Schlechte Luft, Lärm, kaum Bewegung: Was Lernen stört

11.11.2012 | 18:20 |  THERESA AIGNER (Die Presse)

Die Bedingungen, unter denen Schüler lernen, sind teils weit entfernt vom Idealzustand. Vieles ließe sich jedoch leicht beheben.

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Wien. Wie gut jemand lernt, hängt nicht nur von pädagogischen Qualitäten des Lehrers ab – viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, konzentriert und aufnahmefähig zu sein. Vieles liegt dabei im Argen – ließe sich jedoch leicht beheben.

1 Niedrige Luftqualität in einem Großteil der Klassenzimmer

Zu heiß, zu trocken, zu stickig: So lautet das Ergebnis einer Studie zur Qualität der Raumluft in Österreichs Klassenzimmern. So liegt die Durchschnittstemperatur in fast jeder zweiten Klasse über dem empfohlenen Wert, die Luftfeuchtigkeit ist in 70 Prozent der Klassen zu niedrig, auch der CO2-Wert übersteigt in der Hälfte der Klassen den empfohlenen Wert (siehe Grafik). Eine deutliche Abnahme der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen und schnellere Ermüdung können die Folge von schlechter Raumluft sein, erklärt Umwelthygieniker Hans-Peter Hutter von der Med-Uni Wien.

Einfachste Lösung: regelmäßiges Stoß- und Querlüften, es muss also ein Durchzug erzeugt werden. Wenngleich dieser Lösungsansatz banal klingt – die Studie zeigt, dass nicht einmal das gelingt: In 94 Prozent der Klassen wird die Luft seltener als alle zwei Stunden komplett ausgetauscht – im Idealfall sollte das alle 50 Minuten passieren, sagt Thomas Schlatte von der Plattform „MeineRaumluft.at“.

2 Falsche Ernährung mindert die Konzentrationsfähigkeit

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. „Kinder, die nicht frühstücken, können sich schlechter konzentrieren“, sagt Karin Kaiblinger, Expertin für Bildungsverpflegung. Studien belegen, dass Schüler, die nichts gegessen haben, bei Tests schlechter abschneiden. Verschärft werde das Problem dadurch, dass auch zu wenig Wasser getrunken wird. Typische Jausenprodukte wie Wurstsemmeln, Pizzaschnitten und dergleichen sind fett – und das macht müde. Kaiblinger empfiehlt das „Schulobstprogramm“: Die Schule erhält dabei Obst und Gemüse für alle Schüler; bezahlt wird das zur Hälfte von der EU und zur Hälfte von den Eltern (ca. 15 Euro pro Jahr). Ein anderer Vorschlag lautet, gemeinsame „Jausenpausen“ einzuführen. Viele Schüler, sagt Kaiblinger, hätten zwar eine Jause mit, essen sie aber nicht – weil in der Pause andere Dinge wichtiger seien.

3 Mangelnde Bewegung während des Unterrichts

Aber nicht nur zum Jausnen soll es Pausen geben – auch die Bewegung kommt im Schulalltag zu kurz. Der Sportpädagoge Erich Frischenschlager bezeichnet die diesbezüglich geforderte tägliche Turnstunde zwar als „wünschenswert“ – sie sei aber nur eine Maßnahme. Ebenso wichtig sei, dass Bewegung auch in den Fachstunden Platz hätte. Dafür hat er mit seinem Kollegen Johannes Gosch ein Konzept entwickelt, mit dem Bewegung auch in den Deutsch- oder Matheunterricht integriert wird. Dabei werden Inhalte durch Bewegung vermittelt – etwa, indem Rechenlösungen mit einem Springseil nach vereinbarten Codes gesprungen werden. Fachliteratur soll bald erscheinen.

