Zukunftsmodell Online-Schule?

In den USA wählen wegen des maroden öffentlichen Schulsystems immer mehr Familien Online-Unterricht. Es gibt aber noch kaum Studien zum Nutzen.

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Während im deutschsprachigen Raum Online-Schulen noch keine nennenswerte Rolle spielen, entscheiden sich in den USA immer mehr Eltern für diese Form. Sie lassen ihren Nachwuchs lieber virtuell unterrichten, als auf das marode öffentliche Schulsystem zu vertrauen. Im Schuljahr 2010/11 besuchten rund 250.000 Jungen und Mädchen reine Online-Schulen, wie der Spiegel Online berichtet.

Das ist zwar nur ein halbes Prozent der US-amerikanischen Schüler, aber die Zahl stieg im Vergleich zu 2009 immerhin um ein Viertel an. Bildungsforscher in den USA rechnen damit, dass sich die Zahl so lange steigern wird, bis Schüler der Highschool etwa die Hälfte ihrer Kurse online belegen würden. Das könne bereits 2019 der Fall sein.

Während die Hochschulen im deutschsprachigen Raum sich längst im Wettbewerb um die besten E-Learning-Projekte befinden, sind die Schulen bisher sehr zurückhaltend. Die Skepsis ist angebracht: Denn abgesehen von der Frage, was eine Online-Schule für die soziale Entwicklung der Kinder bedeutet und wie sie mit der Berufstätigkeit der Eltern vereinbar ist, stellen deutsche Bildungsforscher den Nutzen von Online-Lernen prinzipiell in Frage: Es gibt keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien.

"Wir wissen noch viel zu wenig über den Nutzen einzelner Online-Angebote", sagt Stefan Aufenanger, Medienpädagoge an der Universität Mainz, gegenüber Spiegel Online. So würden einige Schulen die "neuen" Medien integrieren; manche Lehrer Hausübungen per Mail verschicken und immer mehr iPad-Klassen gegründet. Aber von einem tatsächlichen Online-Unterricht sind auch diese Beispiele weit entfernt.

Während viele Jugendliche dem Einsatz von Computern im Unterricht positiv gegenüber stehen, sind Lehrer eher skeptisch. In der derzeitigen Lehrerausbildung spielen digitale Lehrmittel auch noch keine große Rolle. Die IT-Konzerne hoffen dennoch auf das große Geschäft. So veranstaltet Ingram Micro kommenden Freitag eine Messe für digital-didaktische Lehrmittel, und auch Microsoft versucht mit Produkten wie dem Surface- Tisch (ein Tisch mit berührungsempfindlicher Oberfläche) in den Schulen zu landen.

(Red.)

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