Ganztagsschule: Plätze verdoppelt

04.12.2012 | 18:10 |  von Julia Neuhauser (Die Presse)

Die SPÖ und ÖVP haben eine Einigung zum Ausbau der Ganztagsschulen getroffen. Bis 2018 soll es 200.000 Betreuungsplätze geben. Eltern und Lehrer sollen gemeinsam über die Form der Nachmittagsbetreuung entscheiden.

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Wien. Eigentlich hätten sich die Koalitionsparteien den medial groß ausgetragenen Streit über den Ausbau der Ganztagsschule bei der Regierungsklausur in Laxenburg Anfang November sparen können. Denn nicht einmal ein Monat danach haben SPÖ und ÖVP ohnehin eine Einigung getroffen – die übrigens kaum vom ursprünglichen Plan abweicht. Den Beschluss zum Ausbau der Ganztagsschule verkündeten Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger nach der Ministerratssitzung am Dienstag. Konkret sollen in den Ausbau ab dem Jahr 2014 bis zu 160 Millionen Euro pro Jahr fließen. Das sind jährlich 80 Millionen Euro mehr als bisher veranschlagt.

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Die Zahl der Betreuungsplätze soll so bis 2018 von derzeit 119.000 auf 200.000 quasi verdoppelt werden. Während heute also etwa 17,5 Prozent aller Schüler am Nachmittag betreut werden (ohne die 50.000 Hortplätze), sollen es 2018 rund 30 Prozent der Schüler sein. Wie diese Nachmittagsbetreuung aussehen wird, soll an den einzelnen Schulstandorten entschieden werden. Soll heißen: Die Schulen können sowohl eine reine Nachmittagsbetreuung anbieten als auch zur verschränkten Ganztagsschule werden. Während an der reinen Nachmittagsbetreuung nur jene Schüler einer Klasse teilnehmen müssen, die das auch wollen, ist das bei der verschränkten Ganztagsschule anders. In dieser Schulform wechseln sich Unterricht und Freizeit im Laufe des Tages ab, die Schüler müssen deshalb verpflichtend den ganzen Tag anwesend sein.

 

Jährliche Bedarfserhebung kommt

Die Entscheidung, ob eine Klasse als verschränkte Ganztagsschule geführt wird oder nicht, liegt sowohl bei den Eltern als auch bei den Lehrern. Jeweils zwei Drittel der beiden Gruppen müssen zustimmen, um eine Klasse in der verschränkten Form einzurichten. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wollte die Entscheidung eigentlich allein den Eltern überlassen, scheiterte mit diesem Wunsch aber an der ÖVP. Durchgesetzt hat die ÖVP auch einen anderen Wunsch: Und zwar wird es ab kommendem Schuljahr eine jährliche Bedarfserhebung geben. Neue Plätze in der Nachmittagsbetreuung solle es nämlich nur dort geben, wo sie gebraucht werden, sagt Spindelegger.

Die jährlich zur Verfügung stehenden 160 Mio. Euro ab 2014 sollen übrigens nicht nur in das Betreuungspersonal investiert werden, sondern auch in Infrastrukturmaßnahmen. Finanziert werden etwa die Schaffung und die Adaptierung von Speisesälen, Küchen, Gruppenräumen, Spielplätzen sowie der Kauf von Einrichtungsgegenständen. Die Details zur Finanzierung müssen nun aber noch zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Städten ausverhandelt werden.

Auch die ÖVP musste bei den Verhandlungen Abstriche machen. Gemeinsam mit dem Ausbau der Ganztagsschule wollte sie eine Reform der Sprachförderung sowie des Ethikunterrichts beschließen. Diese Entscheidungen wurden auf nächstes Jahr verschoben. So soll es bis zum Sommer 2013 zumindest eine Entscheidungsgrundlage in Sachen Ethikunterricht geben. Umstritten ist dabei, ob alle Schüler oder nur jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden, einen etwaigen Ethikunterricht besuchen sollen.

