Ganztagsschule: Lehrer gegen "Massenschülerhaltung"

05.12.2012 | 13:39 |   (DiePresse.com)

Die Gewerkschaft spricht sich für Ganztagsschulen auf freiwilliger Basis aus und verurteilt "primitives Lehrerbashing". Für Eltern hat die Veto-Möglichkeit für Lehrer eine "schiefe Optik".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die AHS-Lehrergewerkschaft hat sich am Mittwoch in einem Rundschreiben gegen "primitives Lehrerbashing" im Zusammenhang mit Ganztagsschulen gewehrt. Die Lehrer hätten selbst im April 2011 mehr "ganztägige Schulformen auf freiwilliger Basis unter strikter Berücksichtigung qualitativ hochwertiger Rahmenbedingungen" gefordert, betonte AHS-Vertreter Eckehardt Quin (FCG) in dem Schreiben. Dementsprechend würden auch die Ausbaupläne der Regierung begrüßt. "Wir sprechen uns aber klar gegen verpflichtende 'Massenschülerhaltung' aus."

Es gebe an jeder AHS Österreichs, wo das von den Eltern gewünscht werde, ganztägige Angebote, wehrte Quin sich gegen das Betonierer-Image der Gewerkschaft. Paul Kimberger (FCG), Vertreter der Pflichtschullehrer. Ihm sei kein einziger Fall bekannt, in dem Lehrer die Umwandlung eines Standorts in eine verschränkte Ganztagsschule mit Wechsel von Unterricht, Lern- und Freizeitphasen blockiert hätten.

Ganztagsschulen
Während es bei der reinen Nachmittagsbetreuung nämlich einen Rechtsanspruch der Eltern ab 15 angemeldeten Schülern gibt, müssen bei der Umwandlung zur verschränkten Form jeweils zwei Drittel der Eltern und der Lehrer zustimmen. Derzeit gibt es an insgesamt 18 Prozent der Pflichtschulen (Volksschulen, Hauptschulen/Neue Mittelschulen, Polytechnische Schulen, Sonderschulen) bzw. AHS-Unterstufen ganztägige Angebote. Schulen, an denen alle Klassen als verschränkte Ganztagsschule geführt werden, machen indes laut Unterrichtsministerium nur rund zwei Prozent (126 Schulen) aus.


Auch beim Dachverband der Elternvereine an Pflichtschulen ist kein Fall bekannt, in dem Eltern eine Umwandlung zur Ganztagsschule befürwortet, aber Lehrer diese blockiert hätten. Dass die Zustimmung der Lehrer Voraussetzung bleibt, hat aus Sicht des Vorsitzenden Christian Morawek dennoch "eine schiefe Optik".

Mit dem angekündigten Ausbau ganztägiger Schulformen sei man dennoch "auf dem absolut richtigen Weg", so Morawek. Um den Eltern eine wirkliche Wahl zwischen reiner Nachmittagsbetreuung und verschränkter Form mit einem Wechsel von Unterricht und Freizeit zu ermöglichen, bräuchten diese allerdings ausreichend und früh genug Information. "Die Länder und Landesschulbehörden sind gefordert, die Eltern auf ihr Mitbestimmungsrecht hinzuweisen."

Mehr zum Thema:

Elternvertreter für Wahlmöglichkeit

Auch wenn Morawek selbst ein großer Befürworter der verschränkten Form ist, plädiert auch er für eine Wahlmöglichkeit der Eltern. Denn während er in Ballungsräumen auf jeden Fall für echte Ganztagsschulen sei, müsse man im ländlichen Raum erheben, ob ein solches Angebot gebraucht werde.

Kimberger und Quin pochten weiters auf zusätzliche Ressourcen für die Schulen, die Nachmittagsangebote machen sollen. "Schon jetzt sind viele Standorte, wo Ganztagesbetreuung angeboten wird, nicht kindgerecht", so der Pflichtschullehrervertreter.

