"Politische Bildung ist mehr als der Vortrag von Fakten"

18.11.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

Im Gegenstand Politische Bildung soll Bewusstsein für demokratische Prozesse geschaffen werden. Ein neues Schulbuch erscheint in Kürze.

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Wien/Thea. Seit Jahren läuft die Debatte um politische Bildung in Österreich – dennoch sind die Berufsschulen nach wie vor die einzige Schulform, in der es das eigene Fach Politische Bildung gibt. Das Interesse der Schüler daran ist aber enden wollend, erklärt Klaus Luftensteiner, Berufsschullehrer in Bregenz.

Das war einer der Gründe, der Luftensteiner in den vergangenen Jahren gemeinsam mit drei weiteren Autoren – darunter „Presse“-EU-Ressortchef Wolfgang Böhm – ein umfassendes Schulbuch zur politischen Bildung gestalten ließ. Darin wird ein Ansatz verfolgt, den Luftensteiner auch seinem Unterricht zugrunde legt: Es müssen stets Anknüpfungspunkte zum Leben der Jugendlichen geschaffen werden. Nur so, sagt Luftensteiner, könne man die Schüler mit den Inhalten der politischen Bildung „abholen“.

So befassen sich auch die ersten Kapitel des Buches mit lebensnahen Themen, die auf den ersten Blick noch gar nicht so viel mit Politik zu tun haben: etwa mit der eigenen Gesundheit, dem Umgang mit der Umwelt oder dem Mopedführerschein. Aber auch das sind Themen, die mit gesellschaftlichen Rechten und Pflichten zu tun haben. „Politische Bildung beinhaltet viel mehr, als Fakten zum politischen System vorzutragen“, sagt Luftensteiner. Es gehe sehr stark darum, die eigene Rolle in der Gesellschaft zu verstehen und zu hinterfragen. Deshalb müsse man bei grundlegenden Dingen ansetzen.

Im weiteren Verlauf wartet das Buch auch mit „klassischen Inhalten“ (etwa österreichischer Politgeschichte und Parteiensystem) auf. Aber auch hier setzen die Autoren auf Interaktion und Übungen, die beim Ausfüllen und Beantworten von Fragen eine Verknüpfung mit dem eigenen Leben möglich machen. Das sei wichtig, um die Schüler überhaupt für den Unterricht in diesem Fach zu motivieren. Denn „in politischer Bildung steckt das Wort Politik – und das ruft bei den Schülern in vielen Fällen keine positiven Assoziationen hervor“, führt er weiter aus.

Lehrplan ist überladen

Die Themenvielfalt des Lehrbuchs zeigt eines klar: Der Lehrplan ist, wie oft von Lehrern kritisiert wird, stark überladen. In Anbetracht der wenigen Stunden, die der Politischen Bildung zur Verfügung stehen, sei es schwierig, so wichtigen und aktuellen Themen wie der Europäischen Union und der Globalisierung den entsprechenden Platz zu geben. Luftensteiners politische Forderung: mehr Stunden für Politische Bildung.

Zum Buch:
Das Schulbuch für politische Bildung an Berufsschulen "Meine Entscheidung - unsere Zukunft" wird auf der Bildungsmesse "Interpädagogica" (22. bis 24.11. im Messezentrum Salzburg) vorgestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2012)

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5 Kommentare

Politische Bildung-Vorbilder

Man beachte den Werdegang des Bundeskanzlers Faymann!

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Den Artikel bitte mit der Überschrift Werbung versehen. Alle Schulbücher die für Politische Bildung an BS approbiert sind, haben diese Inhalte. Also nur ein Buch von vielen. Abgesehen davon, steht und fällt der Unterricht mit dem Lehrer bzw. der Lehrerin und nicht mit dem Schulbuch.

Das Interesse der Schüler daran ist aber enden wollend, erklärt Klaus Luftensteiner, Berufsschullehrer in Bregenz.

Das es nicht so sei muss, beweist eine Wiener Schule seit 2002 mit großem Erfolg!

http://www.stubenbastei.at/fachbereiche/politischebildung/index.htm

Einige Facetten des politischen Geschehens in Österreich.

Um demokratisches Bewusstsein zu schaffen muss vor allem eines gegeben sein: eine Demokratie.

Leben wir in einer solchen? Zwischen was habe ich überhaupt die Wahl? Ist sich nicht alles schon viel zu gleich?

Wenn ich mir heute die Parteiprogramme ansehe fällt die Wahl schwer. Alles was medienwirksam ist wird aufgenommen.

Schwammige Begriffe wie "Gleichberechtigung" und "Unabhängigkeit" werden zuhauf in Debatten geworfen, ohne vorher darüber nachzudenken, wovon man unabhängig werden will, wo man Gleichberechtigung anstrebt.

Sämtliche Parteien übernehmen Forderungen in ihr Programm, die Wählerstimmen bringen. Der Machterhalt steht an erster Stelle, nicht die Ideologie, die Treue zur Parteilinie.

Was soll man noch wählen? Die Protagonisten im politischen Geschehen? Lächerlich. Wenn ich zwischen Strache und Faymann wählen soll muss ich mich doch fragen: Wofür steht dieser Mensch überhaupt? Was hat diese Person mit der ihm anvertrauten Macht vor? Wie wirkt sich das Ganze auf mein Leben aus?

Diese Fragen werden wir niemals konkret beantwortet bekommen. Wozu also noch den Kopf darüber zerbrechen, wen man wählt? Man kann genau so gut eine Münze werfen.

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Kulissen

Ist es von den Regierenden überhaupt gefragt, Schüler heranzuziehen, die hinter die Kulissen schauen können? Es ist wohl genau das Gegenteil in allen Bestrebungen der momentanen Schulpolitik sichtbar

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