Ein Ampelsystem gegen frühen Schulabbruch

Schulabbrüche können anhand bestimmter Faktoren mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden. So erhöht nicht nur das Wiederholen einer Klasse die Wahrscheinlichkeit eines späteren Schulabbruchs:

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c Dapd Sebastian Widmann

Wien. So bald als möglich raus aus der Schule. Getreu diesem Motto verlassen mehr als 7000 Schüler jährlich gleich nach Vollendung der Schulpflicht das Bildungssystem. 1700 davon haben dabei nicht einmal den Hauptschulabschluss geschafft. Eine Studie hat sich nun mit den Gründen für den Schulabbruch beschäftigt. Resümee: Abbrüche können mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt – und dadurch vermieden – werden.

Es gibt gewisse Risikofaktoren, die einen Schulabbruch prognostizierbar machen. So erhöht nicht nur das Wiederholen einer Klasse die Wahrscheinlichkeit eines späteren Schulabbruchs (4,7-fach höheres Risiko), sondern auch der Besuch einer Hauptschule (3,7-fach höheres Risiko). Auch ein Migrationshintergrund (2,7-mal so hohes Risiko) zählt als Risikofaktor. Wer während der Pflichtschulzeit von einem Elternteil allein erzogen worden ist, dessen Abbruchrisiko ist 1,6-mal so hoch.

Es gibt aber auch Faktoren, die das Risiko eines Schulabbruchs vermindern. Wer etwa die eigene Wunschausbildung ergreift und aus einem Haushalt kommt, in dem auf Bildung viel Wert gelegt wird, wird die Schule mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht abbrechen. Auch ein hohes Bildungsniveau der Eltern spricht gegen einen vorzeitigen Ausstieg. Das zeigt eine von Robert Klinglmair – er ist Volkswirt an der Uni Klagenfurt – durchgeführte empirische Untersuchung. Dabei wurde die Bildungssituation von Kärntner Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren untersucht. Der Fragebogen mit 67 Fragen wurde an 6700 Jugendliche ausgegeben.

 

Gezielte Maßnahmen ergreifen

Anhand der Ergebnisse entwickelte Klinglmair ein Ampelsystem. Die Kinder werden dabei in eine rote, orange oder grüne Gruppe eingeteilt – je nachdem, wie viele Risikofaktoren und entlastende Umstände bei einem Schüler auftreten. Ein Beispiel: Wenn ein Schüler mit Migrationshintergrund die Hauptschule besucht und von der Mutter allein erzogen wird, Bildung zu Hause kein großes Thema ist und seine Eltern nur über Pflichtschulabschluss verfügen, dann zählt dieser zur roten Gruppe. Soll heißen: „Achtung – Interventionsmaßnahmen erforderlich“.

Schüler, die aufgrund genannter Faktoren zur durchschnittlich gefährdeten (also orangen) Gruppe gehören, sollten von den Lehrpersonen zumindest genau beobachtet werden. Schüler, die viele Anti-Risikofaktoren aufweisen, werden der grünen Kategorie zugeordnet. Laut Studie werden sie die Schule auch ohne zusätzliche Betreuung höchstwahrscheinlich nicht abbrechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2012)

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