Am Spielplatz der Ideologen

07.11.2012 | 18:18 |  OLIVER PINK (Die Presse)

Die Aufrechterhaltung der Kampfzone. Oder: Wie hältst du's mit deinen Kindern?

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Wie eine scharfe ideologische Auseinandersetzung aussieht, ließ sich im US-Wahlkampf gut beobachten. IÖsterreich, dem Land der Sozialpartnerschaft, sind die Konturen längst verschwommen. Doch es gibt ein Gebiet, das nach wie vor eine Kampfzone der Ideologien ist. Wird nämlich die Frage behandelt „Was tun mit den Kindern?“, geraten sich die großen Weltanschauungsvereine von einst, die SPÖ und die ÖVP, verlässlich in die Haare.

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Die SPÖ forciert die Betreuung außer Haus: durch einen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und der Ganztagsschulen. Die ÖVP hingegen hängt noch am traditionellen Modell und setzt lieber auf Steuerbegünstigung bei der Kinderbetreuung und bremst bei den Ganztagsschulen.

Die Lebensrealität gibt zunehmend der SPÖ recht: Es ist möglicherweise sinnvoller, neue Krippen und Kindergärten zu errichten, da diese auch immer mehr nachgefragt werden. Zumal die Kinderbetreuungskosten ohnedies nur zu einem Teil steuerlich geltend gemacht werden. Auch die Ganztagsschule gewinnt an Akzeptanz, da immer mehr Mütter berufstätig sind.

Dieser Trend ist also ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Allerdings: Jene, die sich diesem aus guten Gründen verweigern – weil sie sich selbst (mehr) um ihr Kind kümmern möchten –, sollten dazu nicht gezwungen werden. Auch nicht mit sanftem Druck.

Das Angebot sollte da sein, die Wahlfreiheit aber erhalten bleiben. Denn letztlich müssen die Eltern wissen, was gut und richtig für ihr Kind ist.

 

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2012)

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9 Kommentare

prinzip der freiwilligkeit!

der staat mischt sich zu stark in unser leben ein und will uns mündigen bürgerInen vorschreiben, was gut zu sein hat!

wie widerlich finde ich denn das?

Wir alle können ja soooo froh und dankbar sein:


Unsere Gesetzgeber sind alle reinen Herzens, nirgendwo auch nur ein Hauch von Korruption, bei niemandem auch nur der geringste Verdacht auf Betrug, auf Urkundenfälschung, auf Untreue, Freunderlwirtschaft, strafrechtlich relevante Bereicherungen. Kein Wässerchen können sie trüben, diese glorreichen Damen und Herren.

So wie diese Heiligen sollen - nein müssen geradezu - unsere Kinder werden. Dann können wir stolz sein auf sie!

Danke, Ihr engelsgleiche Wesen, dass Ihr die gesetzliche Grundlage dafür bereitet, dass nicht mehr wir dummen, kranken Würschteln unseren Nachwuchs beeinflussen können, sondern dass diese wichtige Aufgabe in die sauberen Hände der strahlend roten ErzieherInnen gelegt wird.

Wie die historische Erfahrung lehrt, sind unsere größten Schätze bei ihnen in Sicherheit, und niemand wird sie jemals missbrauchen auf ihrem Pfad hinan zu den lichten Höhen politischer Reife...

Lebensrealität - auch wenn`s nicht paßt

Wer ideologische Positionen kurz verlässt, um die Entwicklung zur heutigen Lebensrealität zu erfassen, der muss wohl im Interesse der gesellschaftlichen Zukunft zumindest für das umfassende Angebot für Ganztagesbetreuung sein. Und wenn es "nur" um den Erwerb der Sprachkompetenz ginge. Was Buschkowsky in seinem "Neukölln ist überall" darlegte, ist wohl die von allen politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa gelebte Wirklichkeits-verweigerung. Staatssekr. Kurz ist derzeit der einzige Politiker, der diese wichtigen Themen auch bei uns vorgibt.

Denn letztlich müssen die Eltern wissen, was gut und richtig für ihr Kind ist...

