Sprachförderung: Wien setzt stärker auf die Vorschule

06.01.2013 | 18:39 |   (Die Presse)

In Wien soll bei der Schuleinschreibung verstärkt auf die Deutschkenntnisse der Kinder geachtet werden. Reichen diese nicht aus, sollen die Schüler nicht in die erste Klasse, sondern noch ein Jahr in die Vorschule gehen.

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Wien/Apa/Beba. Wien setzt auf mehr Vorschulklassen – und zwar verstärkt auch für jene Kinder, die bei Schuleintritt noch nicht ausreichend Deutsch können. Diese Ankündigung von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) sorgt bei Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) für Freude: „Die Stadt Wien überholt das Unterrichtsministerium“, heißt es aus seinem Büro. Dass die Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen in der Vorschule gefördert werden, statt in die erste Klasse Volksschule einzusteigen, ist eine der Forderungen, mit denen Kurz bei Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) bislang abgeblitzt ist. Die Ministerin lehnte solche Maßnahmen als „Ghettoklassen“ ab.

Konkret soll bei der Schuleinschreibung in Wien, die von 14. bis 25.Jänner stattfindet, verstärkt auf die Sprachkenntnisse der Schulanfänger geachtet werden. Dabei sollen nur Schüler mit ausreichenden Deutschkenntnissen mit der ersten Klasse Volksschule beginnen dürfen und Kinder mit Sprachproblemen in Vorschulklassen speziell gefördert werden. „Wer nicht versteht, was gesagt wird oder geschrieben steht, hat in der Schule keine Chance“, begründet Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl diese Maßnahme. Mit den Forderungen von Kurz habe diese allerdings wenig zu tun – vielmehr sei die Realität an den Schulen diesen teilweise offenbar bereits voraus.

Denn völlig neu ist das Modell nicht. In Wien gibt es bei der Schuleinschreibung seit dem Jahr 2008 das sogenannte „1+1 Fördermodell“. Ein Jahr vor dem Volksschuleintrittstermin werden die Kinder in die Schule eingeladen. Wird bei ihnen ein Förderbedarf (nicht nur sprachlicher Art) festgestellt, können sie während des verpflichtenden Kindergartenjahrs verstärkt gefördert werden. Wer dann bei der Schuleinschreibung immer noch nicht schulreif ist, soll noch ein zweites Jahr in der Vorschule gefördert werden. „Besser ein zusätzliches Förderjahr am Anfang als eine langfristig negative Schullaufbahn“, so Brandsteidl.

 

Kein Kriterium für Schulreife

Neu ist aber, dass ab heuer noch stärker auf die Deutschkenntnisse der Schüler geachtet werden soll – auch wenn die Beherrschung der Unterrichtssprache allein eigentlich kein Kriterium für die Schulreife sein darf. Rechtlich könnte diese Maßnahme also durchaus heikel sein. Denn laut Schulpflichtgesetz sind die relevanten Punkte für die Schulreife die motorisch-körperliche, geistig-kognitive und sozial-emotionale Reife. Die sprachlichen Fähigkeiten gehören hier grundsätzlich dazu, argumentiert der Stadtschulrat. Wie gut ein Kind sich ausdrückt oder ob es Erzählungen inhaltlich wiedergeben kann, wird bei der Schuleinschreibung bereits jetzt berücksichtigt. Kurz hatte zuletzt wiederholt gefordert, dass auch die Kenntnisse des Deutschen für die Bestimmung der Schulreife herangezogen werden.

Demnächst wird sich in puncto Sprachförderung ohnehin etwas tun: Bis März will das Unterrichtsministerium – nach entsprechendem Beschluss im Ministerrat im Dezember – neue Modelle dafür entwickeln. Ab Herbst sollen diese in Pilotprojekten getestet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2013)

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11 Kommentare
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Soll sich der Kurz eben mit der Brandsteidl zusammentun!

Wenn die ExKommunalkreditvorstandsdirektorin Schmied nur Experten sinnieren lässt und Versuche plant.

Sprachausbildung für Ausländer ist keine staatliche Aufgabe.