Was die Sprachförderung betrifft, sind ab dem Schuljahr 2013/14 in jedem Bundesland unterschiedliche Pilotprojekte geplant. Dadurch soll herausgefunden werden, welche Modelle für Kinder mit hohem sprachlichem Förderbedarf am geeignetsten sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2012)

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72 Kommentare
 
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Was wird mit den Horten

Ich verfolge die Diskussion nur am Rande.
Aber mich würde interessieren, wenn die Ganztagesschule eingeführt wird und die Kinder in der Schule das Mittagessen bekommen und nachmittags betreut oder unterrichtet werden, was wird dann aus den Horten und den extra ausgebildeten Horterzieherinnen?

Werden die Horte dann abgeschafft?
Welche Tätigkeit üben dann die Horterzieherinnen aus? Gehen die dann in die Kindergärten und werden KindergartenpädagogInnen?

Nachmittagsbetreuung

gut ist es wieder einmal, dass eine bestimmte Berufsgruppe medial ausgeschlachtet wird und zu diversen Aussagen Stellung beziehen soll, zu denen sie selbst nicht im Entferntesten befragt wird. Deshalb wird das Vetorecht sicher seinen Sinn haben. Über die Medien wird informiert, was sich künftig ändern wird. Schulen sind leider nicht ganz so autonom wie Betriebe in der Privatwirtschaft. Die Änderungen betreffen alle Schulen in allen Bundesländern. Außerdem ist es mittlerweile beschlossen, dass es sich um eine Nachmittagsbetreuungseinrichtung handelt, wohin Eltern ihre Kinder gratis geben möchten, weil es offensichtlich sonst keine oder zu wenige Betreuungsplätze gibt. Ob das zielführend ist, ist hier grundsätzlich zu hinterfragen. Lehrer dürfen indes die Kinder betreuen und auch erziehen, wenn es den Eltern nicht gefällt, ist in weiterer Folge der Lehrer schuld. Die nächste Hetze ist somit schon einmal vorprogrammiert.

Wenn schon, dann richtig

In einer Ganztagsschule mit verschränkten Lehr-, Lern- und Freizeiteinheiten, müssten auf jeden Fall für die Betreuung Freizeitpädagogen beschäftigt werden. Der Lehrer kann nicht in den Freieinheiten der Kumpel des Kindes sein. Im Prinzip wäre es Schule, mit einem in die Schule integrierten Schülerhort, ja wenn, wenn dann auch die baulichen Voraussetzungen stimmen. Also auf die Schnelle, wird nichts herauskommen - so wie jetzt, Nachmittagsbetreuer für 10 Euro btto die Stunde, über Schnellsiedekurs rekrutiert.
Eine, 20 Jahre der internationalen Entwicklung hinterherhinkende Schulpolitik kann man nicht in zwei Jahren wettmachen. Da hätten unsere Politiker halt früher aufstehen müssen.

so funktioniert eine verschränkte Ganztagsschule

in einer Volksschule:
Normaler Unterricht bis 10.30/11.30/12.20 - dann kann wer will heim
Die Kinder der Nachmittagsbetreuung kriegen ein Essen (Eur 3,50) und am Nachmittag dann noch 1 Stunde "Lehrbetreuung" durch eine Pädaogen (bezahlte Überstunde!). Aufenthalt in der Nachmittagsbetreuung bis 17.00 möglich.
Kosten ohne Essen: 200 Euro für 2 Tage bis 300 Euro für 5 Tage, zahlt aber oft auch das Sozialamt (auch Essen)

in der pflichtschule

kommt man kaum mehr zum unterrichten. die meiste zeit geht mit dokumentieren drauf, was hat der schüler jetzt schon wieder gemacht, nicht gemacht, gestört, geboxt, gebrüllt, usw.

Eigenartige Ansichten vieler Kommentatoren

Die selbsternannten Bildungsexperten, sprich Eltern, haben größtenteils ein Feindbild, den Lehrer.

Wie soll hier grundsätzlich ein guter Bildungs-Erfolg, Ganztagsschule hin oder her, zustandekommen, wenn der Hauptpartner der Schüler, nämlich der Lehrer, von so vielen, zum Feindbild erklärt wird?

Sand in die Augen Betroffener!

Die selbsternannten Bildungsexperten, sprich Lehrer, haben größtenteils zwei Feindbilder, den Schüler und den Lehrer!

