Ganztagsschule: ÖVP „irritiert“ Claudia Schmied

27.11.2012 | 18:10 |   (Die Presse)

Die ÖVP will den Ausbau der Ganztagsschule gemeinsam mit anderen Forderungen wie etwa der Einführung von Ethikunterricht diskutieren. Das sei, als ob man „Äpfel mit Birnen“ vergleiche, so Ministerin Schmied.

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Wien/J. N./APA. Und schon wieder ist es die Ganztagsschule, die für Streit zwischen den Koalitionspartnern sorgt. Stein des Anstoßes ist diesmal ein Entwurf der ÖVP, der am Vorabend des Ministerrats vorgelegt wurde. Darin verknüpft die ÖVP den Ausbau der Ganztagsschule mit anderen Forderungen wie etwa der Einführung von Ethik als alternatives Pflichtfach und einem verpflichtenden Vorschuljahr für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen.

Der ÖVP-Vorschlag, diese Themen gemeinsam zu diskutieren, hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) „ein bissel irritiert“. Das sei, als ob man „Äpfel mit Birnen“ vergleiche, so die Ministerin. Anders die ÖVP: „Ich verstehe die Aufregung in der SPÖ nicht“, so Bildungssprecher Werner Amon im Gespräch mit der „Presse“. Der Ausbau der Ganztagsschule sei am Dienstag ohnehin nicht auf der Tagesordnung des Ministerrats gestanden. Angestrebt wurde auch schon bislang der Dienstag in einer Woche. Die SPÖ erzeuge einen „künstlichen Konflikt“, und das tue dem Gesprächsklima  „nicht gut“, sagt Amon. Außerdem wolle die ÖVP weder den Ethikunterricht noch das verpflichtende zweite Kindergartenjahr für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen zur Bedingung für den Ausbau der Ganztagsschule machen. Aber: Diese Dinge müssten bald umgesetzt werden, so Amon.

Schmied: Sexbroschüre prüfen

Für Wirbel sorgen derzeit auch Lehrmaterialien für die Sexualerziehung von Sechs- bis Zwölfjährigen, die das Unterrichtsministerium unter dem Titel „Ganz schön intim“ herausgegeben hat („Die Presse“ berichtete). ÖVP und FPÖ übten scharfe Kritik an der Broschüre. Diese diskreditiere die Kernfamilie, verschiedenste sexuelle Ausrichtungen würden darin als vollkommen gleichwertig dargestellt. Schmied lenkt nun ein und will die Broschüre nochmals prüfen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2012)

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30 Kommentare
 
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Ein Bild sagt mehr als tausend Wort

Frau BM Schmied hat sich innerlich von ihrer Aufgabe längst verabschiedet.

Man gönne ihr einen Abgang in Würde und berufe eine besser qualifizierte Kraft.

Zwang zu Religionsunterricht

- das ist, was die ÖVP krampfhaft will mit ihrem eigenartigen Beharren auf Ethikunterricht für die, welche nicht zum Religionsunterricht gehen wollen.

Das ist als müssten Sonntag vormittags jene, welche nicht in die Kirche gehen in einen Vortragssaal gehen und sich dort über Ethik oder so was belehren lassen.

Die ÖVP arbetet damit daran, die Trennung von Kirche und Staat auzufheben.

Re: Zwang zu Religionsunterricht

"Die ÖVP arbeitet damit daran, die Trennung von Kirche und Staat auzufheben."

Gibt es die denn?

Die katholische Kirche genießt jährlich Steuererleichterung in Millionenhöhe für Einkünfte und Liegschaften.

Aha

"Eine Einigung spießt sich nun erneut an der Frage, wie viel Mitspracherecht die Lehrer bei der Entscheidung haben sollen."

es gibt mehr als 100.000 lehrer in österreich! diese sollen die qualität der bildung erhöhen. das ist harte arbeit! was es dafür braucht, ist die überzeugung der lehrer, wenn man möchte, dass etwas gescheites dabei herauskommt.

außerdem: von den schülern forder lehrer:
1. freiheit im denken
2. kritikfähigkeit
3. gerechtigkeitsgefühl
4. demokratieverständnis
5. mitsprache!

wie kann ein lehrer das fordern, wenn er dies selbst nicht haben/machen/ausführen darf?!