Androsch kritisiert Spindelegger

Bildungsvolksbegehren-Initiator Hannes Androsch beharrte unterdessen in einer Aussendung vom Mittwoch darauf, dass es sich beim Ausbau von Ganztagsangeboten um echte Ganztagsschulen handeln müsse. Es dürfe außerdem nicht passieren, dass "Teile der Regierung vor der bekannten Gruppe der ständigen Blockierer wieder einknicken", kritisierte Androsch die Ankündigung von VP-Vizekanzler Michael Spindelegger, wonach der Ausbau sich an einer jährlichen Bedarfserhebung orientieren soll.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Ganztagsschule: Plätze verdoppelt

    Claudia Schmied / Bild: (c) APA Die SPÖ und ÖVP haben eine Einigung zum Ausbau der Ganztagsschulen getroffen. Bis 2018 soll es 200.000 Betreuungsplätze geben. Eltern und Lehrer sollen gemeinsam über die Form der Nachmittagsbetreuung entscheiden.

Mehr aus dem Web

81 Kommentare
 
12 3

Schreckliche Machspielchen vs. Reformen

Jemand der SchülerInnen mit dem Begriff „Massenhaltung“ sollte dringend ein paar persönliche Weiterbildungen machen im Bezug auf Wertreflexion, Selbsterfahrung und Ethik.

Zum Thema:
Die SchülerInnen jetzt sind ganzen Tag in den Klassen eingesperrt und wenn nicht gerade Turnunterricht ist und der Lehrer/Professor rausgeht mit den Kindern, ist frische Luft und Bewegung Luxus.
Abgsehen davon, würde das eine Durchmischung von SchlülerInenn bedeuten, egal welcher Herkunft. Die Individuelle und ganztägige Betreuung wäre sehr wichtig, da man sich so einen straffen Stundenplan erspart. Es kann endlich Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schüler genommen werden, Bewegung während des Tages stattfinden und oder auch andere Aktivitäten.

Hier ein Auszug von einer ganztägigen Volksschule in Österreich:
"Schule als Lebensraum"
„Parallel dazu steht den Kindern im Freizeitbereich der Ganztagsschule eine breite Palette an Angebote zur Auswahl die auf Bedürfnisse, Neigungen und standortspezifische Gegebenheiten eingehen.“

Ein paar mögliche Gründe warum man sich so sehr weigert trotzdem etwas an unserem Schulsystem zu ändern:
- Vielleicht wollen einfach manche Personengruppen nicht dass diese Form des Unterrichts jeden gratis zugänglich ist.
- Aber vielleicht ist es einfach ein Problem für manche, die dann kein Geld mehr mit Nachhilfe verdienen. Denn sogar jedes 5. Kind braucht bereits in der Volksschule Nachhilfe!
- Vielleicht wollen manche einfach Kinder zu systemkonformen Menschen erziehen lassen. Die österreichische Schulstunde mit der Glocke und die Aufteilung des Schuljahres stammt noch von der Monarchie und der Militarisierung der Bevölkerung.

Aber ach was brauchen wir oder „unsere“ Kinder eine Reform nach ein paar Hundert Jahren. Es könnte ja jemand selbstständig zu denken beginnen. Oh nein!! Bitte ÖVP hilf uns!

Sind dann eigentlich die Lehrer Massenschülerhalter?

Wäre eigentlich der konsequente Umkehrschluss...

Re: Sind dann eigentlich die Lehrer Massenschülerhalter?

Ja, sind sie, zwangsweise. Die können die Kinder ja nicht einfach heimschicken, wie es ihnen passt.

Wie ist das möglich?

Die HIB im dritten Bezirk war, so lange sie zum Ministerium gehörte, eine Schule, von der jeder wusste, dass die Schüler den ganzen Tag dort verbringen. Vormittags mit Unterricht, nachmittags teilweise mit Unterricht und Internat. Vollinterne gab und gib es noch immer. Kurz nachdem die Schule vor einigen Jahren vom bekanntlich sozialistisch dominierten Stadtschulrat übernommen wurde, lockerte man den halbinternen Internatsbereich insofern, indem nun die Internatstage gewählt werden können. Die Organisation hat das nicht erleichtert. Das zum Thema Ganztagsschule. Funktionierendes wird dezimiert. Schwieriges wird gefordert.

20 2

"Massenschülerhaltung"

ist aus meiner Sicht die richtige Wortwahl. Sehe längst Entwicklungen in Richtung Massen-Menschhaltung an sich!

Re: "Massenschülerhaltung"

Richtig!

