Lehrer kritisieren neues Notensystem für NMS

08.11.2012 | 16:10 |   (DiePresse.com)

Die Gewerkschaft sieht Präzisierungsbedarf bei der Verordnung zur Leistungsbeurteilung an den Neuen Mittelschulen. Diese sei teilweise verwirrend.

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Seit Beginn des Schuljahrs gibt es an den Neuen Mittelschulen (NMS) für Schüler der dritten und vierten Klasse ein neues Notensystem in Deutsch, Mathematik und Englisch: Wer in diesen Fächern die Basisbildung erreicht, wird nach der Notenskala für "grundlegende Allgemeinbildung" beurteilt - wer komplexere Sachverhalte beherrscht, nach der Skala für "vertiefte Allgemeinbildung". In der Praxis stellt das neue Benotungssystem Lehrer vor Probleme, berichtet Lehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG).

Ob ein Schüler das "grundlegende" oder "vertiefte" Niveau erreicht, wird im Zeugnis ausgewiesen und entscheidet, ob er zum Übertritt in eine AHS oder berufsbildende höhere Schule (BHS) berechtigt ist. Durch die Unterscheidung entsteht eine neue Bewertungsskala mit sieben Noten: Bei der vertieften Bildung reicht sie de facto nur von "Sehr Gut" bis "Genügend", denn ein "Nicht Genügend" in diesem Beurteilungsschema entspricht einem "Befriedigend" nach "grundlegender Allgemeinbildung". Die Skala bei der "grundlegenden Allgemeinbildung" reicht indes nur von "Befriedigend" bis "Nicht Genügend".

Bei der Anwendung dieses neuen Schemas tut sich so mancher Lehrer schwer, schildert Kimberger. "In manchen Bundesländern gibt es eine Auslegung und Durchführung, die nicht im Sinne des Erfinders und der NMS ist." Es sei klar, dass eine Verordnung wie jene für die Leistungsbeurteilung immer einen gewissen Spielraum zulassen müsse - teilweise hätten jene, die die Verordnung als verwirrend und nicht nachvollziehbar bezeichnen, aber recht. "Man kommt bei jeder neuen Sache im System drauf, dass man gewisse Dinge besser anders machen sollte", so Kimberger. Er fordert nun vom Unterrichtsministerium eine Präzisierung der Regelung: "Es muss klipp und klar sagen, wie die Verordnung zu vollziehen ist."

Schmied: "Glasklare gesetzliche Regelung"

Im Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kann man Kimbergers Aufforderung hingegen überhaupt nicht nachvollziehen: "Es gibt eine glasklare gesetzliche Regelung, die für alle gilt." All jene Lehrer, die dennoch Fragen zur Auslegung haben, seien aufgefordert, sich an die NMS-Landeskoordinatoren zu wenden.

Derzeit gibt es 698 NMS-Standorte in ganz Österreich. Für 2013/14 sind 923 NMS prognostiziert, für 2014/15 1.082 und für 2015/16 1.181. Vorarlberg ist das erste Land, in dem mit dem laufenden Schuljahr alle Hauptschulen auf NMS umgestellt wurden, das Burgenland folgt nächstes Jahr. Bis zum Schuljahr 2018/19 werden alle Hauptschulen auf NMS umgestellt.

 

(APA)

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18 Kommentare

Es wäre interessant, wie viele

Kinder der Leute, die sich das ausgedacht haben, wohl nach diesem Schema beurteilt werden ... eine Schwemme an Politikerkindern in der NMS ist ja nicht gerade zu beobachten, die gehen eher ins Lycee oder andere exklusive Privatschulen ...


1 0

so werden die Noten in Zukunft..

immer mehr einer Lottoziehung angenähert " alles ist möglich"

1 0

Der Abteilungsunterricht der 1950er Jahre war

modern im Vergleich zur ZwangsNeuenMittelschule.

5 0

Die NMS funktioniert genauso gut wie eine Schikurs,

bei dem alle in eine Gruppe gezwungen werden.
Das nennt sich halt Kompetenz. Die Notengebung ist irgendwann wurscht.

Zurück zur Natur!

"Bis zum Schuljahr 2018/19 werden alle Hauptschulen auf NMS umgestellt."

Glasklar: 2018 wird es keine NMS mehr geben.
Ab 2018: Alles "Ginasium" (ursprünglich eine Anstalt, wo lauter Nackerte herumturnten).

