Regierung: Lehrer länger in Schulen

07.11.2012 | 18:18 |  von Karl Ettinger (Die Presse)

SPÖ und ÖVP planen eine Festlegung von Kernpunkten für neues Dienstrecht. Die Gemeinden unterstützen den SPÖ-Plan zum Ausbau der Ganztagsschulen. Die SPÖ möchte die jährlichen Mittel aufstocken.

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Wien. Die Regierung will den Druck auf die Lehrergewerkschafter erhöhen, um zu einem Abschluss bezüglich eines neuen Dienst- und Besoldungsrechts für Pädagogen zu kommen. Für die Regierungsklausur morgen wurde daher eine Punktation vorbereitet, wie der „Presse“ bestätigt wurde, in der Eckpunkte und ein Zeitplan enthalten sind. Nach diesem Plan müssten Lehrer künftig länger – nämlich 24 Stunden in der Woche – in der Schule anwesend sein. Eine endgültige Klärung sollte die Koordinierungssitzung der Koalition bringen, die am Mittwochnachmittag begann.

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Das Papier zum Lehrerdienstrecht war als Teil eines größeren Reformpakets im Bildungssektor (siehe eigenen Bericht zu den Universitäten) gedacht. Auf Politiker- und Beamtenebene laufen seit Längerem Verhandlungen. Für November ist jedenfalls noch eine Sitzung anberaumt. Danach sollen entsprechend dem Zeitplan die drei Ministerinnen Claudia Schmied (Unterricht, SPÖ), Gabriele Heinisch-Hosek (öffentlicher Dienst, SPÖ) sowie Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) die Vorschläge bewerten und grünes Licht für abschließende Verhandlungen erteilen. Bis zum Ende dieser Legislaturperiode ist dann ein Abschluss der Beratungen mit den von Paul Kimberger angeführten Lehrervertretern vorgesehen. Möglicherweise wird der Start dann aber nicht mehr mit dem Schuljahr 2013/14, sondern ab 2014/15 erfolgen.

Verpflichtung zu 24 Stunden

Für die längere Anwesenheit – in Schularbeitsfächern wie Mathematik waren es bisher 18 Stunden – würde es eine finanzielle Abgeltung geben. Die genaue Höhe der Einstiegsgehälter der neuen Lehrer, die jedenfalls angehoben werden, dafür aber danach weniger stark als bisher steigen, wird nicht Teil der für die Regierungsklausur vorbereiteten Punktation sein.

Festgeschrieben soll aber werden, dass die Lehrer zu Weiterbildungsmaßnahmen in unterrichtsfreien Zeiten (nicht explizit während der Ferien, sondern beispielsweise auch am Nachmittag oder an schulautonomen Tagen) verpflichtet werden .Überschattet sind die Vorarbeiten für die Klausur durch einen Konflikt in der Koalition um die Ausweitung der Ganztagsschulen. Die SPÖ möchte die jährlichen Mittel dafür von 80 auf 160 Millionen Euro bis 2018 verdoppeln. Die ÖVP ist ob des öffentlichen SPÖ-Vorpreschens verstimmt und argumentiert, damit werde der Sparkurs verlassen. Eventuell bleibt der Punkt bei der Klausur ausgeklammert und wird zu einem späteren Zeitpunkt geklärt.

„Geld in die Hand nehmen“

Rückenwind für die SPÖ kommt von den Gemeinden. Diese wollen wegen der Ausbaupläne möglichst rasch Planungssicherheit haben. Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer (ÖVP) stellte im ORF-Radio fest: „Wenn man das Angebot ausdehnen will, dann muss man Geld in die Hand nehmen. Und wenn man es nicht will, dann muss man das auch klar und deutlich sagen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2012)

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125 Kommentare
 
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Lehrverpflichtung und Anesenheit ist ein Unterschied!

Ich will jetzt keine Diskussion über die Höhe der Lehrverpflichtung bzw. Anwesenheit führen, aber im Artikel hat es wohl eine kleine (ich hoffe nicht absichtliche) Vermischung gegeben. Die für Mathematiker genannten 18 Stunden sind die Lehrverpflichtung und nicht die Anwesenheit. Da kommen natürlich noch unterrichtsfreie Stunden, Abstimmungen mit Kollegen und Schülern, Sprechstunden, KOnferenzen etc. dazu.
Vielleicht sollte man die Lehrverpflichtung mit dem Kundenkontakt in der Privatwirtschaft vergleichen. Ich kenne da auch keinen höheren Angestellten, der Rund um die Uhr im Kundenkontakt ist - und ich kenne auch keinen Lehrer, der bei einer Lehrverpflichtung von 18 Stunden nur 18 Stunden an der Schule ist.

Mit geht es nur um die Richtigstellung des Artikels und nicht darum ob die Stundenanzahl zu hoch oder zu nieder ist.

24 Stunden in der Schule

Ich finde diese Diskussionen bald nicht mehr spannend, weil sie so unprofessionell angegangen werden! Was soll die ewige Ausrichterei von Ankündigungen über die Presse? Könnte es nicht einmal wirkliche Gespräche mit BMUKK, LSR und BSR und Kolleginnen/Kollegen geben, die wirkliche Entwicklungen ermöglichen? Muss denn jeder kleine Schritt vorgegeben werden?

Also es zeigt sich, dass es sich mehr als positiv für die Gestaltung des eigenen Unterrichts und die Entwicklung des Schulstandorts inkl. Kooperationen mit Kolleginnen/Kollegen auswirkt, wenn Lehrer/innen mehr Zeit an den Schulen verbringen (müssen). Da gibt es viele Beispiele und Studien! Und wer sich im Pflichtschulbereich (da habe ich Einblick) in den Schulen umschaut, dann sieht man sehr viele Lehrer/innen sehr viel Zeit in der Schule mit Vor- und Nachbereitungen, Herstellen von differenziertem Unterrichtsmaterial, Kooperationen und Koordinationen und Entwickeln von neuen Projekten verbringen. Ich kann mir also nicht vorstellen, wann sie sich vorbereitet, neue Materialien entwickelt und herstellt, sich fortbildet, .... Oder muss ich das als Beispiel dafür nehmen, dass das katastrophale Lehrerbild Wiederspiegelung der Eltern-=öffentlichen Erfahrungen mit Kolleginnen/Kollegen aus der AHS ist?
Meine Wochenarbeitszeit als Lehrer im 30. Dienstjahr ist selten unter 60, meist um die 70, ein nicht so kleiner Teil davon daheim; ich fühle mich durch solche "Bekenntnisse" mehr als gefoppt!

Ihr zweiter Absatz ist völlig unverständlich.

Es bleibt zu hoffen, dass Sie in Wahrheit kein Lehrer sind ...

Re: Ihr zweiter Absatz ist völlig unverständlich.

in dem obigen text, den sie nicht verstehen, sind 2 syntax- bzw. grammatikfehler, die wahrscheinlich aufgrund schnellen tippens zustande gekommen sind und die das verständnis des textes erschweren, jedoch nicht unmöglich machen.

schlimmer finde ich persönlich dabei ihren fehler in bereich wortwahl/ausdruck. "Wahrheit" - sie meinen wirklichkeit oder im realen leben, denn in lüge könnte er doch kein lehrer sein, oder?

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Arbeitszeit

Jetzt möchte ich auch einmal meinen Senf dazugeben. Ich bin Lehrerin an einer AHS und finde diese Diskussion lächerlich. Was sind 24h? Nichts.

Ich habe jahrelang als Teamassistentin gearbeitet, Freizeit gab nicht. Überstunden waren die Regel. Am 8h ins Büro und oft erst um 20 h daheim, für ein nettes Gehlt von 1500€. Am Wochende stängig mails und Anrufe. Fortbildung natürlich, aber auf eigene Kosten und an den Wochenenden.
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, habe ich umgesattelt und studiert.

Mittlerweile habe ich drei Kinder und kann nur sagen, der Lehrberuf ist das Tollste was mir passieren konnte. Ehrlich soviel Familienzeit, für so ein gutes Gehalt. Perfekt!

Ich muss immer schmunzeln, wenn bei uns im Konferenzzimmer gejammert wird. Leider waren die meisten meiner Kollegen nie in der Privatwirtschaft und haben damit keine Ahnung wie die Menschen hier ausgebeutet werden.

Ich liebe meinen Beruf und ich unterrichte gerne Kinder und Jugendliche. Meine Korrekturen mache ich in den Freistunden, dafür tratsche ich halt weniger mit meinen Kollegen.
Ich bin wirklich ehrlich, nach Unterrichtsschluss habe ich meistens Freizeit , und in den Ferien sowieso.

Ich bin mir meiner Privilegien bewusst und geniesse sie. Ich werde sicher nie über diesen Job jammern, denn ich weiß wie es in der Privatwirtschaft zugeht. Alleine zu wissen, einen sichern Job zu haben (ja ich bin pragmatisiert) ist einfach toll.

Ich mag keine Menschen die immer jammern.

Unrealer Kommentar

missi1 ist ein neuangelegter Username und höchstwahrscheinlich eine fiktive Person. Die Geschichte passt einfach hinten und vorn nicht zusammen: die letzten Pragmatisierungen fanden vor ca. 8 Jahren statt, und für eine Pragmatisierung brauchte man damals mind. 5 Anstellungsjahre (samt Einführungsjahr UP). Ein Studium dauert meist 6 Jahre, mit kleinem Kind wohl länger. Dann noch Karenzzeiten für weitere 2 Kinder. Die 1500€ wurden also vor deutlich über 20 Jahren verdient!?!?

Danke für Ihren Kommentar!

Die Lehrer/innen in meinem Bekanntenkreis, die zuvor in der Privatwirtschaft tätig waren, berichten dasselbe wie Sie.

Re: Danke für Ihren Kommentar!

Ach darum hat meine Freundin, die 7 Jahre Lehrerin war und dann 15 Jahre in der Privatwirtschaft und dann wieder Lehrerin werden wollte, keinen Posten erhalten.
Ihr wurde vom Dezirksschulinspektorgesagt: Wer als Lehrerin mal raus in die Privatwirtschaft gegangen ist, braucht nicht mehr zurückkommen.

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Re: Arbeitszeit

Als Beamtin haben sie sicher keinen Grund zum "JAMMERN".
Es wurde ihnen die Karenz für ihre Vorrückungen(Gehaltsstufen) angerechnet. Ebenso erhalten sie Zulagen, abhängig vom Geburtstermin, in den Ferien, wenn sie keine volle Lehrverplichtung hatten. Bei 3. Kindern habe sie schon eine ordentliche Gehaltsstufe erreicht, ohne jemals in der Klasse gestanden zu haben.
Im Idealfall sind sie noch Professorin für "TURNEN" und "Religion". Damit haben sie das Maximum für sich herausgeholt.

Ja Frau Kollegin die Beamten im Lehrbetrieb sind der Tod für das System. Ein Vertragslehrer hat diese Privilegien nicht und wird ebenso an den Pranger gestellt.

Merke: Alle Beamten müssen aus dem Lehrbetrieb entfernt werden.


Re: Arbeitszeit

Keine Unterrichtsvorbereitungen? Sie sind offenbar ein Beispiel für die Kollegen, die unseren Beruf zum Schaden der Schüler als Halbtagsjob missbrauchen.

Re: Arbeitszeit

missi, sie schaffen es noch ins vorzimmer der ministerin, wenn sie so weiterkriechen.

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ferien

und endlich mal die ferienzeit kürzen...das wäre ein richtiges signal!!!!!

Laut PISA und OECD korelliert die Schülerleistung mit zwei Faktoren: die (nicht vorhandene) Unterrichtssprache der Schüler und die (kaum vorhandene) tatsächliche Arbeitszeit der Lehrer

Man kann anhand der Daten schön ablesen dass die ständig sinkende Anzahl der tatsächlichen Unterrichtsstunden pro Lehrer zu immer schlechteren Schülern führt.

Nur noch 607 ganze Stunden steht ein Lehrer in Österreich im Klassenzimmer - pro Jahr! Das ist lächerlich wenig. Und deshalb muss man sich nicht wundern warum es mit der Bildung ständig bergab geht.

Früher war die Schule für die Schüler da. Heute dient sie hauptsächlich dem Faulheitsbedürfnis der meisten Lehrer. Und Innen.

Re: Laut PISA und OECD korelliert die Schülerleistung mit zwei Faktoren: die (nicht vorhandene) Unterrichtssprache der Schüler und die (kaum vorhandene) tatsächliche Arbeitszeit der Lehrer

"die (kaum vorhandene) tatsächliche Arbeitszeit der Lehrer"

Jaja - wieder Statistik: schauen Sie einmal nach Finnland (PISA-Sieger), wo die Arbeitszeit der Lehrer geringer ist als bei uns.

Das lässt laut ihrer Statistik nur eines zu: runter mit der Lehrbverpflichtung!

Daher sollte man mit statistischen Dingen immer sehr vorsichtig sein. Vor allem beim Versuch mit Korrelation Kausalitäten herzustellen, wo es keine gibt.