Plan ist der rote Mensch, der von der Sozialdemokratie, von der Wiege bis zur Bahre, versorgt und betreut wird, aber als Unmündiger, dem roten System zum Machterhalt dient!

"Massenschülerhaltung"


Alleine aus dieser Wortschöpfung ist klar erkennbar, wie Lehrer über die ihnen anvertrauten Schüler sprechen.

Erinnert mich an "Massen-Tierhaltung"! Einfach ekelhaft!

Re: "Massenschülerhaltung"

Ich kann diese üblen Pauschalierungen, was das Verhalten der Lehrer betrifft, nicht mehr hören. Was versagt ist die Gesellschaft, die nicht mehr fähig ist, die Kinder als Kinder zu Jugendlichen und diese zu verantwortungsbewussten Erwachsenen reifen zu lassen. Die Ursachen sind komplex. Aus diesem Grund ist es unqualifiziert, wenn Lehrer ständig von irgendwem attackiert werden. Beschimpft man Handwerker, welche z.B. die Wohnung sanieren sollten? Davor wird sich jeder vernünftige Mensch hüten, weil er gegebenenfalls mit Problemen rechnen müsste. Liegt so manchen Eltern nichts an ihren Kindern? Wie können sie diese Lehrern anvertrauen, die verachtet werden? Die Diskussionen über die Ganztagsschule erübrigen sich ohne dazu erforderliche Infrastruktur. Und genau diese lässt in den meisten Fällen zu wünschen übrig. Bis heute gibt es außer künstlicher Aufregung kein ausgereiftes Konzept wie vorgegangen werden soll. Schimpfen kann man bald. Planen ist schwieriger. Fähig dazu sind die wenigsten.

@Presse

Ich entschuldige mich und widerrufe meinen letzten Kommentar. Das Posting ist jetzt gerade doch noch erschienen! Sorry!

Wer bitte lässt sein Kind in einem linken Erziehungsstadl versauen?


3 21

Re: Wer bitte lässt sein Kind in einem linken Erziehungsstadl versauen?

Ganz Dicht sind sie sicher nicht, wahrscheinlich irgendwo angerannt !!!

Re: Re: Wer bitte lässt sein Kind in einem linken Erziehungsstadl versauen?

Die linken werden Tag für Tag frecher. Liegt das an ihrer versauten Politik oder an dem was sie Konsumieren? Ich weiß es nicht. Aber klären Sie mich auf, was haben Sie auszusetzen?

Gilt der Verhetzunsparagraph auch für Lehrerhasser?

Danke Frau Minister, dass sie einen tiefen Keil in die Schulpartnerschaft, mit ihrem Ansinnen, die Lehrer von der Entscheidung, auszuschliessen, getrieben haben, was zu einem noch nie da gewesenen Lehrer Bashing geführt hat.

Was diese Aufhetzung für Auswirkungen auf den Unterricht hat, kann sich jeder ausmalen, Frau Minister!

18 2

Re: Gilt der Verhetzunsparagraph auch für Lehrerhasser?

Das ist nur die konsequente Fortsetzung ihres Weges- alle bestehenden Lehrer schlecht machen und ständig Keile zu treiben, wo es für sie opportun ist. Dieses Abkanzeln der Lehrer in der Öffentlichkeit ist eine ganz bewußte Methode, um alle "Grausligkeiten" des geplanten Dienstrechtes öffentlichkeitsunterstützt anzubringen.

Re: Re: Gilt der Verhetzunsparagraph auch für Lehrerhasser?

Faulheit wird eben nicht überall belohnt werden....

also:

kein lehrer ist gegen ganztagsschulen, niemanden ist auch nur ein einziger fall bekannt, indem lehrer gegen die einrichtung einer solchen waren und dennoch hat es eine "schiefe optik", bzw ist es "ein wehrmutstropfen", wenn betroffene lehrer ein mitspracherecht haben. schönes demokratieverständnis.

und zur tatsächlichen umsetzung: ohne umbauten, die hunderte millionen kosten, ist nix zu machen. also ist das sowieso nur ein politischer schmäh, genauso wie die tägliche turnstunde.

19 2

was heißt hier immer Ganztagesschulen.