Wer ein Kind mit fehlenden Deutschkenntnissen hat, das in die Volksschule zu gehen hat, der muss dieses Kind eben auf seine Kosten in eine private Vorschule schicken.
Der österr. Staat ist nicht dazu da, solche fehlenden Kenntnisse auf Steuerkosten zu sanieren, da das österr. Schulwesen für Österreicher da ist und bei diesen Deutschkenntnisse vorausgesetzt werden.
Kostenlose Sprachausbildung für Ausländer ist keine staatliche Aufgabe.

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Ich bin sprachlos

Endlich mal was Vernünftiges aus Wien.

Super Sache

Wichtig wäre allerdings, dass das Abprüfen der Sprachfertigkeit genormt nach genauen Vorschriften vorgenommen wird und nicht im freien Ermessen eines Lehrers liegt.

Weitere wichtige Maßnahmen wären dann eine absolute Deutschpflicht an allen Schulen und das Abschaffen des "Muttersprachenunterrichts" zugunsten einer Einführung von zusätzlichen Deutschkursen für Migrantenkinder.

Hat selbiges- neben der RWR-Karte- nicht schon...

...der selige Jörgl gefordert?

Er wirft einen langen Schatten, der Verblichene- jetzt verstehe ich, was Petzner meinte, dass die Sonne vom Himmel gefallen sei...nein, im Ernst: kann sich wer vorstellen, dass man sich in 20 Jahren an unseren jetzigen Kanzlerdarsteller (wie heißt der Kerl doch gleich?) erinnert?!

Andererseits, wenn er das FPÖ-Programm der 1980er realisiert, hätte der Dingsbums noch Potential...

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Bei dem Willen unserer Migranten Deutsch zu lernen

Können die Lehrer derzeit in vielen Klassen nur in der Gebärdensprache unterrichten.
Aber macht nichts, für die Mindestsicherung reichts!

Re: Bei dem Willen unserer Migranten Deutsch zu lernen

Für einen muss ich eine Lanze brechen.
Er kam eine Woche vor Schulbeginn nach Ö, sprach auch kein Englisch, sodass wir anfangs durch Gebärden mit ihm kommunizierten. Wenn er etwas begriffen hatte, nickte er. Da er ein hochbegabtes Kind war, übersprang er nach 2 Jahren eine Klasse.
Er kam übrigens aus China.

nur noch eine frage

stellt sich also nur noch eine frage:

wann macht die frau schmied endlich platz für einen nachfolger?

nachdem inzwischen auch fachleute aus ihrer eigenen partei erkannt haben, dass es mit der bildung so nicht weitergehen kann, sollte sie bitte die konsequenzen ziehen!

getto...

... keine.gettoklassen: dafür bunt gemischt und nicht fähig dem unterricht zu folgen. das ist bildungspolitik made in austria.

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Das ist bereits geltendes Gesetz! Was ist daran bitte die große Neuerung?

Schulunterrichtsgesetz §3 (3):
"Die Erziehungsberechtigten haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder zum Zeitpunkt der Schülereinschreibung die Unterrichtssprache im Sinne des Abs. 1 lit. b soweit beherrschen, dass sie dem Unterricht zu folgen vermögen."

Man muß sich echt an den Kopf greifen! Ich bin kein Jurist, habe das aber innerhalb ca. 2 Minuten gefunden. Unsere Politiker sind nur mehr erbärmlich! Quer durch die Parteien!

hier wird das rad neu erfunden

Demnächst wird sich in puncto Sprachförderung ohnehin etwas tun: Bis März will das Unterrichtsministerium – nach entsprechendem Beschluss im Ministerrat im Dezember – neue Modelle dafür entwickeln. Ab Herbst sollen diese in Pilotprojekten getestet werden. Zitatende. Die Modellentwicklung wird vermutlich 10-15 Jahre dauern, die Expertenmeinungen werden sich geändert haben, und wiederum sind mehrere VS-turnusse ohne ausreichende Basiskenntnisse zu Kandidaten für Sozialhilfe geworden. Diese Verantwortungslosigkeit ist unglaublich.


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