"Politische Bildung ist mehr als der Vortrag von Fakten"

Im Gegenstand Politische Bildung soll Bewusstsein für demokratische Prozesse geschaffen werden. Ein neues Schulbuch erscheint in Kürze.

Politische Bildung mehr Vortrag
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Politische Bildung mehr Vortrag
(c) Clemens Fabry

Wien/Thea. Seit Jahren läuft die Debatte um politische Bildung in Österreich – dennoch sind die Berufsschulen nach wie vor die einzige Schulform, in der es das eigene Fach Politische Bildung gibt. Das Interesse der Schüler daran ist aber enden wollend, erklärt Klaus Luftensteiner, Berufsschullehrer in Bregenz.

Das war einer der Gründe, der Luftensteiner in den vergangenen Jahren gemeinsam mit drei weiteren Autoren – darunter „Presse“-EU-Ressortchef Wolfgang Böhm – ein umfassendes Schulbuch zur politischen Bildung gestalten ließ. Darin wird ein Ansatz verfolgt, den Luftensteiner auch seinem Unterricht zugrunde legt: Es müssen stets Anknüpfungspunkte zum Leben der Jugendlichen geschaffen werden. Nur so, sagt Luftensteiner, könne man die Schüler mit den Inhalten der politischen Bildung „abholen“.

So befassen sich auch die ersten Kapitel des Buches mit lebensnahen Themen, die auf den ersten Blick noch gar nicht so viel mit Politik zu tun haben: etwa mit der eigenen Gesundheit, dem Umgang mit der Umwelt oder dem Mopedführerschein. Aber auch das sind Themen, die mit gesellschaftlichen Rechten und Pflichten zu tun haben. „Politische Bildung beinhaltet viel mehr, als Fakten zum politischen System vorzutragen“, sagt Luftensteiner. Es gehe sehr stark darum, die eigene Rolle in der Gesellschaft zu verstehen und zu hinterfragen. Deshalb müsse man bei grundlegenden Dingen ansetzen.

Im weiteren Verlauf wartet das Buch auch mit „klassischen Inhalten“ (etwa österreichischer Politgeschichte und Parteiensystem) auf. Aber auch hier setzen die Autoren auf Interaktion und Übungen, die beim Ausfüllen und Beantworten von Fragen eine Verknüpfung mit dem eigenen Leben möglich machen. Das sei wichtig, um die Schüler überhaupt für den Unterricht in diesem Fach zu motivieren. Denn „in politischer Bildung steckt das Wort Politik – und das ruft bei den Schülern in vielen Fällen keine positiven Assoziationen hervor“, führt er weiter aus.

Lehrplan ist überladen

Die Themenvielfalt des Lehrbuchs zeigt eines klar: Der Lehrplan ist, wie oft von Lehrern kritisiert wird, stark überladen. In Anbetracht der wenigen Stunden, die der Politischen Bildung zur Verfügung stehen, sei es schwierig, so wichtigen und aktuellen Themen wie der Europäischen Union und der Globalisierung den entsprechenden Platz zu geben. Luftensteiners politische Forderung: mehr Stunden für Politische Bildung.

Zum Buch:

Das Schulbuch für politische Bildung an Berufsschulen "Meine Entscheidung - unsere Zukunft" wird auf der Bildungsmesse "Interpädagogica" (22. bis 24.11. im Messezentrum Salzburg) vorgestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2012)

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