Ich fordere Ganzjahresschulen. Kinder kommen am 1.Jänner in die Schule und dürfen erst wieder am 24. Dezember für die Fastfoodbeschehrung eine Stunde zu den Erzeugern. Am 25. ist dann schon wieder Schluss mit den langen Ferien für die Faulpelzpädagogen. Eine Stunde muss reichen, im Jahreswandel. Und erst mit 20 endet dann die Schulpflicht. So haben wir 365x20 Tage, bestens auf das chinesische Arbeitsmodell für Europa 2050 vorbereitet. Geboren als "Legekind", gelebt als "Legearbeiter"!

13 5

Düstere Prognose

Wenn die Zwangstagsschule für alle kommt, dann wird die Selbstmordrate unter den Schülern steigen, es wird vermehrt zu Verhaltensauffälligkeiten, Jugendgewalt und -kriminalität kommen.

Am Bildungsniveau wird sich im besten Fall nichts ändern, wahrscheinlicher jedoch ist ein weiteres Absinken.

Die klassische Familie wird von der Regel zu einer Ausnahme werden. Fordern doch schon jetzt Schule, Medienkonsum und längere Arbeitszeiten ihren Tribut.

Fehlt die Zeit für echte Kommunikation/Zuhören/Einfühlen, fehlt die wesentliche Basis einer guten Beziehung.

Unglaublich....

aber war: Die armen Kinder MÜSSEN bis 16 Uhr anwesend sein. Aber eine nur Freiwillige Option gibt es ja nicht. Danke SPÖ und danke ÖVP das ihr bei dem Blödsinn mitmacht.

29 1

Re: Unglaublich…

Die Optionen heißen
• Privatschule
• Hauslehrer/Hausunterricht
• und WIDERSTAND!

Ganztagsschule

schlecht für Lehrer wenn die Nachhilfestunden als lukrativer Nebenerwerb entfallen.

In welchem Fach könnten Sie Nachhilfe geben ?


14 5

Re: Ganztagsschule

Wie schlimm muss es für Sie sein, jeden Morgen wach zu werden und zu merken, dass Sie NICHT Lehrer geworden sind! Wie ärgerlich!

Re: Re: Ganztagsschule

dieser Kommentar ist schon sehr abgedroschen. Probleme mit der Wahrheit?

20 2

Re: Ganztagsschule

Es würde keine einzige Nachhilfestunde weniger gebraucht.

Die Ganztagsschule bedeutet nur, dass die Kinder länger aufbewahrt sind, egal wie man die Unterrichtsstunden auf den Tag verteilt. Kein einziges Kind würde auch nur eine einzige Unterrichtsstunde mehr erhalten.

Glauben Sie wirklich, dass ein Lehrer in einer Stunde oder auch zwei die Hausübungen einer ganzen Schulklasse kontrollieren kann? Und dann auch noch so nebenbei helfend einspringt, wenn ein Kind Probleme hat? Also ich nicht. Die Aufgaben werden wohl eher auf Vollständigkeit kontrolliert werden, wenn überhaupt. Davon hat aber noch kein Kind etwas zusätzlich gelernt.


16 1

echte ganztagsschulen herr experte androsch

"Echte Ganztagsschulen funktionieren ganz anders, indem sie den Unterrichtstag auf die Lernbedürfnisse der Kinder abstimmen. Da wird nicht mehr mit festen Jahrgangsklassen gearbeitet, sondern mit flexiblen Groß- und Kleingruppen, die Gruppenräume, Ruhezonen, Werkstätten und so weiter zur Verfügung haben. Der Ablauf in den Schulen muss so beweglich sein, dass Personal gezielt an den Stationen eingesetzt wird, wo es am meisten leisten kann - derzeit müssen Lehrer viel Kram bewältigen, für den man nicht studiert haben muss. Von all dem ist im Regierungsbeschluss keine Rede. Für eine Ganztagsschule braucht es nicht nur Freizeitpädagogen, sondern Logopäden, Nativespeaker, Sozialpädagogen - das ganze Inventar, um die Kinder zu fördern."
(http://derstandard.at/1353208313832/Ganztagsschule-Kinder-werden-voellig-unnoetig-behindert)

bitte bitte bitte bitte!!! wer darf sich aller bildungsexperte und -beauftragter nennen lassen?!?!?!

 
12 3

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden