Gemüse oder Kebab: Was essen Kinder in der Schule?

25.11.2012 | 18:43 |  ROSA SCHMIDT-VIERTHALER (Die Presse)

Der familiäre Mittagstisch verschwindet langsam. Aber was essen unsere Kinder eigentlich an den Schulen? Das, was professionelle Anbieter, Gasthäuser oder Spitäler liefern. Falls sie nicht zum Kebab greifen.

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Bereits ein Viertel aller Schüler wird derzeit ganztägig betreut – und diese Zahl wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Der Mittagstisch verschiebt sich damit zunehmend an die Kindergärten, Horte und Schulen. Doch was essen unsere Kinder dort eigentlich?

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Bei jeder Form der ganztägigen Betreuung wird ein warmes Mittagessen angeboten, das je nach Zulieferer und persönlichen Vorlieben ungenießbar sein kann – oder aber den Anforderungen einer vernünftigen Ernährung von Jugendlichen entspricht. Entschieden wird das vom Schulstandort. Während etwa in Japan die Verpflegung der Schüler vom Bildungsministerium organisiert und allerorts Gemüse frisch zubereitet wird, gibt es in Österreich nicht einmal Vorgaben vom Bund. Manche Länder-Schulen lassen das Essen von nahe gelegenen Gasthäusern oder gar von Spitälern liefern.

Wien, das am meisten Erfahrung mit der Ganztagesbetreuung hat, reguliert über strenge Vorgaben die schulischen Mahlzeiten. Es gibt klare Richtlinien; begonnen bei der Hygiene über die Qualität bis zu den Kalorien für einzelne Altersgruppen. Das Mittagessen sollte dem Schüler ein Drittel des Tagesbedarfs an Energie und Nährstoffen liefern. Wiener Schulen werden derzeit nur von zwei Unternehmen beliefert: Gourmet (58 Prozent) und MAX-Catering (42 Prozent). Bei Gourmet etwa sorgen Dutzende Ernährungsberater und Diätologen dafür, dass das Schulessen gesund, fettarm, nur leicht gesalzen und frei von künstlichen Geschmacksstoffen ist. Auf dem Speiseplan stehen dann etwa Pasta mit Tomatensauce oder überbackenes Fischfilet mit Reis. Das Problem: „Gesundes Essen“ ist nicht unbedingt das, was Schüler sich wünschen. Wer nicht zufrieden ist, geht zum Kebabstand am Eck oder fährt zur nächsten McDonald's-Filiale. So machen das zwei Drittel der deutschen Oberstufenschüler, wie die deutsche Studie „So is(s)t Schule“ aus dem Jahr 2010 zeigt.

 

Cola-Automaten in der Kritik

Zwar lernen die Kinder früh, was gesund ist. Allerdings spielt dieses Wissen bei ihrer Ernährung kaum eine Rolle. Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt im Jahr um rund ein Prozent. „Kampagnen bringen nichts. Das Angebot ist wichtiger als das Wissen“, erklärt etwa Karin Kaiblinger von der Ernährungsberatung „gut essen“. Die Gesundheit sei einfach kein Thema für Schüler.

Kaiblinger kritisiert vor allem die Schulbuffets, die viel zu oft von Wurstsemmeln und süßen Snacks dominiert werden. Freilich können die Eltern bis zu einem gewissen Maß mitbestimmen, was an den Schulen angeboten wird. Doch die Buffetbetreiber bleiben auf dem Salat sitzen, während sie mit Toast und Hotdog gute Geschäfte machen. Vor allem die Cola-Automaten halten viele für unverantwortlich: „Die Verfügbarkeit bestimmt das Essverhalten. Solange Softdrinks angeboten werden, konsumieren die Jugendlichen sie“, sagt Kaiblinger. Während die Automaten in vielen anderen EU-Ländern verboten wurden, sind sie bei uns noch recht beliebt. Milch dagegen hat in Österreich stark an Attraktivität verloren: Nur noch 137.000Schüler bestellen Schulmilch, das sind etwas mehr als zehn Prozent.