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würde mich nur interessieren,

wo Sie die "Tatsache" mit der "ständig sinkenden Anzahl der Unterrichtsstunden pro Lehrer" hernehmen - sollten Sie die Geherrsche Stundenkürzung damit meinen, so muss ich Sie leider enttäuschen: damals wurden zwar die Stunden drastisch gekürzt - allerdings nicht für Lehrer, sondern lediglich für die Schüler, und das mit drastischen Folgen - Sie werde sicher keinen Lehrer in Österreich finden, der das befürwortete.

ah ja, die mittel

sollen wieder mal verdoppelt werden, der österreichische budgetklassiker also...

es ist schon interessant

vor 30, 40 jahren hat man die lehrer händeringend angeheuert, jetzt schickt man sie mit einem tritt in den hintern in pension.

woher nimmt die spö das geld?

führt sie neue steuern ein oder nimmt sie das geld einem anderen empfänger weg?

fordern kann jeder arsch .... finanzieren keiner!

das mit den Fortbildungen...

...ist so eine Sache. Jeder Lehrer (Pflichtschule) HAT bereits pro Schuljahr 15 Stunden Fortbildung zu absolvieren, ein Großteil der Kollegen macht wesentlich mehr (wohlgemerkt in der Freizeit, auf eigene Kosten).

Wie sieht das denn bei anderen Berufsgruppen aus? Macht die unfreundliche Kassierin beim Billa einen Kurs für freundlichen Umgang mit Kunden? Nein? Warum eigentlich nicht?

Die wenigen Berufsgruppen, die sich abgesehen von den Lehrern fortbilden, machen dies bestimmt nicht in ihrem Urlaub, oder auf eigene Kosten!

Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden!

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Re: das mit den Fortbildungen...

Ich mache sehr wohl fortbildung in freizeit und zahle dafür selbst...bin nicht beim billa,aber die lehrer sollen nicht glauben, nur sie sind die besten

Re: das mit den Fortbildungen...

Die Kassenkraft ARBEITET.Da sie meinen dass Sie etwas besonderes sind, lässt sie die Billa Tante natürlich spüren.

Re: das mit den Fortbildungen...

Ihr armen Leherer.
Kleiner Tipp Aktuare müssen sich auch 15 Stunden im Jahr fortbilden und verlieren Ihre Lizenz wenn sie es nicht machen und die Kurse sind am Wochenende (http://www.sias.at/Juni%202012.pdf) (Aktuare haben leider keine 9 Wochen im Sommer wo man sich Fortbilden kann).
Wenn ein Lehrer seine Fortbuildung nicht macht dann gibst eine max ein kurzes Kommetar vom Direktor.
Und der Vergleich mit den Verkäufern ist lächerlich ich habe gedacht Lehrer sind hochqualifizierte Fachkräfte, und um das zu bleiben braucht man Fortbildung, das wird überall für höhere Jobs verlangt (und im "echten" Leben kann man das nicht in den 3 Monaten Ferien machen ), oder sind Lehrer von den Anforderungen mit einem Kassierinnen zu vergleichen

Re: Re: das mit den Fortbildungen...

sommerferien sind aber defacto nicht bezahlt...man bekommt geld für 10 monate arbeit + quartalsmäßige zusatzzahlungen. die 10 monatsgehälter werden addiert und dann durch 12 geteilt, damit man nicht zum ams muss.
zu den sommerfortbildungen: glauben sie mir, viele lehrer würden das in anspruch nehmen. leider gibt es nicht das dementsprechende quantitative angebot!

Lügt Euch doch nicht in die eigene Tasche...

Ich werde überhaupt nur bis Juni bezahlt, der Einfachheit halber wird mein Gehalt aber addiert und durch 12 dividiert. So ist meine Arbeitsleistung plötzlich doppel so viel wert und nebenbei bin ich auch noch ein guter Mensch, weil ich ein halbes Jahr gratis arbeite. Bin ich nicht super?

Es hat einen Grund, daß man üblicherweise in Jahresgehältern rechnet. Dann gibt es einen Wert, den man vergleichen kann.
Ebenso wie die 5 Wochen Urlaub der Normalsterblichen zu den 15 Wochen der Lehrer.

Re: Lügt Euch doch nicht in die eigene Tasche...

im zweiten absatz zeigen sie deutlich, dass die erklärung nicht verstanden haben.

der lehrberuf

wird zunehmend attraktiver. die allerbesten werden bleiben.

 
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