Faymann will alle Schulen als Ganztagsschulen

Der Bundeskanzler will den Druck beim Ausbau der Ganztagsschule erhöhen. Diese Frage steht bei ihm "ganz oben auf der Prioritätenliste", denn Kinder sollten nicht "aufbewahrt" werden.

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(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Bundeskanzler Werner Faymann wirft sich für die Ganztagsschulen ins Zeug. Der Ausbau geht ihm nicht schnell genug, bei der Regierungsklausur in Laxenburg gab es mit der ÖVP keine Einigung auf zusätzliche Mittel. Doch das will der Kanzler "ganz oben auf meine Prioritätenliste setzen", wie er im Interview mit dem "Standard" sagt.

Auch gegenüber "Österreich" betont er, dass er "jetzt den Druck erhöhen" wird. "Ich möchte einen Ausbau - und am liebsten mit verschränktem Unterricht - auf insgesamt 100 Prozent", sagt er dort. Die Industriellenvereinigung und die christliche Soziallehre seien dabei die Verbündeten der SPÖ.

Für die ÖVP steht bei der Ganztagsschule allerdings die Wahlfreiheit im Mittelpunkt: Wenn Eltern ihre Kinder am Nachmittag selber zu Hause betreuen wollen, müsse dies möglich sein. ÖVP-Chef Michael Spindelegger will den Bedarf von Ganztagsschulen bzw. Nachmittagsunterricht erheben. Ob Kinder an den Schulen mittels Ganztagsschule (verpflichtende Anwesenheit) oder Nachmittagsbetreuung (freiwillig) betreut würden, könne "nicht mittels Zwang verordnet werden".

Kopf: Eingung "noch heuer" möglich

Geht es nach ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf, könnte der Ausbau der Ganztagsschule "noch heuer" im Ministerrat beschlossen werden - sofern Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) rechtzeitig "ein mit den Ländern ausverhandeltes Konzept" vorlegt. Mit diesen habe das Ministerium nämlich noch nicht gesprochen, kritisierte Kopf am Montag im "Ö1-Mittagsjournal". Voraussetzung für eine Zustimmung sei auch, dass der Ausbau flächendeckend (im Sinne einer zumutbaren Entfernung) und ausgewogen sowohl für den städtischen als auch für den ländlichen Bereich erfolge.

Die ÖVP sei für den "forcierten Ausbau", weil es sich um ein Bedürfnis von Eltern und Wirtschaft handle, betonte Kopf, die Ganztagsschule müsse aber ein freiwilliges Angebot bleiben. Wenn alle Vorstellungen der Volkspartei berücksichtigt sind, kann sich der Klubchef auch die von der SPÖ geforderte Verdoppelung der Mittel auf 160 Mio. Euro pro Jahr bis 2018 vorstellen. An den Beträgen werde eine Einigung jedenfalls nicht scheitern, versicherte Kopf.

Für die Finanzierung der Ganztagsschule wälzen beide Regierungsparteien allerdings Ideen, die beim Gegenüber jeweils auf wenig Begeisterung stoßen. Bundeskanzler Werner Faymanns (SPÖ) Vorschlag, die Erbschaftssteuer dafür wieder einzuführen, erteilte Kopf im Gespräch mit dem ORF-Radio erwartungsgemäß eine Abfuhr. Sein Gegenvorschlag, "über die eine oder andere Privatisierung" nachzudenken - jedoch ohne konkrete Beispiele zu nennen - dürfte allerdings bei der SPÖ ähnlich wenig Anklang finden.

Ganztagsschule statt Hort

Kanzler Faymann und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) präferieren aber verschränkte Ganztagsschulen, in denen sich Unterricht und Freizeit abwechseln, da dies das pädagogisch sinnvollere Konzept sei. Faymann dazu: "Ich bin für den verschränkten Unterricht, also dass Kinder am Nachmittag kreativ miteinander lernen, auch in Fächern wie Musik und Sport, das ist doch ein Gewinn für die Kinder. Dass sie eben nicht aufbewahrt werden, sondern dass sie auch Chancen haben. Andere erkaufen sich das teuer in Privatschulen. Ich verstehe nicht, warum nicht alle das gleiche Recht haben sollen." Finanzieren will der Kanzler den Ausbau mit einer Erbschaftssteuer.

Plätze in der Tagesbetreuung

Im laufenden Schuljahr haben rund 119.000 Schüler an Pflichtschulen und an der AHS-Unterstufen einen Platz in der schulischen Tagesbetreuung. Darunter fallen sowohl Schulen mit reiner Nachmittagsbetreuung als auch Ganztagsschulen. Das ergibt laut Unterrichtsministerium eine Betreuungsquote von rund 17,5 Prozent aller Schüler. Rechnet man noch die etwa 50.000 Hortplätze dazu, wird derzeit ein Viertel der Schüler ganztägig betreut.

(APA/Red.)

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