 

Das Elternhaus prägt

Schulbuffets müssen zwar an allen Schulen ohne Ganztagesbetreuung angeboten werden. Statt des Geldes für den Stand sollten Eltern ihren Kindern aber lieber eine Jause mitgeben, sagt Kaiblinger. Essenziell für ein gutes Essverhalten sei weiters, dass zu Hause vernünftig gekocht werde. Dieser „Grundstock“ bleibe den Schülern – auch wenn viele mit 14 oder 15Jahren ein „Kontrastprogramm“ zu den elterlichen Vorgaben machen und in dieser Zeit lieber Fast Food konsumieren.

Aber wie kann man den Schülern gutes Essen schmackhaft machen? Erfolg versprechend ist ein Pilotprojekt von Gourmet, das ganz ohne neue Ingredienzien auskommt: Es wurde anstelle der üblichen Essensausgabe ein Buffet eingerichtet, aus dem die Schüler zwischen zwei Linien wählen und sich selbst bedienen konnten. Siehe da: Es schmeckte allen gleich besser. Für Claudia Ertl-Huemer, Ernährungswissenschafterin bei Gourmet, ist das ein Weg zum Erfolg. Auch die Esskultur gehöre gestärkt, sagt sie: „Ich wünsche mir, dass die Kinder eine halbe Stunde Zeit zum Essen haben.“ Aufgrund der Platznot würde nämlich ein Schüler den anderen oft ganz schnell aus dem Speisesaal hinausdrängen. Ein weiteres Problem: Die Kinder kennen immer weniger Lebensmittel, die Auswahl an „Lieblingsessen“ wird immer kleiner. Dabei sind die Kinder, was das Essen anlangt, prinzipiell konservativ: „Wir würden besser fahren, wenn wir immer nur die 20 beliebtesten Speisen kochten. Aber das ist nicht unser Selbstverständnis,“ so Ertl-Huemer. Gourmet will jetzt das vom Lebensministerium forcierte Gütesiegel der „Österreichischen Gesellschaft für Ernährung“ umsetzen. Diese neuen Richtlinien würden aber das Aus für beliebte Speisen wie den Kaiserschmarrn bringen. Für viele wohl ein Grund mehr, sich ihr Essen woanders zu besorgen.

 

Derzeit werden in Wien 128Schulen ganztägig geführt und mit Mittagessen (und fallweise mit Jause) beliefert. Keine leichte Aufgabe, denn die Wünsche von Schülern und Eltern widersprechen sich oft. Für die zwei offiziellen Zulieferer in Wien gilt ein strenger Kriterienkatalog, die Mahlzeiten sind durchwegs gesund. Problematisch sind viele Schulbuffets. Kritiker bemängeln vor allem die Softdrink-Automaten, die es an vielen Schulen gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2012)

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34 Kommentare
 
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initiative schulbuffet

im rahmen einer objektiven recherche wäre es wünschenswert auf diese initiative hinzuweisen:
http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Empfehlungen/Leitlinie_Schulbuffet

Colaautomat

Interessant - Wenn trotz aller Bemühungen und Aufklärung die Kinder doch zum Cola greifen, dann nimmt man ihnen einfach die Möglichkeit. entspricht so gar nicht der neumodernen Gutmensch-"Pädagogik"
Aber wenn die Lehrer nach Sanktionsmassnahmen fordern, werden sie öffentlich angeprangert.

gemüse UND kepap

auf diese idee kommen experen natürlich nicht.

Kebap enthält Gemüse ...


echt jetzt: was essen unsere kinder?

glaubt man im ernst, dass eltern, die nicht wissen, was ihre kinder essen, hier nachlesen?

Eine interessante Diskussion...

...steht uns dann mit der Ganztagsschule bevor! Das wird noch spannend! ;-)

