Schulessen vom Starkoch: Von Jamie Oliver bis Johann Lafer

25.11.2012 | 18:44 |   (Die Presse)

Prominente Köche wollen seit einigen Jahren die Ernährung von Schulkindern umkrempeln und Gesundheit und Pep ins Schulessen bringen – durch groß angelegte Kampagnen, Kochkurse und Wettbewerbe.

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Wien/Beba. Es hat fast den Anschein, als müsse ein prominenter Koch, der etwas auf sich hält, sich auch irgendwann mit dem Schulessen auseinandersetzen. Jüngstes Beispiel: Johann Lafer. Seit diesem Monat betreibt der steirische Starkoch neben seinem Sterne-Restaurant im rheinland-pfälzischen Stromberg auch eine Schulmensa.

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Lafer will beweisen, dass gutes und gesundes Essen auch für maximal vier Euro pro Teller machbar ist. Die 1200 Schüler des Gymnasiums in Bad Kreuznach sollen aber nicht nur gesund satt werden, sondern auch etwas über Ernährung lernen: Eine Expertin klärt regelmäßig auf, auf den Tabletts werden Zutaten abgebildet und erklärt. Und: Nicht zuletzt soll den Kindern und Jugendlichen in Zeiten von Industriemahlzeiten guter Geschmack beigebracht werden.

Mit seiner Mission ist Lafer alles andere als alleine: Seit einigen Jahren hat es sich eine ganze Reihe bekannter Köche zur Aufgabe gemacht, die Ernährung von Schülern umzukrempeln. Die Devise ist klar: Was bisher fettig und fade war, soll künftig gesund und peppig sein.

Pionier der Bewegung war kein anderer als der britische Fernsehkoch Jamie Oliver. Mit seiner TV-Sendung „Jamie's School Dinners“ wies er auf die Missstände in den britischen Mensen hin – woraufhin nicht nur in England über die (oft mangelhafte) Qualität des Schulessens diskutiert wurde. Die Kampagne „Feed me better“ im Jahr 2005 wurde von der britischen Regierung mit mehreren hundert Millionen Pfund unterstützt, in den Schulkantinen gab es von Oliver mitentwickelte – gesunde – Menüs. Was nicht nur für Jubel sorgte. Als sich die Speisepläne in den Schulen änderten, meldeten sich Schüler reihenweise vom Essen ab, in der Stadt Rotherham brachten Mütter ihren Kindern sogar Burger und Würstchen an den Schulzaun.

Anstatt Schülern etwas vorzukochen, setzt Jamie Olivers deutsches Pendant Tim Mälzer indes umgekehrt an: Bei seinem Wettbewerb „Klasse, Kochen!“ können Schulen eine Küche gewinnen, die dann (hoffentlich) dafür genutzt wird, das Thema Ernährung im Unterricht praxisnah einzubetten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Fernsehköchin Sarah Wiener,die gemeinsam mit ihrem Kollegen Alfred Biolek und dem Bioverband Demeter vor knapp fünf Jahren eine eigene Stiftung gegründet hat („Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen“). Das Ziel: Kinder aus dem „ist doch egal, was ich esse“ herauszuholen. Lehrer und Kindergartenpädagoginnen werden dafür als Multiplikatoren ausgebildet. In wöchentlichen Koch- und Ernährungskursen sollen die Kinder dann selbst Hand anlegen, in Exkursionen zu Biobauernhöfen sehen, woher die Nahrungsmittel kommen. Rund 800 Pädagogen sind laut der Stiftung bereits ausgebildet worden, jährlich werden so rund 8000 Kinder erreicht.

Ab kommendem Schuljahr soll Wieners Ernährungsinitiative auch österreichische Schüler erreichen. Gestartet wird im Burgenland, geplant sind Kurse an fünf Volksschulen. Eine Premiere: Denn heimische Küchenstars und Fernsehköche haben das Thema Schulessen bislang noch nicht für sich entdeckt. Eher lassen sie sich – Stichwort Toni Mörwald – mit dem Fastfoodgiganten McDonald's ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2012)

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