Wie sonst kann eine Gewerkschaft ein Land in Geiselhaft nehmen und die Bedürfnisse ihrer Feindbilder ignorieren ???

Eltern wollen mehrheitlich die Ganztagsschule, die ÖVP Experten haben das in ihrem Papier dringend vorgeschlagen, alle PISA Sieger haben die GS, ...

Es ist zum kot..en, wie Lehrer ihr Privileg des Halbtagsjob auf Kosten der Gesellschaft durchpressen - Schande über Euch!

Re: Sand in die Augen Betroffener!

Das was Sie da schreiben, stimmt halt überhaupt nicht !
Bitte welches PISA-Sieger Land hat nur Gesamtschulen ?
Ich weiß eines, nur wird es nicht extra so gewertet, aber hebt den Pisa Stand Deutschlands. Es ist Bayern mit KEINEN Gesamtschulen !

Es geht um GANZTAGESSSCHULEN!


ich warne

davor, die ganztagsschule zu schnell durchzuboxen. sie ist zwar in vielen anderen europäischen länder etabliert, aber man kann äpfel nicht mit birnen vergleichen. die verwaltung wird beispielsweise intensiver, etc. außerdem muss ein breites angebot für schüler entwickelt werden, sofern man möchte, dass es wirklich funktioniert und nicht nur in der populismusschiene arbeitet. das größte problem: RAUM für schüler UND lehrer. sich einen kleinen tisch, auf dem 2 stapel hefte nebeinander platz haben, zu teilen und dann in der schule vor- und nachzubereiten ist einfach unmöglich! anderswo ist dies anders...

Die Quintessenz des neuen Gesetzes

lautet dann wohl: Macht's es wie's es glaubts!
Was zu einem weiteren ziellosen herumexperimentieren mit mit unseren Kindern führen wird. Und selbstverständlich wird das ganze mehr kosten als je zuvor.

Lehrer haben doch zu 50% den Beruf verfehlt und die anderen 50% wissen das, halten aber still. Diese zweifelhafte, von der Gewerkschaft verteidigte Ethik muss durchbrochen werden, vorher wird es keine vernünftige Schulpolitik geben können.

Klugschei*er&Besserwisser in die Schulen -

dort werden diese unentdeckten Talente gebraucht.

Schön und gut

Nur in der grundlegenden Frage, nur Nachmittagsbetreuung oder verschränkter Unterricht sind sie sich nicht einig! Und das ist aber des Pudels Kern.
Und die nebbichen 80 000 €, die sie drauflegen für den Ausbau, das ist lachhaft! Für Pendler, von denen die Mehrzahl aus ihren komfortablen Landvillen mit Dreckschleuder in die Stadt pendeln müssen gibt es 100 000 € und für unsere Kinder?

Re: Schön und gut

Haben Sie ein zahlenproblem?

7

OFFENSICHTLICH

Die ÖVP hat sich wieder von der Lehrergewerkschaft zum Schaden der Schüler über den Tisch ziehen lassen. Schade. :-(

Re: OFFENSICHTLICH

Na und die SPÖ hat zugestimmt! Noch größerer Umfaller! Hat jemals die Frau Fekter den Schwanz (lol) eingezogen?

Ad ZIB 2

Vorausschicken möchte ich, dass ich Kimberger keineswegs für einen Medienstar halte, aber was da beim soeben gesendeten ZIB 2-Bericht abgelaufen ist, lässt doch an einem parteipolitisch unabhängigen ORF schwere Zweifel aufkommen: Alleine schon die Ankündigung, dass die Lehrer ein Vetorecht besitzen und alles verhindern können und was ist mit den anderen Schulpartnern?? Wenn sich Eltern zu wenig einbringen und bei Umfragen die Rücklaufquoten der Eltern bei 10 - 15 % liegen, so ist das doch wohl kaum den Lehrern anzulasten.
Abgesehen davon: Wieso gibt es denn offensichtlich gut funktionierende Ganztagsschulen, wie in diesem Bericht gezeigt wurde - denn auch hier hätten das Lehrer mit ihrem ach so überschätzten Vetorecht verhindern können - ist aber nicht passiert. Warum wohl? Vielleicht passen hier auch die örtlichen Rahmenbedingungen (ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber ein verantwortungsvoller Lehrer würde keiner Käfighaltung der Kinder zustimmen.)