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icb bin gegen staatlich verordneten freiheitsentzug

und für eine wahlmöglichkeit!

betreuung für die ermöglichen, die es in anspruch nehmen möchten!

ein-zwei bauernopfer

reichen.

ein kleines Nebengeräusch

wird gegen diese Dame nicht eine Anklage vorbereitet oder habe ich mich verhört..???bzw. verlesen....

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Mitentscheidung der Lehrer ist nur eine Hintertüre

denn sollte etwas dann nicht klappen mit der tollen Idee der Ganztagesschule, na, wer ist dann wieder schuld so wie immer - richtig natürlich DIE LEHRER!

Ist die Idee der Gesamtschule schon wieder vom Tisch...

... alle reden nur mehr von der Ganztagesschule. Hoffen wir einfach, dass auch dieses Thema bald wieder verschwindet! Warum wird in Österreich (Wien) eigentlich immer versucht den Menschen etwas aufzuzwingen was sie gar nicht möchten? Ich darf nicht mehr parken wo ich will und jetzt wird es bald soweit kommen, dass man das eigene Kind am Nachmittag nicht mehr zu Hause haben kann! Es gibt bereits Ganztagesschulen - wer sein Kind dorthingeben möchte kann dies tun. Sollte der Bedarf größer sein, kann man ja genau für eben diesen Bedarf das Angebot erweitern (aber nicht für alle!!!). Weiters gibt es in Horts eine Nachmittagsbetreuung und auch in den meisten Schulen. Warum dürfen die Eltern nicht länger selbst entscheiden - wird ihnen das die Elternkompetenz abgesprochen???? Ich vermute es geht auch den meisten Eltern nur ums Geld, denn die Schule ist gratis der Hort oder die Betreuung eben nicht. Wäre dies ebenfalls kostenfrei, so glaube ich, dass niemanden mehr das Thema Ganztagesschule interessieren würde!

Grundsätzliches

Die Ganztagsschule haben wir in Ö eigentlich eh, länger dauert Schule in Skandinavien und England auch nicht. Nur heißt das bei uns nicht so, die Kids bekommen kein Essen und es gibt auch kein vernünftiges Freizeitangebot.

Die SPÖ ist mit ihren sozialistischen Justamentstandpunkten gestrig. Und natürlich ist es sinnvoll, die Lehrer miteintscheiden zu lassen.

Die ÖVP wiederum ist mit ihren Vorstellungen von Religions- und Ethikunterricht vorgestrig.

Beide Regierungsparteien sind bildungspoltische Blöindgänger.

>> spövp abwählen.

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Was versteht

Schmid unter "an der Ganztagschule führt kein Weg vorbei"? Meint sie, für alle Kinder, oder nur für die, die es brauchen? Ich bin nämlich strikt dagegen, daß, meine Kinder dazu verpflichtet werden sollen, den ganzen Tag in der Schule zu verbringen.

natürlich für alle

... darum ist die Aufregung ja so groß, denn es fehlt in fast allen Schulen die nötige Einrichtung (wie zB Schulkantine, Sportplatz etc....). Außerdem müssen dann die Kinder den ganzen Tag in der Klasse verbringen, was sehr unangenehm werden kann wenn das Klassenklima schlecht ist.

Re: natürlich für alle

jaja, da gibts einiges zum durchdenken. trauen wir das dieser ministerin noch zu?

Sowas gibts nur in Österreich,

daß Arbeitnehmer bestimmen können wo und wann Sie zu arbeiten haben!

Ich will als Arbeitnehmer auch mein Mitspracherecht bei Managemententscheidungen meines Unternehmens.

Und meine Sekretärin will das auch, von unserem Portier ganz zu schweigen, ...

