Autoren verweisen auf gesellschaftliche Realität

28.11.2012 | 12:42 |   (DiePresse.com)

Schon Volksschulkinder sind mit Pornografie konfrontiert: "Darauf müssen wir Erwachsene Antworten haben", sagen die Autoren von "Ganz schön intim".

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Auf die "gesellschaftliche Realität" verweist der für die umstrittene Sexualerziehungsbroschüre verantwortliche Verein "Selbstlaut" Kritiker der Unterrichtsmaterialien. Es könne nicht um "ideologische 'Kämpfe' unter den Erwachsenen gehen, sondern um die bestmögliche Vorbeugung von sexuellem Kindesmissbrauch", heißt es in einer Stellungnahme. "Geschmacksfragen und unterschiedliche Blickwinkel auf gesellschaftliche Strukturen und Phänomene schwingen dabei natürlich immer mit und wir begrüßen es sehr, diese auch zu formulieren und zu diskutieren."

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Kritikern hält der Verein entgegen, dass "gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Österreich rechtlich anerkannt und der heterosexuellen Lebensweise gleichgestellt sind". Dies möge diesen nicht recht sein, "aber es ist gesellschaftliche Realität und in jeder Schule sind Kinder, die mit lesbischen Müttern, schwulen Vätern oder anderen sexuell orientierten Eltern und Erziehungsberechtigten leben".

Jede Person entscheidet selbst

In der Arbeit gegen sexuelle Gewalt und zu Sexualerziehung würden viele Weltanschauungen und Vorstellungen von Sexualität und dem Umgang damit aufeinandertreffen, argumentiert der Verein: "'Selbstlaut' will niemandem sagen, was richtig und falsch ist oder was moralisch vertretbar und verwerflich ist. Das entscheidet jede Person für sich allein auf der Basis der gesellschaftlichen Regeln, Vorstellungen, eigenen Erfahrungen, sozialen Verortung und weiteren Koordinaten."

Sexualerziehung Hauptpfeiler von Prävention

Aus der Täterforschung sei allerdings bekannt, dass Personen, die Kinder missbrauchen, häufig die sexuelle Neugierde der Kinder als Angriffsfläche nutzen. Daher sei gerade die Sexualerziehung schon kleiner Kinder einer der Hauptpfeiler von Präventionsarbeit: "Kinder, die aufgeklärt sind, die ihren Körper inklusive ihrer Geschlechtsorgane kennen und kennenlernen dürfen (sei es durch Selbstberührung, Masturbation, durch Fragen oder Bilderbücher), sind besser vor sexuellen Übergriffen geschützt als Kinder, die erst in der Pubertät Sexualerziehung bekommen."

An einer anderen Stelle wird darauf verwiesen, dass schon sehr kleine Kinder sexuelle Gewalt erfahren und auch Volksschulkinder bereits mit Pornografie konfrontiert seien: "Darauf müssen wir Erwachsene Antworten haben und uns dieser Tatsache in unserer Zeit der Medien stellen." Schimpfworte und sexualisierte Sprache kämen "nicht von den Selbstlautmaterialien, sondern greifen das auf, was auf jedem Schulhof zu hören ist und leider auch in vielen Familien".

(APA)

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3 Kommentare
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gesellschaftliche Realität

- so eine dumme Ausrede.
Hat die Schule nun einen Bildungs- und Erziehungsauftrag?
Oder soll sie die z.T. grausliche gesellschaftliche Realität wiedergeben?

Wir als Eltern verschonen jedenfalls unsere Kinder mit diversen Grauslichkeiten wie Mord, Vergewaltigung usw. Und wenn wir ihnen nicht ausweichen können, weil etwas ganz in der Nähe passiert ist, tun wir alles, um ihre empfindlichen Seelen zu schützen.
Läßt die Schule uns im Stich bzw. fällt uns da sogar in den Rücken?

Schon wieder eine völlig unbelegte Behauptung!

Die Behauptung "In jeder Schule sind Kinder, die mit lesbischen Müttern, schwulen Vätern oder anderen sexuell orientierten Eltern und Erziehungsberechtigten leben." kann nicht stimmen!

Es gibt 6.000 Schulen in Österreich, darunter sind über 500 ein- oder zweiklassige Volksschulen mit ca. 35 Kindern! Suchen Sie dort einmal nach Kindern von gleichgeschlechtlichen Paaren...
Aber auch in einer normalen Volks- oder Hauptschule am Land, die 4 Klassen und etwa 100 Schüler hat, werden Sie kein einziges Kind finden, dass in solchen Verhältnissen aufwächst.

scheinbar kennen die autorInnen

keinen unterschied zwischen gesellschaftlicher realität und bildungsauftrag. es gilt NICHT, gesellschaftliche realität abzubilden, sondern zu erziehen. ich möchte den autoren ja nicht unbedingt unterstellen, dass sie mit der (ideologisch gefärbten) abbildung der gesellschaftlichen realität stillschweigend auf diese (ideologisch gefärbte) realität hinerziehen wollen.

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