Re: Ad ZIB 2

In Österreich ist der Lehrer eine Autorität und kein Partner der Eltern, das ist es was die geringe Rücklaufquote aussagt. Die meisten Eltern sagen nichts, weil sie evt. ihrem Kind schaden könnten und es ohnehin keinen Sinn hat. Solange die Lehrer nicht in ihren eigenen Reihen aufräumen, sind sie unglaubwürdig und man wird zu ihnen möglichst auf Distanz gehen.

Ich bin Vater von vier Kindern und sechs Enkelkindern, das nur für den Fall, dass jemand glaubt ich hätte keine Ahnung. Ach ja und natürlich war ich auch mal Schüler und stelle fest, dass sich seit den 60er Jahren trotz vielem herumexperimentieren nicht wirklich was geändert hat.

Ganztagesschule mit Unterricht

ist für Sie also "Käfighaltung,der aber kein verantwortungsvoller Lehrer zustimmen würde?" Was für eine merkwürdige Diktion!

Aber glauben Sie mir, die Lehrer stimmen aus ganz anderen, trivialeren Gründen nicht zu, die da heißen: gutes Geld für wenig Arbeit und viel Freizeit (im Vergleich zur sonstigen hackelnden Bevölkerung!)

Re: Ganztagesschule mit Unterricht

Lieber Daily Observer, wenn man keine Ahnung vom Schulbetrieb hat, sollte man mit derartigen Kommentaren vorsichtig sein!

Schluß mit anstrengendem Lernen

1. Kinder, ihr brauchts nix mehr lernen, das ist total uncool - und wenns ihr nix könnts, dann sind eh die Lehrer schuld,
2. Ganztags schule kommt auf jeden Fall, ob die baulichen Voraussetzungen in der SChule da sind oder das Geld und die Lehrer fehlen, furzegal.
3. Wenns schief geht sind ja die verdammten Lehrer schuld.
4. Lehrer den ganzen Tag in die Schule !! Besonders wenn der Arbeitsplatz im Konfer.Zimmer 60 x 60 qcm ausmacht, ist ja Platz genug !
5. Paradigmenwexel im SoziSystem. ! für gewisse Arbeitfelder wird die Sklavenarbeit wieder eingeführt.

Re: Schluß mit anstrengendem Lernen

Ihr Arbeitsplatz ist das Klassenzimmer. Das ist meist größer ;-)


Lehrer.....

... Anachronismus auf zwei Beinen!

Re: Lehrer.....

Selten über einen guten Witz so gelacht (normalerweise gehe ich dazu nicht in den Keller).

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SGA

Wenn ich mir hier so die Postings durchlese, so kann ich nur den Kopf schütteln- offensichtlich haben die wenigsten Poster einen blassen Dunst davon, was der SGA ist, nämlich ein demokratisch gewähltes Gremium aus jeweils drei Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern (Reihenfolge nicht wertend, sondern alphabetisch), deren Stimmen bei Abstimmungen gleich viel Gewicht besitzen. Da man an den Schulen, auch entgegenlautenden Meinungen zum Trotz, zumeist an einer gedeihlichen Zusammenarbeit von allen Seiten interessiert ist, finden hier sinnvolle Diskussionsprozesse statt.
Und wenn hier immer wieder "die Lehrergewerkschaft" als das Schreckensmonster durch die Postings geistert - egal, wie man zu ihr steht - aber als Entscheidungsträger am einzelnen Schulstandort spielt sie nicht die geringste Rolle.

Ah ja, Wermutstropfen ...

... wie kommt ein Arbeitnehmer auch dazu, irgend etwas bei seinen Arbeitsbestimmungen und Arbeitszeiten mitbestimmen zu wollen oder dürfen.

Das zeigt recht schön, liebe Frau BM, wo die sozialdemokratische Partei derzeit zu stehen scheint - wohl eher nicht auf Seiten der Arbeitnehmer ... da muss die ÖVP (!!!) gegenüber der SPÖ Arbeitnehmermitspracherechte verteidigen - die Welt ist schon verkehrt...

 
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