Hat es nicht einmal geheißen, die ÖVP ist eine Wirtschaftspartei? Aber gut, bei der jetzigen Führung, ist die auch Basisdemokratisch (?) wird sich die ÖVP bald mit den Grünen um Parlamentssitze raufen ;-))

Ganztagesschule naja, Ferienbetreuung wäre wichtig !

Was nützt eine Ganztagesschule, wenn sie im Sommer 9 Wochen, über Weihnachten 2 Wochen, im Februar eine Woche und an Ostern wieder zwei Wochen geschlossen ist ? Von den "verlängerten Wochenenden" ganz zu schweigen. Von den 52 Wochen im Jahr sind die Schulen nur 36 Wochen in Betrieb. Wer bitte hat soviel Urlaub oder Freizeit, um sich um die Kinder kümmern zu können ? Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht anders aus.

ÖVP

wird weich und verliert ihre restlichen Wähler bald auch noch.

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Die Kinderlosen wissen am besten, wie man die

Familien zerstört.

Was glauben

diese abgehobenen Parlamentarier,die Zwangsbeglückung einer Ganztagsschule:Ist es schon so weit das man die eigenen Kinder die in der Geborgenheit einer intakten Familie aufwachsen,einer Kasernierung aussetzt,es werden ja schon unter den Deckmantel der Emanzipation,Lebensgemeinschaften aufgezwungen,die niemand braucht,es wird alles einer Ordnung unterworfen,um das einzelne Individium,für Ihren Wirtschafts und Finanzwahnsinn willige Opfer zu erzeugen die sie nach belieben ausbeuten können.Die Intelligenz der zukünftigen Generation bleibt dabei auf der Strecke.Siehe PISA Ergebnisse

Angebot ja - Zwang nein!

In Wien, Graz, Linz, ... wird der Bedarf für Ganztagesplätze deutlich höher sein als z.B. in Telfs, Kaltenleutgeben, Golling oder Krummnussbaum.

Wenn also jemand einen Ganztagesplatz für sein Kind benötigt, dann soll er auch unkomplizert einen bekommen können.

Aber den erzwungenen ganztägigen Schulaufenthalt von Kindern, die zu Hause eine funktionierende Familie haben und/oder vielleicht auch nachmittags in einem Sportverein trainieren wollen, als pädagogisches "Innovation" hinstellen zu wollen, ist schon eher abenteuerlich.

Den verschränkten ganztägigen PFLICHT(!)Unterricht für ALLE auch noch als "unabdingbares MUSS" zu verkaufen, kann ich als Elternteil SO nicht akzeptieren.

Also, warum MUSS ein Kind in Golling einen ganzen Tag "zwangsbeglückt" in der Schule sitzen, weil es in dieser Beziehung in Wien ein Problem bzw. einen Bedarf gibt?

Das muss den Eltern erst jemand erklären. Und zwar vielleicht so, dass es nicht nach DDR-Planwirtschaft mit sozialistischer Pflichtvergatterung aller Kinder klingt!

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Re: Angebot ja - Zwang nein!

Ergänzen möchte ich noch, dass es sogar in Wien, Graz und Linz auch noch Familien gibt, die sich ein sinnvolles Leben ausserhalb der Schule vorstellen können und nicht zwangsbeglückt werden wollen.

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LERNEFFEKT

Die ÖVP hat leider aus dem Grazer Wahlergebnis nichts gelernt.

Re: LERNEFFEKT

doch, hat sie. wenn sie gescheit ist, dann kratzt sie in letzter sekunde die kurve.

Re: Re: LERNEFFEKT

= fraglich wenn man Platter und co so anhört. Hoffe Sie haben recht.

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Kommt darauf an

ob die Ganztagsschule ein freiwilliges ANGEBOT ist: Dann ja, gerne !

Wenn es aber eine zwangsweise sozialistische Kasernierung meiner Kinder ist: NEIN und nochmal NEIN !

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Ja,

Lehrer sollen mitentscheiden können. Aber das muss dann auch für alle Arbeitnehmer in vergleichbaren Situationen gelten!

 
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