Gemüse oder Kebab

Ob Gemüse oder Kebab ist nicht allein ausschlaggebend. Wenn Gemüse längere Zeit im zubereiteten Zustand herumgammelt, stundenlang warmgehalten und aufgewärmt wird, dann hat es ein Nährwert gleich Null. Es belastet nur noch den Körper ohne ihm irgendwelche Baustoffe oder Energie zu geben. Dann wundert man sich, dass die Kinder müde und unkonzentriert sind.
Die Kinder können Gemüse, Kebab, Süßspeisen essen soviel sie wollen. Wichtig ist, dass sie abwechselnd von allem essen und wichtig ist, dass alles frisch zubereitet wird. Dann kann mit der Ernährung nichts schiefgehen. Aber diese Qualität kostet pro Portion mindestens 25€. Das sind unsere Kinder höchstens ihren Eltern, aber sonst niemandem Wert.
Ich brauche für eine durchschnittliche Mahlzeit eine Stunde Zeit. Wenn ich meine Stunde mit 60€ (eine Handwerkerstunde) ansetze und alle Nebenkosten einbeziehe (was bei Schülermahlzeiten notwendig ist) dann hat ein Mittagessen in der Familie den Wert von etwa 100€.

Blödsinn alles

Wenn man im Kindergarten schon gezwungen wird jeden Tag nur Müsli und gesunde Jause zu futtern wird jedes Kind irgendwann streiken.Wichtig ist ein gesunder Mix aus allem.Meine Kinder bekommen von allem etwas...auch Süssigkeiten aber eben nur eingeteilt. Gebe ich den Kindern nichts von dem wird irgendwann die Zeit kommen dass sie sich vom Taschengeld selber haufenweise von dem Zeug kaufen und in sich reinstopfen.Das beste ist die Kinder darüber zu informieren ! Man ist was man isst

Kinder essen, was daheim auf den Tisch kommt

wenns nur Schnitzel und Cola gibt, will das Kind Schnitzel und Cola.

essen die Erwachsenen auch Salat, will es auch Salat. trinken die Erwachsenen Wasser, wird auch das interessant.

Geheimnis: Vorbildwirkung! und das Wort "nein" in Verbindung mit einer Erklärung, warum nein.

Das stimmt einfach nicht.

Vermutlich haben Sie selbst keine Kinder. Aber denken Sie einmal nach, ob Ihnen selbst als Kind all das geschmeckt hat, was Ihre Eltern gegessen haben.
Mir jedenfalls hat das fette Schweinefleisch, das meine Eltern gerne gegessen haben, nie geschmeckt. Meinen Kindern wiederum schmeckt kein Sushi, obwohl ich es gerne esse. Salat, den ich liebe, mag nur die Tochter, der Sohn verweigert ihn.

Re: Kinder essen, was daheim auf den Tisch kommt

Das kann ich so nicht ganz unterschreiben. Die Eltern meines Freundes kochen wirklich sehr gesund (Mutter ist Ernährungsberaterin), aber obwohl er als Kind viel Gesundes essen musste, greift er jetzt trotzdem lieber zu ungesunden Sachen. Ein Kind kann man dazu bringen, daheim gesund zu essen, aber deshalb muss es noch lange nicht schmecken und was nicht schmeckt, wird (in der Schule/ in der Freizeit) nicht gegessen.

Re: Re: Kinder essen, was daheim auf den Tisch kommt

Meist spricht man nur über die Zutaten und vergisst, dass die Art der Zubereitung oft darüber entscheidet, ob man etwas mag oder nicht.
Ich esse gern Schokolade und ich esse gern Kekse. Aber ich kann Kekse in Schokolade getunkt nicht ausstehen.
Ich nasche gern Süßes, aber Zucker in den Tee oder in den Kaffee ergibt einen grausligen Geschmack.
Ich esse Marmelade gern mit dem Löffel, aber Marmelade aufs Brot ist igitt.

Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Dann müssen sich Mama und Papa vorher überlegen, ob sie ihrem Zögling wirklich Burgen und Pommes ins Gesicht stopfen wollen.

Die lieben Politiker wären auch zufrieden. Sparen kann man ja nicht, da müssen neue Einnahmen her.

Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Immer diese renitenten Rohköstler mit ihrem Hass auf alles Schmackhafte & Cola...

Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Ich wäre für eine Deppensteuer, dann würden sich viele Leute überlegen, ob sie hier posten.

Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Gegen Pommes und Burger ist nichts einzuwenden. Pommes und Burger unterscheiden sich von Gullasch mit Nudeln und Kartoffeln nur durch die Art der Zubereitung. Wenn man tagtäglich Gullasch mit Nudeln und Kartoffeln ist, ist man genau so fehlernährt, wie wenn man täglich Pommes mit Burger ist. Nicht die Art der Zubereitung ist hier der Fehler, sondern die Eintönigkeit und die kann man mit jedem Essen herstellen.
Wenn die Kinder in der Schule auch täglich etwas anderes bekommen und dieses Essen stundenlang warmgehalten und aufgewärmt wurde, dann ist es unter Umständen noch minderwertiger als Pommes und Burger von irgendeiner Fastfood-Kette.

Re: Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Haben Sie sich schon einmal das Food-Design von Burgern angesehen?

Der letzte Bissen besteht aus Brot-Fleisch-Brot. Wie beeinflusst das unser Essverhalten? Brot saugt Speichel auf , einen Augenblick später signalisiert das Fleisch auf der Zunge dem Gehirn über Umwege(= der Geruch, die Textur...), dass mehr Speichel produziert werden soll. Dieser Speichel wird einen Moment danach wieder vom Brot aufgesaugt. Das Gehirn produziert noch mehr Speichel.

Wieso ist das ein Geniestreich des Food-Designs? Erhöhter Speichelfluss führt zu Appetitgefühlen, was wiederum zu mehr Konsum führt. Sie bestellen sich zu einem BigMac Menü keinen Hamburger, weil die Portionen so klein sind. Sie bestellen das Ganze, weil sich Ihr Gehirn gegen diese Beeinflussung nur mit einem Füllegefühl aus dem Magen wehren kann.

Re: Re: Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

und inwiefern unterscheidet sich dieses geniehafte Design vom klassischen Wurstsemmerl (u.a. gut bekannt durch Kommissar Rex), Leberkässemmerl, oder dem guten alten Wurstbrot?

Re: Re: Re: Re: Ich wäre für eine Fast-Food Steuer.

Nur die pöse Industrie dahinter!

Man diskutiert lieber am Problem vorbei und schiebt die Schuld anderen zu.
In Wahrheit sind NUR die Eltern schuld!
-Ein paar erkennen das Problem, den meißten ist es egal

NUR die Eltern sind es nicht.

Wenn ich mit meinen Kindern an der Ampel bei Rot warte, obwohl weit und breit kein Auto kommt, während alle anderen einfach über die Straße gehen, werden die Kinder, wenn ich nicht dabei bin, ebenso einfach rübergehen.
Wenn ich zuhause ausgewogene Mischkost koche, auf der Straße und in den Öffis die Leute aber alle Kebap, Wurstsemmeln oder anderes Fast Food essen, werden die Kinder zwar zuhause essen, was gekocht wird, aber außer Haus essen, was die anderen essen.

diesem Problem

hat sich Jamie Oliver schon vor 10 Jahren gewidmet.

Die mangelnde Bewegung ist wohl eher das Problem an den Schulen.

FastFood ist nicht nur für Kinder ungesund,
sonmdern auch für Erwachsene,
wenn man das nicht haben will,
muss man es wohl gesetzlich regeln.

Re: Die mangelnde Bewegung ist wohl eher das Problem an den Schulen.

Ja, das tät euch Gesundheitsaposteln so passen:"Alles verbieten". Wenn es nach mir ginge, wären Eure Brätlinge und anderer Sojaabfall auch längst verboten, weil der nicht so wertvoll und gehaltvoll ist wie ein MaxiMenü mit einem echten Bürger und ein paar Nuggets extra...
Wie täte Ihnen das gefallen?

Re: Die mangelnde Bewegung ist wohl eher das Problem an den Schulen.

Und dann sind sie Wach geworden ...Oder? Wollen sie noch mehr Überwachungsstaat als wir schon haben. Dass uns dann ein fetter ausgefressener Politiker vorschreibt wir dürfen keine Leberkässemmel mehr essen.Wenn wir es doch tun kommt der blade Polizist und erteilt uns eine Strafe....sorry aber noch blöder gehts wohl nicht

Man feut sich

Auch die "oesterreichische" Jugend bald 80% fettleibig. Waerend Mama sich selbst verwirklicht.

Re: Man feut sich

Heut zu tage geht Mama mit den Kindern zum McDonalds weils daheim nicht kochen will oder selbst nur Packerlnudeln kochen kann

 
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