9 0

Jedes Mal wenn ich mir denke

vertrottelter und dümmer können die Bildungsreformvorschläge aber wirklich nicht mehr werden, überrascht mich die Schmied negativ. Entweder ist diese Frau die unfähigste und überfordertste Person der 2.ten Republik in diesem Ressort, oder aber sie will das Bildungssystem aus irgendeinem eigenartigen Grund komplett ruinieren, dann ist sie freilich auf dem besten Weg dorthin. Ihr kann es ja wurscht sein, denn Kinder hat sie keine.

PS: Gibt es eigentlich schon irgendwelche Fortschritte bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen ihrer Kommunalkredit-Pleiteverantwortung? Oder schläft die StA noch immer in der Pendeluhr und wir müssen uns weiterhin ein rotziges "Kein Kommentar" von dieser Unperson gefallen lassen.

8 0

4 positive, 3 negative Noten

Dass ich das noch auf meine alten Lehrertage erleben darf: künftig gibt es 7 Noten, davon 3 negative. Denn wer bitte, nimmt denn die "grundlegenden" Noten 3, 4 und 5 anders wahr als 5, 6 und 7 aus der "vertiefenden" Skala.

Aus 32-jähriger Erfahrung kann ich allerdings jetzt schon prophezeien, dass die "grundlegenden" Notenskala de facto nicht vergeben wird, weil der Druck auf die Lehrer, nur die positiven "vertiefenden" Noten zu verwenden, immens steigen wird.

lehrer und kinder haben mehr stress als früher.

dem konnte ich bedingt zustimmen. als ich jedoch alte hefte aus meiner volksschulzeit fand, änderte sich meine meinung. nicht nur dass es strenger zuging (anhand der mitteilungen zu erkennen), wir lernten auch in der 2.-3. klasse vs das, was mein sohn jetzt in der 2. klasse neue mittelschule lernt. das heisst ich hatte 4 klassen bildungsvorsprung! wie soll das mein sohn je einholen?! und damals war ein lehrer für 30 schüler zuständig, und aus uns ist auch etwas geworden. heute wird gejammert dass man unbedingt zwei lehrer für 15 schüler brauche.

Re: lehrer und kinder haben mehr stress als früher.

wenn man auf der disziplinschiene nichts ändert, wird man pro schüler einen lehrer brauchen.

3 0

Auch ein zehnstufiges System

ändert nichts an den beurteilten Leistungen. Das sollte man als Erfinder eines neuen Systems wissen.
Was man braucht sind ehrliche Noten von eins bis fünf. Aufsteigen mit Nichtgenügend, wenn man will und eine objektive Berufungsmöglichkeit.
Frau Schmied, aufwachen!

das hätt ich nicht gedacht,

dass diese frau es einmal schaffen wird, dass ich vor lauter fassungslosigkeit keinen klaren gedanken mehr finden kann. aber das hat sie, sogar glasklar!

17 0

Wie schon gesagt..

Dieses Chaos bei der Bewertung der Schülerleistungen ist nur ein Teil des "Wahnsinns NMS" . Undurchdacht, politisch motiviert, Schülerverachtend, Lehrerverachtend und chaotisch bis ins letze Eck wird diese NMS Generationen von Kindern schaffen, die nichts können, Lehrer "erzeugen", die ausgebrannt sind und nicht mehr können. Zu all dem Chaos im Unterricht wird auch ihr Privatleben so eingeschränkt , dass das zum Verzweifeln führt.

Re: Wie schon gesagt..

eben echt Schmid, nicht wahr?

Ich stelle mir immer wieder die Frage, wenn ich einen Schmiedschen Erguss lese

ob diese Ministerin GRUNDLEGEND oder VERTIEFT, fehl am Platze ist und das glasklar!

13 0

Die ich rief, die Geister...

Der Große Pfusch zeigt seine Folgen: kleine Pfusche. Und jeden Tag werden ein paar mehr erkannt werden - auch von den schwachsinnigen Erfindern und willfährigen Befürwortern des Großen Pfusches.
Die "glasklare" Regelung sieht man hier nur, wenn man zwei Glasaugen hat...

Re: Die ich rief, die Geister...

aber diese hat die gute ja, darum der starre blick. ist ihnen das noch nicht aufgefallen?

17 0

e`klar

es kam, wie es kommen musste: alles was diese ministerin anpackt, ist gleich wie ihre ehemalige arbeit in der bank: mist. -"wo war mei`leistung?" sollte sie fragen und verschwinden.

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