völlig klar:

1.) Am Anfang steht das Faktenwissen. Ohne ein solches ist ein Mitdenken und Mitdiskutieren unmöglich. Der ständige Hinweis, man könne ja eh alles nachschlagen, geht völlig an der Realität vorbei. Ich würde jedenfalls mit jemand, der bei einem Arbeitsessen googeln muss, um mitreden zu können, kein Geschäft abschließen.

2.) Aus dem Faktenwissen entwickelt sich das Verständnis für Zusammenhänge. Man tut ja gerade so, als hätten die Lehrer bisher nur Faktenwissen und keine Zusammenhänge abgefragt.

3.) Nur wenn 1. und 2. entsprechend ausgeprägt sind, kann man von "Kompetenz" sprechen. Der Versuch, das Pferd beim Schwanz aufzuzäumen, wird kläglich scheitern. Man erhält Absolventen, die letztendlich gar nichts können.

14 0

Endlich!

Endlich jemand, der weiß, wovon er schreibt.

Endlich jemand, der "Schule" von innen kennt, und nicht ein Politiker-Betriebswirt, der plötzlich zum selbsternnanten Schulexperten wird.

2 0

Kompetenzen

sind Fertigkeiten, mit denen man etwas machen kann. Was daraus wird, ist das Ergebnis von Bildung und die scheint ein wenig auf der Strecke zu bleiben.

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es ist egal, wie man es sehen will...

Faktenwissen und Kompetenz sind für mich wie zwei Stützen einer talüberspannenden Seilbahn. Nur wenn es zu einer sinnvollen Lastverteilung kommt, ist Stabilität und Funktionalität gegeben. Versucht man zu sehr, eine einseitige Betonung zu erwirken, wird das System einseitig überbeansprucht und dadurch früher oder später kollabieren.
Will ich einmal einen fakten- oder kompetenzlastigen Arzt im OP!
Es kann vielfach ausgelegt werden. Es ist ein Streit um des nackten Kaisers Kleider!

 
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