...wissen das alle eltern? und was ist gut und richtig?

soll sich die gesellschaft aus diesen fragen zurückziehen und dann auch damit leben, dass es vorkommen kann, dass es kinder gibt, deren eltern nicht wissen, was gut für sie ist? Soll die gesellschaft akzeptieren, dass für einige eltern das, was die allgemeinheit für gut und richtig hält, nicht gut und richtig ist (ich meine da eltern aus anderen kulturkreisen) und dann mit den entsprechenden konsequenzen leben?

oder soll sich die gesellschaft (und damit der staat), in die erziehung einmischen, da sie schließlich mit den ergebnissen dieser erziehung umgehen und leben muss?

eigentlich geht es doch um diese fragen. wenn man das entschieden hat, ist zu hause oder nicht und von wem nur eine sekundäre frage.

Ganz einfach

Macht ein Angebot, das jedem ermöglicht, nach seiner Wahl seine Kinderl zu erziehen. Wer traditionell schätzt, soll es können, wer Ganztagskindergarten ab Geburt oder Ganztagesschulen etc will oder braucht soll auch die Möglichkeit dazu haben. Da brauche ich keine Ideologiedebatten, Glaubenskämpfe und Kulturkämpfe zu inszenieren.

Nein

"Denn letztlich müssen die Eltern wissen, was gut und richtig für ihr Kind ist."

Sorry, aber dem kann ich nicht zustimmen. In einer zusehends degenerierenden Gesellschaft wissen viele Eltern NICHT mehr, was gut und richtig für ihr Kind ist. Der Weg, die Kinder am besten gleich nach der Geburt in der Krippe abzugeben, ist völlig verfehlt. Unpersönlichkeit und mangelnder sozialer Kontakt prägt heute die Großstädte - auf kleine, eingeschworene Dorfgemeinschaften wird witzigerweise verächtlich herabgeblickt.

Die Antwort der Politik? Noch mehr Krippen, damit wir noch mehr Arbeiten können und die Kinder noch weniger sehen "müssen". Das lustige dabei? Sozialschmarotzende Asoziale können ihre Kinder den ganzen Tag rund um die Uhr sehen, weil alle anderen für sie zahlen (das ist jetzt bitte keine Übertreibung: mit genügend Kindern kann man mit der Mindestsicherung + Beihilfen ein ganz nettes Einkommen erzielen).

Wenn DAS die große Errungenschaft der Zivilisation sein soll, dann pfeif' ich drauf und werd' Einsiedler am Berg.

Re: Nein

auf die frage nach der richtigen betreuung, gibt es wohl keine antwort, weil wir in der gesellschaft immer mehr extreme haben: (unten stehende beispile bitte völlig überspitzt, natürlich gibt es viele schattierungen dazwischen...)

einerseits, die eltern, die von der zeugung bis zur abnabelung (mit 35 oder so) alles richtig machen (wollen) und für das gedeihen ihrer kinder alles tun. diese kinder sind sowohl in der familie als auch in der krippe gut aufgehoben, weil die eltern dafür sorgen, dass sie alles bekommen und der jeweilige ausgleich geschaffen wird.

auf der anderen seite haben wir die eltern, die ihre kinder als einkommensquelle sehen und außer dem in die welt setzen für ihre kinder nix tun. diese kinder sollte man möglichst früh aus der familien herausholen, da sie oft bereits mit 1 jahr solche defizite haben, die sie ihr leben lang nicht mehr aufholen.

auf der weiteren anderen seite haben wir immer mehr kinder aus kulturkreisen, die dem unseren so gar nicht entsprechen. wenn wir diese nicht auf den familien herausholen, müssen wir als gesellschaft früher oder später damit leben, dass es parallelgesellschaften gibt...

gar nicht so einfach...

Wer für Abtreibung ist, sollte normalerweise bei

Kindererziehung seine Klappe halten.

Re: Wer für Abtreibung ist, sollte normalerweise bei

Man kann nicht für Abtreibung sein sondern nur fü/gegen ein Abtreibungsverbot, nur weil ich gegen ein solches Verbot bin bedeutet es noch lange nicht dass ich dafür wäre ein Kind von mir abzutreiben ich gestehe nur anderen Menschen zu selbst eine Entscheidung zu treffen.

Was das ganze mit Kindererziehung zu tun hat erschließt sich wahrscheinlich nur ihrem ideologisch Betonschädl.

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