4 Die Lärmbelastung führt zu

Fehlern

Der Lärmpegel steigt in Schulklassen rasch an – insbesondere dann, wenn die Raumakustik schlecht ist. Und Lärm mindert den Lernerfolg, bestätigten Studien der Uni Oldenburg: Schon ab der Lautstärke von 50 Dezibel häufen sich die Fehler – das entspricht der Lautstärke leiser Hintergrundmusik. In den Klassen liegt der Lärmpegel meist deutlich höher. Gegenmaßnahme: schallabsorbierende Gestaltung von Decken und Wänden. Aber auch einfacher umsetzbare Dinge können helfen: Fenster nicht gekippt halten, Regeln fürs Reden und Zuhören, langsames Sprechen oder einfach die Thematisierung von Lärm und dessen Wirkung. Bewegungspausen helfen, um quirlige Schüler wieder zu beruhigen.

5 Der Schulraum passt nicht zu neuen Lern- und Lehrformen

Die Sitzordnung in Schulen – Bänke, die in Reih und Glied hintereinander stehen – geht auf die Sitzordnung in der Kirche zurück. Ermüdende Frontalvoträge sind damit kompatibel. Wenn aber neue Lehr- und Lernformen angewandt werden – was in den Schulen zunehmend der Fall ist –, muss auch der Raum dem Lernen angepasst werden. Ein Konzept, das auch in Österreich langsam Einzug hält, ist die „partizipative Planung“ – die Lehrer und Schüler werden in den Schulbau eingebunden. So kann der Raum den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden. Moderne Schulbauten verfügen oft über Rückzugsräume und Lerninseln zwischen den Klassen, die für offene Lernformen genützt werden. Lange, triste Gänge fallen weg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2012)

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9 Kommentare

lernen wäre schon in ordnung

wenn die lehrer nicht dauernd störten.

Wieder 5 neue Gründe

Warum unsere Schüler beim Pisa Test so schlecht abschneiden.

Waren es bis jetzt die Lehrer, die als Sündenböcke herhalten mußten, sucht man jetzt nach anderen Gründen, weil die Lehrer durch das ständige "Bashing" knapp geworden sind.

Ich frage mich nur, warum die Nachkriegsgeneration unter schlechtesten Bedingungen durchwegs sinnerfassend lesen und schreiben gelernt haben, was heute nicht mehr der Fall ist ?

Re: Wieder 5 neue Gründe

Die Frage ist leicht beantwortet: Es dürfte in der Schule noch Leistung verlangt werden und die Eltern jämmerten nicht ständig, wie Arm ihr Kind sei, weil es ssoooo viel lernen muss. Ins Gymnasium gingen früher nur die, die auch hingehörten. Es wurde nicht ständig getestet , ob der Kevin nicht vielleicht doch hochbegabt sei und mit Rechtsanwälten bessere Noten gefordert.

Re: Re: Wieder 5 neue Gründe

Allerdings war der Lehrplan nicht so vollgestopft mit unnötigen Lerninhalten, und somit war wesentlich mehr Zeit zum Üben in der Schule!

Re: Wieder 5 neue Gründe

die fenster waren zugig, also gabs genug frischluft ;-)

Re: Wieder 5 neue Gründe

"Pisa Test" = falsch,
"PISA-Test" = richtig.

Superbildungsexperten natürlich keinerlei Ahnung.


Davon haben die


10

Schlechte Luft in den Klassen

Wenn in manche Räume 36 Schüler hineingepfercht werden (immer noch Realität in den ersten Klassen HTL), ähnelt die Lernsituation dort an eine Legebatterie. Entsprechend groß die Aggressivität unter den Schülern, die unter extremen Platzmangel leiden und dementsprechend auch eine Luft zum Schneiden. Wenn noch dazu im Sommer wegen fehlender/kaputter Beschattung Temperaturen jenseits der 30 Grad im Klassenraum herrschen, kann man sich den "Lernerfolg" lebhaft vorstellen (soviel nur zu Leuten, die die Sommerferien kürzen wollen).

Jedes Arbeitsinspektorat würde eine solchen unhaltbaren Zustand beenden und den Betrieb sofort schließen.

Nicht so im öffentlichen Dienst. Schlauerweise hat sich der Gesetzgeber abgesichert; das Arbeitsinspektorat ist für Schulen - richtig - nicht zuständig. Da könnt sie sich engagieren, unsere Bänkerin, die im klimatisierten Büro im Ministerium sitzt....

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